Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Noch so ein Tipps-Artikel #Selbstdisziplin

Selbstdisziplin, Selbstorganisation und Zielverfolgung sind Themen, die schon in unglaublich vielen Blog-Beiträgen, Büchern, YouTube-Videos etc. thematisiert wurden. In meinem Beitrag „Lifestyle-Trend oder eigener Lifestyle?“ habe ich diesen Trend selbst kritisch hinterfragt – jedoch ebenso festgestellt, dass auch mich solche Themen interessieren. Deswegen möchte ich noch einmal betonen: Ich finde solche Artikel nicht generell schlecht. Ich picke mir das Gute aus ihnen heraus und erstelle mir so nach und nach meine eigenen Tipps-Listen. Genauso dürft ihr das nun mit diesem Beitrag tun!

Mich persönlich fasziniert die Fülle an Literatur zu diesem Thema und der Fakt, dass scheinbar immer mehr Menschen sich danach sehnen, ihr Leben besser und effektiver zu gestalten. Der Trend des „Bullet Journals“ spricht da beispielsweise für sich. Selbstdisziplin ist ein Bereich in meinem Leben, in dem ich sehr zielstrebig und oft auch zu perfektionistisch bin. Dieser Perfektionismus kam in letzter Zeit wieder ein wenig mehr durch. Das führte mich dazu, noch einmal neu über diese ganze Selbstdisziplins- und Zielverfolgungssache nachzudenken. Denn nichtsdestotrotz bereitet es mir Freude, einen gut ausgeklügelten Plan erfolgreich in die Tat umzusetzen oder eine To-do-Liste am Ende des Tages abgehakt zu sehen. Doch mir ist eines nun bewusst geworden: To-do-Listen allein garantieren mir kein erfolgreiches Leben. Hier kommen nun deshalb fünf meiner persönlichen Tipps, die mir dabei helfen, dass meine Selbstdisziplin auch wirklich ein Ziel hat. Damit ich mich nicht im perfektionistischen Stress verliere, aber eben auch nicht im Prokrastinieren. Vielleicht nutzen sie auch dir.

1) Setze dir wenige große Ziele.

„Prioritäten setzen“ – Diesen Ratschlag hast du sicherlich schon ein paar Mal gehört. Ich persönlich muss ihn jedoch immer wieder hören. Denn oft geht es mir so, dass ich tausend verschiedene Ideen im Kopf habe und nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich sage bewusst „Ideen“ und nicht „nervige Aufgaben, die erledigt werden müssen“, denn die werden immer da sein und die müssen tatsächlich einfach erledigt werden. Auch da ist es notwendig, zu unterscheiden, welche Aufgaben wichtig sind und zuerst erledigt werden müssen. Aber hast du so auch schon einmal über die positiven Dinge in deinem Leben nachgedacht? Über deine Hobbys, Interessen und persönlichen Ziele? Meine Hobbys liegen meist im kreativen Bereich und können mich manchmal so richtig überwältigen. Verschiedenste Ideen strömen auf mich ein und ich habe das Gefühl, dass ich alles gleichzeitig angehen müsste. Doch die Wahrheit ist: Ich werde niemals alles schaffen können und das muss ich auch nicht! Richtig effektiv wirst du erst, wenn du dich auf weniges konzentrierst und es entspannt zugleich. Also überlege dir: Was ist momentan dein Ziel? Überlege dir wirklich nur eines. Viele große Ziele auf einmal wirst du eher schwer effektiv verfolgen können. Das was dir zuerst einfällt, ist dir höchstwahrscheinlich auch am wichtigsten. Also räume diesem Ziel dementsprechend Zeit ein und ordne anderes unter. Hab keine Angst davor, Dinge als weniger wichtig zu betrachten! Das bedeutet nicht, dass sie generell nicht wichtig sind.

