Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

Was, wenn doch #3 – Die Hindernisse

Dies ist der dritte Teil meiner Blog-Serie „Was, wenn doch“, welche von dem Lied „Das falsche Pferd (Was, wenn doch?)“ von Bodo Wartke inspiriert wurde. Falls du das Lied noch nicht kennst, schau es dir hier an und lies hier meinen ersten und hier meinen zweiten Beitrag.

In den ersten zwei Beiträgen habe ich von Begeisterung berichtet und davon, dass diese uns voran treiben kann und kreativ werden lässt. Dies führt letztendlich dazu, dass wir Dinge tun, die wir lieben und wirklich tun wollen – so wie Bodo Wartke es besingt. Mal angenommen, man glaubt, dass das wirklich funktionieren könnte. Was hält uns davon ab, loszugehen?

Neben vielerlei anderen möglichen Gründen sind es für mich insbesondere folgende drei Hindernisse: Fremdbestimmung, Druck und Monotonie. Drei schwerwiegende Worte, wenn man sie einfach so hintereinander schreibt. Allein, wenn ich sie lese, fühle ich mich ein wenig erdrückt. Woran liegt das? Ich glaube, es sind drei Punkte, die in unserer Gesellschaft nicht unüblich sind. Ich behaupte sogar, dass jeder Erfahrung mit mindestens einem dieser Zustände hat. Und doch werden sie so selten thematisiert, stattdessen eher hingenommen und als „normal“ deklariert. Dem möchte ich mit diesem Blog-Eintrag entgegen wirken. Es ist wichtig, diese Zustände zu erkennen und zu benennen. Erst dann können wir auch konkret etwas dagegen unternehmen.

Über Fremdbestimmung habe ich früher nicht besonders viel nachgedacht, bis ich vor kurzem bemerkt habe, dass ich regelrecht allergisch reagiere, wenn jemand versucht mir zu sagen, was ich zu machen habe. Wenn jemand glaubt, besser als ich zu wissen, was gut für mich ist – man mir quasi nicht zutraut, dass ich durch Selbstbestimmung meine Ziele am besten erreichen könnte. Ich meine damit nicht notwendige Anweisungen am Arbeitsplatz, ohne die bestimmte Abläufe nicht reibungslos funktionieren könnten. Ich meine auch nicht die Anweisung eines Lehrers an einen Schüler oder den Gehorsam, den Eltern bei ihren Kindern einfordern.

Ich meine die Entscheidung eines Erwachsenen darüber, wie er sein Leben gestalten möchte. Vor kurzem bin ich mit meinem Mann verschiedene Phasen in unserem Leben durchgegangen, die wir nicht unbedingt mit positiven Gefühlen verbinden und wir haben überlegt, was die Gründe dafür sind. Im Endeffekt lief es oft darauf hinaus, dass wir uns in diesen Phasen fremdbestimmt gefühlt haben. Phasen, in denen wir zu einem großen Teil gezwungen waren, Dinge zu tun, die wir uns nicht selbst ausgesucht hatten und – was das Ganze erst so schwierig macht – selbst nicht für sinnvoll und zielführend hielten. Hierbei kommt der Druck ins Spiel, denn Druck verspüren wir automatisch, wenn wir zu etwas gezwungen werden, wovon wir selbst nicht überzeugt sind. Dieser Druck ist wohlgemerkt von positivem Stress zu unterscheiden, der uns dazu drängt, Aufgaben zu erledigen, die zu einem selbstgewählten Ziel führen. Ja, um dieses zu erreichen, muss man auch manchmal lästigen Tätigkeiten nachgehen. Doch der Unterschied ist, dass die Erledigung dieser dazu führt, dass wir schließlich stolz und zufrieden über ein Ergebnis sein können.

Doch diese andere Form des Drucks, die ungesunde Form, führt wiederum zu meinem dritten Hindernis: Monotonie. Für mich sind monotone Handlungen solche, denen ich nur noch deshalb nachgehe, weil ich es so gewohnt bin und nicht, weil ich einen Sinn dahinter sehe. Ich gebe mich sozusagen dem Druck hin, passe mich an und gehe den Tätigkeiten allein deshalb nach, weil ich nicht glaube, dass es eine andere – bessere – Option für mich geben könnte. Dieser Zustand geht also mit Resignation einher.
Ich bin sehr dankbar, dass es in meinem Leben noch nicht oft bis zu dieser Resignation gekommen ist. Bisher habe ich es meist vorher geschafft, Alternativen zu finden. Doch das geht nicht immer oder zumindest nicht immer so leicht. Aber wieso geraten wir überhaupt erst in diesen Strudel der Fremdbestimmung und lassen es zu, uns von Druck und Monotonie bestimmen zu lassen?