2) Entscheiden statt Gefühlen folgen

Das mag hart klingen, auch für mich. Ich bin nämlich generell der Meinung, dass Gefühle wichtig sind und einem nicht ausgeredet werden können, wenn sie da sind. Doch der Clou ist: Das widerspricht sich gar nicht mit der Entscheidung für Selbstdisziplin. Die Frage ist nur, wonach du handelst. Denn wenn es darum geht, dein persönliches Ziel in die Tat umzusetzen, wirst du immer wieder die Ausrede parat haben „Ich fühle mich gerade nicht danach“ – in der Hoffnung, dass sich das irgendwann ändert. Doch mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ist es so: Du wirst dich nie danach fühlen. Jedenfalls nie wirklich. Du wirst immer ein wenig an dir zweifeln oder glauben, dass du nicht genug Geld, Talent, Zeit oder andere Ressourcen hast, um dein Ziel in die Tat umzusetzen. Klingt deprimierend? Muss es nicht sein! Denn es ist okay, dass du dich so fühlst. Akzeptiere es, denn es ist normal und menschlich. Es bringt nichts, es dir auszureden. Aber handle nicht danach! Entscheide dich, dennoch zu beginnen. Denke nicht zu lange darüber nach. Entscheide dich, den ersten kleinen Schritt zu wagen. Früher haben dich deine Eltern dazu gezwungen, Dinge zu tun, die im Endeffekt gut für dich waren. Jetzt musst du dich selbst zwingen, Dinge zu tun, die gut für dich sind, auch wenn es erst einmal Überwindung kostet. (Zu diesem Tipp wurde ich vor allem von diesem Video von Mel Robbins inspiriert.)

3) Lass deine To-do-Liste nicht zu lang werden.

Dies ist nun ein wirklich praktischer Tipp für all die kleinen Unterziele und die alltäglich anfallenden Aufgaben. Mir persönlich hilft es sehr, Dinge in einer Liste aufzuschreiben, damit sie nicht mehr so präsent in meinem Kopf sind. Sie fließen dann sozusagen von meinem Gehirn durch die Hand aufs Papier. Manchmal neige ich jedoch dazu, zu detailliert aufzuschreiben, was ich alles machen möchte. Das stresst und blockiert – erst recht, wenn ich im Endeffekt gar nicht alle schaffe. Mein Perfektionismus treibt mich dann manchmal zu weit, da ich möglichst viel schaffen will, um möglichst schnell meinen Zielen näher zu kommen. Darum gilt wieder: Weniger ist mehr. Und wenn du das Wenige dann doch alles schaffst und Energie übrig hast, wirst du dich noch besser fühlen, wenn du unerwartet mehr erledigen kannst.

4) Steh früher auf.

Ich gebe zu: dieser Tipp mag für jemanden, der sowieso immer um sechs Uhr aufstehen muss, nicht sehr nützlich klingen. Doch falls du dich in einer Lebenssituation befindest, in der du deine Arbeitszeiten ein wenig flexibel einteilen kannst, empfehle ich dir, die Morgenstunden zu nutzen. Ich stehe gern ein wenig früher auf als ich theoretisch müsste, damit ich in Ruhe Kaffee trinken und meinen Tag mit Gott starten kann. Wenn mein Tag positiv startet, bin ich auch motivierter, meine Ziele anzupacken. Wenn mein Wecker dann klingelt, denke ich nicht zuerst an die nervigen Aufgaben, die vor mir liegen, sondern daran, dass ich erst einmal Zeit für Frühstück habe. Zudem halte ich es nicht für falsch, sich auch körperlich bewusst zu machen, dass man etwas investieren muss, um seine Ziele zu erreichen. Auch wenn man sich eben nicht danach fühlt…

5) Lass dich nicht von Listen und Ratgebern bestimmen.