In dem Filmessay zu dem Lied „Das falsche Pferd (Was, wenn doch?)“, welches ich bereits in „Was, wenn doch #2“ erwähnte habe, stellt ein Mann die These auf, dass der Grund dafür fehlende Sicherheit ist. Dies erklärt er an dem Beispiel von Kindern: Kinder probieren aus, entdecken, toben herum und haben ein unermüdliches Bedürfnis, die Welt um sich herum zu erforschen. Und das können sie tun, weil ihre Eltern ihnen Sicherheit geben und im Hintergrund immer bereit stehen. Unter diesen Voraussetzungen kann sich das Kind entfalten, denn es vertraut auf seine Eltern.

Diese Sicherheit bietet unsere Gesellschaft jedoch nicht für jeden von uns. Wir sind zum Beispiel davon abhängig, wie viel Geld wir besitzen, wo wir leben und welche Menschen in unserer Umgebung sind, die uns unterstützen könnten. Wenn wir in diesen Bereichen stärkere Defizite aufweisen, fühlen wir uns unsicher und nicht in der Lage, frei zu handeln. Wir müssen beispielsweise Jobs annehmen, die wir eigentlich gar nicht annehmen wollen, nur um Geld zu verdienen. Wir müssen Hobbys aufgeben, weil wir keine Zeit für sie haben. Im schlimmsten Fall müssen wir unsere Selbstbestimmung aufgeben.
Denk einmal über dein eigenes Leben nach: Welche Bereiche hast du dir selbst ausgesucht, welche nicht? Hast du deine Ausbildung oder deinen Job selbst gewählt? Kannst du dich entfalten und weiterentwickeln oder bleibst du an einer Stelle stehen? Fühlst du dich dauerhaft unter Druck und monotonen Tätigkeiten ausgesetzt?

Wir können Sicherheiten leider nicht aus dem Nichts herbeizaubern – und deshalb sollten wir auch nicht warten, bis sie endlich da sind. Wenn wir diese Fragen für uns beantworten und mit Schrecken feststellen, wie sehr wir an einer Stelle stehen bleiben, sollten wir nicht resignieren und traurig darauf verweisen, dass wir eben nicht genug Geld, Unterstützung oder sonstige Ressourcen haben. Sicherlich ist dies oft der Fall! Doch gerade weil es so oft der Fall ist, könnte es uns viel zu oft davon abhalten, unser Leben auch wirklich zu leben. Worauf wir uns stattdessen konzentrieren sollten, sind unsere inneren Ressourcen. In meinem Studium ist der Begriff „Ressourcenorientierung“ gefühlt jeden Tag gefallen – aber er hat auch seine Berechtigung. Statt sich auf das zu fokussieren, was man nicht hat oder nicht kann, ist es viel gewinnbringender, seine Stärken zu kennen und einzusetzen. Tue das, was dir möglich ist, statt darüber zu trauern, was nicht möglich ist.

An dieser Stelle möchte ich außerdem an meine Ermutigungen aus den bisherigen Blog-Einträgen dieser Reihe erinnern: 1. kleine Schritte machen und 2. auf Entdecker-Tour gehen. Und nun kommt noch ein 3. hinzu: Lerne deine Stärken kennen und stärke sie. Denn ich behaupte, dass wir durch diese Ansätze Hindernissen wie Fremdbestimmung und Druck ein wenig mutiger entgegentreten können. Du möchtest beispielsweise Klavier spielen lernen, aber kannst dir keinen Klavierunterricht leisten? Gehe kleine Schritte: Vielleicht befindet sich jemand in deinem Bekanntenkreis, der dir die ersten Grundlagen beibringen kann. Werde erfinderisch: Vielleicht helfen auch YouTube und Co., um sich weitere Fertigkeiten anzueignen?

Dieses Beispiel mag banal klingen und ich will nicht behaupten, dass es immer so leicht ist. Es wäre schön, wenn es einfach mehr Sicherheiten für alle Menschen gäbe. Aber wir sollten aufhören, uns zusätzlich zu diesen fehlenden Sicherheiten auch noch selbst im Weg zu stehen und schon im Vorhinein Möglichkeiten auszuschließen, die wir noch nicht einmal erkundet haben. Wir sollten uns nicht abhängiger als unbedingt nötig von äußeren Umständen und Ereignissen machen, denn damit geben wir diesen Umständen die Möglichkeit, über uns zu bestimmen.
Ich persönlich möchte mich nicht von äußeren Umständen kontrollieren lassen. Ja, ich muss vernünftig mit Dingen wie Finanzen, Rechnungen und Co. umgehen. Ich muss sie beachten, aber ich möchte ihnen nicht die Macht geben, mich einzuschüchtern oder zu entmutigen. Die einzige Sicherheit, die ich im Endeffekt benötige, ist die, dass Gott auf meiner Seite steht. Denn dadurch weiß ich, dass ich nichts zu verlieren habe – nicht einmal mein Leben. Und dadurch kann ich frei sein und meinen Herzenswünschen Schritt für Schritt auf die Spur gehen.

Ich hoffe, dass auch du durch diese Blog-Reihe ermutigt wurdest, dem „Was, wenn doch?“ eine Chance zu geben. Gib dir eine Chance, das auszuprobieren, wofür dein Herz brennt. Finde heraus, was dich bisher daran gehindert hat und dann wage den ersten kleinen Schritt über dieses Hindernis. Ich würde mich freuen, von deinen persönlichen Erfahrungen zu hören oder zu lesen!

Constanze

(photo by brozkeff)

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Veröffentlicht in Gedanken

Das Aussortier-Fieber

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Weniger. Es muss einfach weniger sein. Spontan packt mich das Kleiderschrank-aussortier-Fieber und ich nutze es, um genau die Klamotten ohne zu zögern aus dem Schrank in eine Tüte zu befördern, die ich zwar immer mal wieder in der Hand halte, aber letztendlich doch nie anziehe. Und Schmuck! Da sieht es fast noch schlimmer aus. Bisher haben diese riesen Plastik-Perlen-Armbänder jeden Umzug mitgemacht, obwohl ich sie das letzte Mal in meiner Schulzeit getragen habe. Wenn ich es recht bedenke, dienten sie zuletzt schon als Teil einer Verkleidung. Ich hebe sie nur auf, weil sie mich an meine Teenager-Jahre erinnern, in der diese bunten Dinger mal modisch waren. Mein Gehirn hat mir irgendwie vorgegaukelt, dass dies immer noch der Fall ist. Aber damit ist jetzt Schluss. Meine Kettensammlung bleibt überschaubar, nachdem ich aussortiert habe. Ein paar hübsche, neutral gehaltene Farben hängen scheinbar einsam und doch so viel friedlicher an ihrem Platz. Es sind die, die ich sowieso immer auswähle oder an denen wichtige Erinnerungen hängen.

Diese Aussortier-Freude habe ich als Jugendliche noch nicht empfunden. Da war alles, was man dazu bekam, ein Gewinn. Es erhöhte die Chance, dass man immer etwas besaß, was im Trend lag. Eine große Auswahl bot somit vermeintliche Sicherheit. Umso mehr man kombinieren konnte, umso geringer war die Möglichkeit, daneben zu liegen. Lieber viele billige T-Shirts, die nur ein paar Wäschen überlebten und höchstens zwei Jahre im Trend lagen, als eins, was zu jeder Hose passte und auch noch nach fünf Jahren sein Versprechen hielt. Um ehrlich zu sein, handhabe ich das auch heute noch manchmal so.

Heute dagegen scheint mich jedoch früher oder später auch all das zu belasten, was ich nicht wirklich brauche. Woran liegt das? Ein Grund ist sicherlich, dass ich glücklicherweise nicht mehr dauerhaft den Drang verspüre, im Trend liegen zu müssen. Vielmehr reizt mich das Zeitlose: das silberne schlichte Armband, das immer passt oder das dunkelblaue T-Shirt, das mit fast jeder Kette kombinierbar ist.