Wie ich schon angedeutet habe, empfinde ich manche Ratgeber als sehr inspirierend. Doch jeder tickt anders: Manche können Ratgeber besser gebrauchen als andere. Und niemand sollte wirklich abhängig von ihnen sein. Wenn dir die Tipps und Tricks, die du zu einem Thema liest, nicht gefallen, dann scheue dich nicht, das Buch zur Seite zu legen oder das Internetfenster zu schließen. Bei mir bedeutet das in so einem Fall, dass ich in diesem Bereich wahrscheinlich gar keinen „Guru“ benötige, der mir sagt, was ich tun soll. Im Zeitalter des Internets können die Ratschläge manchmal ganz schön auf einen einprasseln. Umso wichtiger ist es, dass wir diesen Input bewusst kontrollieren. Ratgeber werden auch nur von Menschen geschrieben – genauso wie dieser Blog hier 🙂

Lasst es mich wissen: Welchen dieser 5 Tipps findet ihr hilfreich, welchem stimmt ihr eher nicht zu? Habt ihr andere Tipps und Tricks, die euch helfen, eure Ziele effektiver zu erreichen? Ich bin gespannt!

Constanze

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(photo by Glenn Carstens-Peters)

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Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

„Trau dich“ – Blogparade

Sich trauen – ein Thema, das mich sofort angesprochen hat, als ich Julias Artikel auf ihrem Blog Goldenmelancholy gelesen habe. Sie hat zu einer Blogparade aufgerufen, in welcher wir unsere „Trau dich“-Momente teilen sollen. Solche Momente, in denen wir unsere Komfortzone verlassen mussten. Da nehme ich gerne teil! Mehr zu der Blogparade findet ihr hier.

Es gibt unzählige Momente in meinem Leben, in denen ich das Gefühl hatte, mich „trauen zu müssen“. Das liegt wohl daran, dass ich vor unzähligen Dingen Angst habe und meine Komfortzone oft wahrhaft gemütlich ist. Ich bin froh, dass ich irgendwann zu dem Wendepunkt kam, an dem ich verstanden habe, dass ich mich ab und zu brutal über die Grenzen dieser Zone schubsen muss, um zu wachsen, weiterzukommen und Ängste abzubauen.

Einer dieser vielen Momente war der, als ich das erste Mal allein fliegen musste. Das mag banal klingen, ist aber sehr repräsentativ für so viele „Trau dich“-Momente in meinem Leben:

Es war ursprünglich nicht geplant gewesen, dass ich allein fliegen würde. Eigentlich wollte ich die Reise gemeinsam mit einer Freundin antreten. Wir wollten eine weitere Freundin in einem anderen Land besuchen. Ein paar Monate vor der Abreise stellte sich jedoch heraus, dass sie doch nicht mitkommen konnte und mein instinktiv erster Gedanke war: ‚Die Reise fällt ins Wasser. Das wird dann wohl nichts.‘ Es brauchte eine Weile, bis ich überhaupt erst auf die Idee kam, dass ich auch allein fliegen könnte. Doch der Gedanke schien so abstrus! ‚Ich – allein – in ein Flugzeug – in ein anderes Land.‘ Zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben war eine Zugreise durch Deutschland schon beängstigend genug. Doch da war er glücklicherweise wieder: Dieser Moment, in dem ich wusste, dass ich zwar unglaubliche Angst davor hatte – aber dass ich mich selbst um das Glück eines schönen Erlebnisses, in diesem Fall eines schönen Urlaubes, berauben würde, wenn ich mich nicht trauen würde. Also traute ich mich. Ich gab mir selbst einen Schubs aus meiner Komfortzone und buchte den Flug.

Ich glaube, dass es ganz egal ist, wie schwerwiegend und relevant diese Momente erscheinen, in denen wir unseren Ängsten entgegentreten. Vielleicht sind es in den Augen anderer nur ganz kleine Ängste. Für manche mag es kein Problem sein, allein zu reisen. Für mich ist es jedes Mal mit Anspannung verbunden: Werde ich die Züge und Flüge pünktlich erreichen? Wie finde ich meinen Schalter? Wo ist mein Gepäck, wenn ich umsteige? Muss ich wirklich fremde Leute ansprechen, wenn ich mich nicht zurechtfinde? … All solche Fragen und noch viele mehr schwirren mir unwillkürlich im Kopf herum. Ich bin ein Planer-Typ und wenn ich nicht alles im Vorhinein unter Kontrolle haben kann, muss ich manchmal mehr als dreimal tief durchatmen. Doch das Gute ist: seitdem ich es einmal getan habe, sind diese Stimmen der Unsicherheit leiser geworden. Sie sind immer noch da, aber wenn sie zu laut werden, erinnere ich mich daran, dass ich es schon einmal geschafft habe.