Aber der wahre Grund, warum mich zu viel Materielles in meinem Leben belastet, ist, dass das Leben in seiner ganzen Immaterialität schon kompliziert genug ist. Ab einem bestimmten Grad von Reizen und Eindrücken pro Tag werde ich nämlich müde. Ich bin nicht unendlich belastbar, was intellektuelle Leistung, soziale Kontakte und emotionale Eindrücke angeht und ich wette, da bin ich nicht die einzige. Mein Kopf ist voll mit Überlegungen, Ideen, Sorgen und Grübeleien und das Tag für Tag. Ich wünschte mir durchaus, dass er ab und zu mal ein wenig leerer wäre. Aber bis ich in der Lage bin, dieses Kunststück zu vollbringen, kann ich doch immerhin all das reduzieren, was diese Denkleistung noch zusätzlich in Anspruch nehmen würde, im Endeffekt jedoch kaum einen Nutzen hat. Will ich beispielsweise jeden Morgen unnötig viele kreative Säfte dabei verbrauchen, ein kompliziertes Outfit zusammenzustellen? – Welches ich auf jeden Fall nicht letzte Woche schon einmal getragen habe! Denn das könnte ja jemand bemerken und glauben, ich besäße nur eine Handvoll Klamotten. Klingt albern, oder?

In der Zeitschrift „flow“ berichtet Tanja Reuschling in einem Artikel von ihrem Selbstversuch, 14 Tage jeden Tag das gleiche Outfit zu tragen, welches sie nur mit Accessoires variiert. Interessanterweise fiel dies nicht mal in der zweiten Woche irgendjemandem auf – weder den Arbeitskollegen noch der Familie. Nach zwei Wochen schwarzer Röhrenjeans und schwarzem Pullover freut sie sich auch wieder über ihre farbige Kleidung. Und doch beschließt sie, ihren Einkaufsstil zu ändern. „Seitdem konzentriere ich mich auf die eher schlichten Teile, die sich gut kombinieren lassen, wenn ich morgens vor dem Kleiderschrank stehe“, schreibt sie. Denn die 14 Tage haben ihr bewiesen, dass es entlastet, wenn sie sich nicht zu viele Gedanken über ihr Outfit machen muss.

Sie erzählt außerdem von einer Studie von Kathleen Vohs, welche ergab, dass selbst angenehme Entscheidungen unsere mentalen Ressourcen verbrauchen. Und dies bezieht sich sicherlich nicht nur auf die Zusammenstellung von Klamotten. Ich behaupte, umso mehr Materielles wir besitzen, umso mehr müssen wir solche „angenehmen Entscheidungen“ treffen – so oft, dass sie womöglich irgendwann das „Angenehme“ verlieren. Wir müssen entscheiden, was wir essen, welches elektronische Gerät wir benutzen, welche Musik wir hören, welche DVD wir schauen, welches Buch wir lesen möchten. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns glücklich schätzen dürfen, solch eine große Auswahl zu haben. Doch ich möchte dazu herausfordern, diesen materiellen Besitz von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Nutzt er mir wirklich? Wie oft genau benutze ich eine Sache eigentlich noch? Bringt mir diese Sache auch wirklich Freude? Oder sorgt sie eher für Stress oder ein anderes negatives Gefühl?

Vielleicht packt dich dann ja auch das Aussortier-Fieber. Wenn ja, wünsche ich dir viel Freude dabei – denn die empfindet man auf jeden Fall, wenn man sich von Dingen löst, die einen eigentlich nur belasten.

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken

Was, wenn doch #2 – Das innere Kind

Dies ist der zweite Teil meiner Blog-Reihe „Was, wenn doch“, welche von dem Lied „Das falsche Pferd (Was, wenn doch?)“ von Bodo Wartke inspiriert wurde. Falls du das Lied noch nicht kennst, schau es dir hier an und lies hier meinen ersten Beitrag.

Auf der DVD seines aktuellen Programms gibt es außerdem ein sogenanntes Filmessay zu dem Lied. In diesem erzählt ein Mann von dem Phänomen des nicht enden wollenden Antriebs von Kindern. Nach seiner Beobachtung sind diese niemals faul. Wenn man auf einen Spielplatz geht, sieht man kein Kind tatenlos in der Ecke sitzen. Sie probieren aus, toben herum, bauen Burgen. Meine These ist, dass wir uns davon etwas für unser ganz eigenes „Was, wenn doch – Vorhaben“ abschauen können. Lasst uns deswegen ein Stück zurückgehen:

Habt ihr schon einmal die „Evolution“ eures Berufswunsches betrachtet? Habt ihr schon einmal genauer darüber nachgedacht, welchen Beruf ihr wann erlernen wolltet und warum? Und was im Vergleich zu euren Überlegungen in der Vergangenheit letztendlich daraus geworden ist?

Mein erster Berufswunsch, an den ich mich bewusst erinnern kann, ist Köchin. Das lag schlicht daran, dass ich es cool fand, wie meine Mutter kochte und das Ergebnis immer gut war. Das wollte ich auch. Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass es noch über ein Jahrzehnt dauern musste, bis sich eine gewisse Affinität zum Kochen bei mir einstellte. Deswegen war erst der Folgende mein wahrer erster Berufswunsch: Im Alter von neun Jahren wollte ich Schriftstellerin werden. Ich hatte begonnen, Geschichten zu schreiben und es hörte nicht auf. Es war ein Hobby, dass ich ganz allein entdeckt hatte und was nicht enden wollende Möglichkeiten bot.

Meine Geschichten waren absurd und eine merkwürdige Mischung aus Verarbeitung eigener Erlebnisse und Wunschfantasien. Die Grammatik hat sicherlich nicht gestimmt, der Aufbau war konfus und der Ausdruck verbesserungswürdig – aber es „floss“. Und im Nachhinein weiß ich, dass es das war, worauf es ankam. Irgendwann verwandelten sich die kindlichen Geschichten in versuchte Romane, schlechtgereimte Gedichte und teenagerhaftes Philosophieren über Herschmerz und Persönlichkeitskrisen. Mein Berufswunsch erfuhr eine Transformation über Schauspielerin, Lektorin, Singer-Songwriterin, Synchronsprecherin oder doch lieber Schriftstellerin? Germanistik studieren, das schien eine Überlegung wert. Doch dann der Einbruch: Die Realität. Das war doch eh nicht umsetzbar. Ich hatte vielleicht die Leidenschaft dafür, aber gewiss nicht genug Talent und – seien wir doch ehrlich – Geld würde ich wahrscheinlich auch nie wirklich verdienen.

Es mag absurd klingen, aber mein nächster Berufswunsch war deshalb: Bürokauffrau. „Lasst mich doch einfach acht Stunden an einem Computer absitzen und danach kann ich frei mein Leben leben.“ Gut, so ganz abwegig war es nicht. Tippen konnte ich schließlich wie ein Weltmeister. Dennoch hatte ich ein ganz falsches Bild von diesem Beruf.

An dieser Stelle muss ich wieder an den Entdeckungsdrang von Kindern denken. Dass dieser meist größer ist, als er bei uns Erwachsenen je sein könnte, ist bekannt. Im Laufe der Zeit stellt er sich leider oft ein, umso mehr wir mit der Realität konfrontiert werden. Wir müssen Leistung erbringen, einen vernünftigen Job wählen, wir stehen unter Druck. Ich selbst habe mich nie von anderen Menschen gedrängt gefühlt, meinen Entdeckungsdrang aufgeben zu müssen, aber es passierte ganz automatisch immer ein Stückchen mehr.

Die reale „Erwachsenen-Welt“ kann und wird von Zeit zu Zeit sehr enttäuschend sein. Hierbei kann ich noch nicht aus langjähriger Erfahrung sprechen, aber auch als junge Erwachsene wurde ich schon einige mal ordentlich desillusioniert. Ganz nach dem Motto: „So ist nun mal das wahre Leben.“ Nun ist es eine Sache, dies als Realität zu akzeptieren und eine andere, sich ihr tatenlos hinzugeben. Oft fühlt man sich wie vor vollendete Tatsachen gestellt – als würde es nur einen möglichen Weg ohne Zurück geben, wenn man sich für eine Richtung entschieden hat. Doch dieser Weg kann unter Umständen in eine Sackgasse führen. An einer solchen Sackgasse wusste ich, dass ich meinen inneren Entdecker wieder aufleben lassen musste. Ich wollte mich nicht mit nur einem Weg zufrieden geben, ich wollte erfinderisch werden und neue Möglichkeiten erforschen. Dabei fand ich unter anderem zu den Tätigkeiten zurück, die ich schon als Kind so sehr geliebt hatte und bemerkte, dass ich sie nicht aufgeben konnte, wenn ich mich selbst nicht belügen wollte.