Ich bin also seitdem noch mehrmals allein geflogen. Ich hatte immer wieder Respekt davor, aber es fiel mir immer leichter, es dennoch einfach zu tun – denn wenn ich es nicht getan hätte, hätte ich mich um mehrere schöne Reisen gebracht. Und so ist es mit allen „Trau dich“-Momenten in meinem Leben. Ich habe keine Lust mehr, mich meiner eigenen Ziele und Vorhaben zu berauben, nur weil der Weg dahin mir Angst macht und unmöglich erscheint. Was unmöglich erscheint, ist für jeden etwas anderes. Aber ich möchte dich ermutigen, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Und wenn etwas dann doch nicht funktioniert, wirst du im richtigen Moment Lösungen finden. Vorher Lösungen für alle potenziellen, bisher noch nicht existierenden Schwierigkeiten auszuloten ist ein unmögliches Unterfangen. Ich habe es häufig versucht, aber oft führte das leider dazu, dass ich mich dann doch nicht traute.

Deine Komfortzone ist sicherlich gemütlich und ein Rückzugsort, den du dir beibehalten solltest. Aber auf Dauer wird es dort bestimmt langweilig. Also ab ins kalte Wasser! Niemand sagt, dass du dich dort immer aufhalten musst, aber eine kühle Erfrischung hin und wieder belebt ungemein. 🙂

Ich würde mich freuen, von deinen Momenten zu erfahren, in denen du den Schritt aus der Komfortzone gewagt hast. Waren es wichtige Veränderungen in deinem Leben, kleine Momente und Begegnungen oder vielleicht sogar „nur“ ein Gedanke? Ich bin gespannt.

Constanze

(photo by Tim Gouw)

Veröffentlicht in Gedanken

Reden ohne zu reden

Wer kennt es nicht – diese Situationen, in denen der Mund auf und zu geht, ohne das wirklich etwas herauskommt. Es findet zwar eine Unterhaltung statt, aber danach fragt man sich, worüber man eigentlich gesprochen hat. Man redet, ohne über etwas Relevantes zu sprechen.

Ich glaube, das ist meistens dann so, wenn die Beziehung zu der Person, mit der man kommuniziert, in irgendeiner Weise gestört ist. Entweder man kennt sich nicht gut genug, man hat Angst vor etwas, man ist wütend… All das kann einem das Gefühl geben, nicht voran zu kommen und in der Beziehung irgendwie stehen zu bleiben. Vor allem dann, wenn die Probleme eben nicht angesprochen werden.

Um diese Thematik geht es in dem Lied „Over the Ocean“, welches ich vor einigen Monaten geschrieben habe. Meine Cousine hat im Rahmen ihres Studiums dazu ein Musikvideo produziert, welches ihr euch hier ansehen könnt. Heute also mal ein wenig Werbung in eigener Sache. 🙂

Ich finde, dass die Geschichte des Liedes wunderbar in dem Video umgesetzt wurde. Es geht um zwei Menschen, die es nicht schaffen, ehrlich und offen miteinander zu sprechen – darüber, was ihre Beziehung ausmacht und welche Richtung sie einschlagen wollen. Die Beziehung gleicht einem Schiff, welches kurz vor dem Untergehen ist. Der Wind, der das Schiff umweht, ist ziemlich laut und entwickelt sich bereits zu einem Sturm. Die Umstände, von denen die zwei Menschen umgeben sind, sind schwierig. Die einzige Chance, um das Schiff vor dem Untergehen zu bewahren, bestünde darin, wenn die beiden lauter und deutlicher miteinander sprechen würden. Sonst bricht die Beziehung auseinander.