Deshalb nimm deine kindlichen Wünsche ernst und überlege, was hinter ihnen steckt. Ich möchte damit nicht behaupten, dass wir nun alle den Beruf ergreifen müssen, den wir als Kind ergreifen wollten. Aber das, was zu uns passt, war schon als Kind in uns. Wir müssen es nur von Zwängen befreien und schauen, wie es mit der realen „Erwachsenen-Welt“ vereinbar ist. Das ist schwierig, aber es macht erfinderisch! Und wir werden wieder zu Entdeckern, die wir doch eigentlich schon früher waren. Ich persönlich habe noch keine endgültige Lösung für mich gefunden, aber allein schon der Entdecker-Prozess lässt mich glücklich werden.

Ich wünsche auch dir viel Freude beim Entdecken deines inneren Kindes!

Constanze

(photo by Rainer Maiores)

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Was, wenn doch #1 – Alles nur Utopie?

Mein Mann kam vor kurzem von einem Bodo Wartke – Konzert zurück und erzählte mir von dem Lied „Das falsche Pferd (Was, wenn doch?)“. Ich schaute mir besagtes Lied auf  YouTube an und war sofort begeistert. Ein Lied, das zum Nachdenken anregt, so richtig schön herausfordert und auch irgendwie aneckt. Zudem spricht es viele Themen an, die auch mir sehr auf dem Herzen liegen und über die ich immer wieder nachdenken muss. Daher möchte ich diesem Lied nun eine ganze Blog-Reihe widmen, in der ich verschiedene Aspekte der „Was, wenn doch?“-Thematik beleuchten werde. Deshalb lade ich dich ein, dir zuerst folgendes Video anzuschauen, damit du meinen Gedankengängen bestmöglich folgen kannst: „Das falsche Pferd (Was, wenn doch?)“

Ganz egal, welche Wirkung dieses Lied auf dich hat – irgendetwas ruft es sicher in dir hervor. Und ich möchte behaupten, dass es bei vielen von uns der Drang ist, den lieben Herrn Wartke zu hinterfragen: Ist das nicht wirklich alles nur Utopie, sind es nicht verschwendete Gedanken? Ist dieser Nachsatz „Was, wenn doch?“ tatsächlich nur eine hypothetische Frage, aber praktisch eben irrelevant?

„… und wie schön ist es, wenn man bei ’nem Menschen erkennt, er brennt für was er tut und ist in seinem Element.“ Diese Zeile bleibt mir im Kopf hängen und macht mir bewusst, warum ich mich nicht so wirklich mit dem Utopie-Gedanken anfreunden möchte. Bodo Wartke singt von theoretischen Konstruktionen, aber wenn ich mich in meinem Leben umschaue, merke ich, dass sie alles andere als theoretisch sind. In den letzten Monaten habe ich häufiger mit Menschen geredet, dir mir von etwas erzählt haben, von dem sie begeistert sind und zwar so richtig. So, dass ein Funkeln in die Augen tritt und man unendlich lang darüber reden könnte. So, dass man beinahe spürt, wie der Raum mit Gedankenblasen und Luftschlössern erfüllt wird. Nur, dass diese Luftschlösser schon fast greifbar sind!

Eigentlich sind diese Menschen schon lange in meinem Leben. Aber erst jetzt scheine ich dieses eine wunderbare Gefühl durch diese Freundschaften zu entdecken: begeistert zu sein von der Begeisterung. Ich lasse mich anstecken, frage nach, lasse mir mehr erzählen. Und umso mehr die Augen meines Gegenübers leuchten, umso mehr leuchten auch meine. Nicht unbedingt, weil ich die gleichen Träume habe, aber weil die Freude ansteckt und zum selber Träumen anregt.

Vor einigen Jahren hat mich mal jemand gefragt: „Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“ Ich hatte den Sinn dieser Frage nicht verstanden. Und ich hatte noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, denn Geld hat schließlich immer eine Rolle gespielt und würde es auch weiterhin tun. Warum sollte ich herumspinnen und von einem Leben fantasieren, was ich niemals haben würde?