Es ist eine traurige Geschichte, doch sie soll deutlich machen, dass manchmal kein Weg an ehrlicher, direkter Kommunikation vorbeiführt, um etwas zu retten, was einem wichtig ist.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Fällt es dir schwer, komplizierte, schwierige Themen anzusprechen? Kennst du solche Beziehungen, die scheinbar stürmisch umweht werden? Ich freue mich über eure Kommentare.

Constanze

(photo by edinaldojunior)

Veröffentlicht in Persönlichkeit

Wer sagt mir, wie ich bin?

Kennt du das: diese Situationen, in denen andere Leute behaupten, dich besser zu kennen als du dich selbst? Oder zumindest scheint es so. Dieser Moment, wenn jemand etwas über dich sagt – einfach so, aus dem nichts: „Du bist ja so ruhig!“ oder „Du bist wohl immer so aufgedreht?“ oder „Du bist ganz schön frech“ oder…

Ich habe viele Erinnerungen an solche Gespräche und Situationen, in denen Menschen versucht haben, mich einzuschätzen. Interessanterweise sind diese Erinnerungen ziemlich lebendig. Ich glaube zu wissen, warum. Ich bin lange Zeit ein wenig verwirrt gewesen, wenn es darum ging, die Frage „Wer bin ich?“ zu beantworten oder genauer zu beschreiben, woraus sich meine Persönlichkeit zusammensetzt. Wo liegen meine Stärken und meine Schwächen? Was macht mich grundsätzlich aus? Es war interessant und oft erstaunlicher, zu hören, wie andere mich einschätzten:

Ich dachte eigentlich immer, dass ich ziemlich brav bin – bis jemand sagte, ich sei frech. Ich dachte, dass ich zurückhaltend bin – bis jemand sagte, ich sei direkt. Ich glaubte, dass ich schlecht einzuschätzen bin – bis jemand behauptete, ich sei durchschaubar. Also wer bin ich jetzt eigentlich?

Zurzeit befasse ich mich gern mit persönlichkeitspsychologischen Themen und bin dabei in einer Zeitschrift (PSYCHOLOGIE HEUTE compact, Heft 48) auf folgende Aussage in einem Artikel von Heiko Ernst gestoßen: „Wir leiten und lesen aus unserem Verhalten ab, welche Eigenschaften wir haben: Ich bin das, was ich tue, und ich bin so, wie ich es tue.“ Genau das hatte ich immer versucht. Doch wenn unser Verhalten nicht immer so gleich ist, kann uns das durcheinander bringen. So erklärt der Artikel auch weiter: „Diese Theorien sind nicht falsch, aber unvollständig.“ Es reicht also nicht aus, lediglich das eigene Verhalten zu betrachten. Da kommen noch die anderen ins Spiel. Denn oft  ziehen wir nicht nur durch unsere eigene Einschätzung Rückschlüsse über uns selbst. „Wir beobachten, wie andere auf uns reagieren – und schließen daraus, wie wir sind.“ Doch die anderen reagieren nicht nur. Sie ziehen auch Rückschlüsse über uns.

Nach Heiko Ernst gibt es vier Zugänge, aus denen sich unser Selbstbild zusammensetzt: Es gibt die offensichtlichen Dinge – die, die jeder sieht. Wir sind zum Beispiel ängstlich oder lebhaft, haben Meinungen und Vorlieben, die wir offen zu Schau tragen und die uns bewusst sind. Dann gibt es Dinge, die nur wir selbst über uns wissen – Gefühle und Gedanken, die nur uns zugänglich sind. Dies ist also unser Innenleben. Außerdem besitzen wir Eigenschaften, die andere an uns sehen, wir jedoch nicht erkennen, wie zum Beispiel Geschwätzigkeit. Und letztendlich sind da noch Impulse und Motive unserer Persönlichkeit, die weder uns selbst noch anderen bewusst sind.