Doch da ist der Haken. Sicher, wenn wir uns diese Frage niemals stellen, dann kann kein Utopie-Gedanke uns jemals enttäuschen. Doch wo ist dann die Begeisterung, die Augen leuchten, Beine loslaufen und Hände handeln lässt? Ich glaube, wenn wir uns niemals auf eine „Utopie“ einlassen, wird uns das immer ein Stück weit lähmen. Vielleicht kann trotzdem alles ganz gut funktionieren. Die meisten von uns haben ihr Handlungsfeld im Leben schließlich fein säuberlich abgesteckt und bewegen sich darin sicheren Schrittes vor, zurück und zur Seite. Dabei lächeln wir wahrscheinlich auch hin und wieder. Aber Lächeln ist nicht gleich Begeisterung.

Jetzt denkst du vielleicht: Begeisterung hin oder her, das gibt mir keine Antwort darauf, wie es möglich sein soll, dass jeder das tut, was er wirklich tun möchte. Denn geht das auf?  Man könnte ja meinen, dass dann manche Dinge von niemandem und andere wiederum von allen getan würden. Hätten wir dann nicht viel zu viele Musiker und Künstler und viel zu wenige Anlagenmechaniker und Betriebswirte? Ja, wir benötigen nicht Unmassen von Popsängern im Radio, sogar die YouTube-Szene ist langsam überlastet.

Vielleicht ist es tatsächlich nicht so leicht. Aber ich behaupte, dass eines zwangsläufig passiert, wenn wir uns auf dieses Experiment einlassen: Wir würden kreativ werden. Wir wären innovativ, suchten Nischen, probierten Neues aus und entdeckten dabei Talente, von denen wir vielleicht gar nicht wussten, dass sie in uns und unseren Mitmenschen stecken. Und vielleicht entdecken wir dabei viel mehr als die „normalen“ Berufsbezeichnungen, Aufstiegsmöglichkeiten, Hobbys und sonstigen Tätigkeiten.

Nein, auch ein Bodo Wartke kann dich nicht dazu zwingen, irgendetwas zu tun, dessen Realität du anzweifelst. Aber er kann dich ermutigen, deine Möglichkeiten zu erkunden und dich nicht kleiner zu machen als du bist. Und ich schließe mich ihm an. Wage das Gedankenexperiment und überlege dir, was dich wirklich begeistert.

Die praktische Umsetzung ist oft herausfordernd. Mir hat dabei geholfen, in kleinen Schritten zu denken. Es ist manchmal beängstigend, ein großes Ziel vor Augen zu haben, dessen Erreichbarkeit so unwahrscheinlich erscheint. Träume sind gut, aber sie sollten dich nicht davon abhalten, tatsächlich auch loszugehen. Deshalb tu, was du mit deinen Kräften dort, wo du bist und unter den Umständen, in denen du dich gerade befindest, zustande bringen kannst.

Was, wenn deine Begeisterung sich in die Tat umsetzen lässt?
Was, wenn viele kleine Schritte im Endeffekt einen großen ergeben?
Was, wenn doch?

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken

Entscheide dich – oder lieber nicht?

Ich glaube, das Leben besteht zu einem großen Teil aus Entscheidungen.

Nein, ich meine nicht die Entscheidungen, denen wir uns täglich vorm Kleiderschrank oder hin und wieder an der Eisdiele aussetzen. Ich meine die, die unser Leben prägen und uns in bestimmte Richtungen lenken. Und ich glaube, dass wir viel zu oft vor diesen Entscheidungen zurückschrecken und dadurch Chancen verpassen.

Ja, das sagt sich leicht – oft weiß ich nicht einmal selbst, wo hinten und vorn ist. Im heutigen Zeitalter der Flexiblität und Ungebundenheit scheint es auch kein Trend mehr zu sein, sich bewusst für etwas zu entscheiden. Denn damit legt man sich schließlich auf etwas fest – und das könnte unweigerlich nachhaltige Auswirkungen auf unser Leben haben. Das erscheint beängstigend und widerspricht oft unserem Zeitgeist der Spontanität. Wie ich darauf komme? Für heutige Verhältnisse war ich noch sehr jung, als mein Mann und ich vor anderthalb Jahren geheiratet haben. Auch kannten wir uns „erst“ zwei Jahre lang und selbst heute werde ich dafür manchmal noch mit großen Augen angeschaut. Das macht mir im Prinzip nichts aus. Im Gegenteil, ich freue mich, wenn Leute ihr Erstaunen ausdrücken und im besten Fall auch verbalisieren, anstatt mit einem dezenten „oh – okay“ und einem vielsagenden Blick das Thema abtun.