So viel zur Theorie. Was bringt uns das ganz praktisch? Mir persönlich hat es ein wenig dabei geholfen, zu verstehen, wie ich all die Jahre an die Frage „Wer bin ich?“ herangegangen bin. Es hat mir deutlich gemacht, dass ich mich ziemlich lange in einem Ungleichgewicht zwischen diesen vier Zugängen befunden habe und einige gar nicht als entscheidende Wege, mich selbst zu verstehen, erkannt habe. Lange Zeit habe ich nämlich dem Offensichtlichen – dem, was andere Leute sehen konnten – zu viel Bedeutung beigemessen. Ich habe lediglich mein Verhalten und wie ich auf andere wirke beobachtet. Doch das allein hat mich in die ein oder andere Sackgasse geführt. Wenn ich zum Beispiel in einer Gruppe eher schüchtern auftrat und dementsprechend weniger wahrgenommen wurde, dadurch also eher nicht zu den “Coolen” gehörte, zog ich die Schlussfolgerung, dass das eine Tatsache war. “Cool” war also etwas, was ich niemals sein würde. Dabei vergaß ich jedoch, dass es bestimmte Eigenschaften an mir gibt, die für die Außenwelt schwerer zu sehen sind.

Und doch erklärt Heiko Ernst, dass so mancher durchschaubarer sein kann als ein anderer. Dies liegt an verschiedenen Eigenschaften, die schlicht schneller hervorstechen. So sind es “vor allem extravertierte, emotional stabile, warmherzige und in ihrem Verhalten konsistente Charaktere”, die durchschaubarer sind. Diese Merkmale würden als eine Art Verstärker dienen, da sie andere Persönlichkeitsmerkmale sichtbarer machen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass andere Menschen uns meist nicht zu Genüge einschätzen können und wir somit von diesen Wertungen nicht abhängig sind. Jedoch kann es auch naiv sein, dieses Fremdbild völlig zu ignorieren, nur weil es mit dem Selbstbild nicht zusammenpasst. Die Erklärung “Der kennt mich einfach nicht gut genug!” liegt nahe. Aber was, wenn diese Fremdeinschätzung etwas über uns sagt, was wir selbst noch nicht wussten (dritter Zugang)? Wir sollten nicht zu schnell sein, diese Einschätzungen abzutun. So sagt Ernst zum Beispiel, dass Ehepartner die genauen Grade an Angst, Ärger, Dominanzstreben, Selbstisolation und Rückzug viel genauer einschätzen können als Betroffene selbst. Sie seien dadurch sogar eher geeignet, ein Herzinfaktrisiko vorherzusagen!

Nachdem ich den Artikel von Heiko Ernst komplett gelesen habe, frage ich mich, was er nun konkret für mein Leben bedeutet. Mir persönlich wird deutlich, dass ich mich weniger stressen muss, um die Frage “Wer bin ich?” zu beantworten. Denn wenn andere mich falsch einschätzen, kann ich entspannt wissen, dass ich es selbst oft besser weiß. Und doch kann ich mir Feedback bei meinen Mitmenschen einholen, wenn ich mir selbst unsicher bin, wie ich auf andere wirke. Denn wir können eben doch manchmal überraschend anders sein, als wir selbst denken. Die Frage “Wer bin ich?” wird dadurch für mich eher zu einem “Wie bin ich?” – denn meine Persönlichkeit ist wandelbar und muss gar nicht immer so gleich sein. Letztendlich definiert sie mich nie endgültig. Und um noch einmal Heiko Ernst zu zitieren: “Wir vergessen nämlich, dass jeder selbst Schauspieler auf einer Bühne und viel zu sehr mit der eigenen performance beschäftigt ist.” Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir uns ständig gegenseitig genauestens beobachten und einschätzen, denn wir konzentrieren uns meist viel zu sehr darauf, wie wir selbst rüberkommen. Da komme ich nicht umhin, mein “Ich” ein wenig zu belächeln. Als Schauspieler sollten wir uns vielleicht nicht immer all zu ernst nehmen.