Solch ein ehrliches Gespräch führte ich vor kurzem mal wieder und es brachte mich zum Nachdenken darüber, wie sehr Entscheidungen mein Leben beeinflussen – vor allem eben die, die wir bewusst treffen müssen und die dadurch etwas beängstigend sein können. Denn unser Leben ist auch voll von unbewussten Entscheidungen, die häufig darauf zurückzuführen sind, wie wir geprägt wurden. Ich glaube beispielsweise prinzipiell, dass mir ein Mensch nichts Böses antun möchte, wenn ich ihn kennenlerne. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir selten jemand etwas wirklich Schlimmes angetan hat. Ich entscheide also unbewusst, an das Gute im Menschen zu glauben. Aber auf diese Entscheidung hatte ich nicht wirklich einen Einfluss.

Es sind die bewussten, oft nachhaltig prägenden Entscheidungen, auf die wir Einfluss haben und mit denen wir unser Leben konkret gestalten können. Sie bieten somit wunderbare Möglichkeiten! Welche könnten das bei dir sein?

Für mich war das zum Beispiel der Entschluss, mein Leben mit Gott zu leben oder eben der, zu heiraten. Entschlüsse, die große Auswirkungen haben und mit denen man oft auch aneckt. Denn viele Menschen glauben zum Beispiel, dass eine Ehe im jungen Alter gefährlich ist, da man sich noch viel verändern und den Schritt später bereuen könnte. Eine so wichtige Entscheidung schon so früh und so schnell zu treffen, scheint unreif. Doch ich möchte behaupten, dass es in vielen Fällen genau das Gegenteil ist. Dadurch, dass es eine gut überlegte Entscheidung war, zu heiraten, hat diese auch eine Macht, welche oft unterschätzt wird. Ich habe mich aus freien Stücken und aus eigenen Überlegungen heraus auf etwas festgelegt. Dies hat positive Auswirkungen: Es schenkt mir Sicherheit und Klarheit und die Möglichkeit, mich auf diesem eingeschlagenen Weg frei zu entfalten. Denn eine getroffene Entscheidung gibt mir Selbstbewusstsein und macht mich weniger anfällig dafür, lediglich Trends und aktuellen Lifestyles zu folgen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht für frühe Ehen „werben“. Es ist viel mehr nur ein Beispiel aus meinem eigenen Leben, wie positiv sich Entscheidungen auswirken können. Oft haben wir Angst, dass eine große Entscheidung uns quasi kontrollieren und zu etwas drängen könnte, was wir nicht wollen. Vielmehr ist es jedoch so, dass, wenn wir Entscheidungen aus eigenen Überzeugen fällen, wir auch diejenigen sind, die den eingeschlagenen Weg bewusst beschreiten und gestalten.

Vor kurzem habe ich wieder einen solchen Entschluss getroffen, der bei einigen Menschen auf Unverständnis traf. Er war eben nicht so ganz konventionell und üblich. Ich hatte lange darüber nachgedacht, abgewogen, mit Leuten gesprochen, Alternativen in Betracht gezogen. Aber im Endeffekt wusste ich, dass es der richtige Weg für mich war, also setzte ich ihn in die Tat um. Dabei habe ich nicht unbedingt den leichtesten Weg gewählt, auch nicht den rational betrachtet Sinnvollsten. Aber es war die Entscheidung, die am besten zur mir passte. Hätte ich es nicht getan, hätte mich diese Unentschlossenheit und das ständige Für und Wider, der ständige Wechsel von positiven und negativen Gefühlen, noch lange geplagt. Doch die Entscheidung hat mich frei für neue Wege gemacht.

Ich glaube, dass wir keine Angst davor haben sollten, große Entscheidungen zu treffen. Nicht immer bedeutet das, dass wir sofort einen riesen Sprung wagen müssen, aber dass wir anfangen, viele kleine Schritte auf ein konkretes Ziel zuzugehen. Zeiten der Ungewissheit und Unklarheit gibt es immer, doch ich persönlich höre immer wieder diese innere Stimme, die mir sagt, wenn es so weit ist, einen Weg bewusst einzuschlagen.

Ich möchte auch dich dazu ermutigen, vor solchen Entscheidungen nicht zurückzuschrecken. Sie engen nicht ein – sie bringen uns voran! Oft bedarf das einer großen Portion Mut, aber meistens fühlt es sich danach ziemlich gut an.

Constanze

(photo by Clem Onojeghuo)