Constanze

(photo by TeroVesalainen)

Veröffentlicht in Gedanken, Lifestyle

Lifestyle-Trend oder eigener Lifestyle?

Wie viele Menschen haben dir in deinem Leben schon gesagt, dass du UNBEDINGT das Musical „König der Löwen“ anschauen musst, denn es ist DER Hammer? Wurdest du schon mal dazu gezwungen, endlich die Harry Potter – Reihe zu lesen? Denn die ist doch ein Klassiker! Oder hast du Filme wie „Vom Winde verweht“ oder „Titanic“ verpasst? Serien wie „Game of Thrones“ oder „Two and a Half Man“ sind irgendwie an dir vorbeigegangen?

Mir geht es oft so. Vor allem Film-Trends hinterfrage ich regelmäßig und gehöre hin und wieder zu der Sorte Menschen, die eine Sache gern erst einmal grundsätzlich meiden, wenn alle anderen darauf abfahren. Versteh mich nicht falsch – ich liebe Harry Potter und habe mittlerweile schon mehrfach gehofft, dass die Titanic vielleicht doch nicht untergeht. Auch ich verfalle hin und wieder einem Hype. Aber ich möchte dies nicht nur aufgrund eines Hypes, den andere Personen um eine Sache machen, tun. Wenn mir zehn Leute erzählen, dass ich mir unbedingt einen Film anschauen muss, dann führe ich mir vielleicht doch einmal den Trailer zu Gemüte und informiere mich über das Genre. Oft passt es dann auch zu mir. Aber mein Mann kann mir noch so oft erzählen, dass der nächste Wolverine-Film genial sein wird – ich habe mich informiert und weiß, dass er sehr düster ist und viel Blut spritzt. Also nichts für mich.

Doch Filme sind nicht der einzige Lebensbereich, in dem einem manchmal das Gefühl beschleicht, dass die ganze Welt einem Trend hinterherrennt, nur weil es eben alle tun und man womöglich etwas verpassen könnte, wenn man sich nicht anschließt.

Film-Trends, Musik-Trends, Mode-Trends… Mich beschäftigen derzeit diese sogenannten „Lifestyle“-Trends. Die schleichen sich nämlich immer mehr in mein Leben ein und ich frage mich, ob ich mit dem Hinterfragen dieser Trends überhaupt noch hinterherkomme. Ich bemerke, wie sie mehr Raum in meinem Wortschatz einnehmen, häufiger in Zeitschriften und Blogs auftreten, die ich lese und nicht zuletzt auch in meinem Freundeskreis: Ein achtsamer Lebensstil, Minimalismus, Authentizität, bestimmte Ernährungs-Gewohnheiten… Ich kenne mich noch viel zu wenig aus, um diese Liste endlos fortzusetzen. Ich bin mit diesen Dingen nach und nach in Berührung gekommen und habe mir immer mal wieder Themen herausgepickt, die mir gut gefallen. Nun merke ich, dass ich damit nur Ausschnitte einer ganzen Lifestyle-Bewegung erfasst habe. Es gibt eigene Zeitschriften und Bücher zum Thema Entschleunigung, der Stärkung des Selbstbewusstseins oder dem Erlernen von Achtsamkeit. Immer häufiger werden Philosophen und Ratgeber für ein erfolgreiches Leben zitiert. Gab es überhaupt schon einmal so viele Lebens-Ratgeber auf dem Büchermarkt wie jetzt? „5 Angewohnheiten, mit denen du besser in den Tag startest“ oder „10 Schritte, um ein zufriedeneres Leben zu führen“. Ich gebe zu, solche Überschriften machen auch mich neugierig.

Doch nun halte ich wieder einmal inne und frage mich: Will ich das alles? Was genau will ich überhaupt?

Denn ich weiß eins: Ich möchte auch hier nicht blind einem Trend folgen. Nicht, wenn es um Filme und auch nicht, wenn es um Lifestyle geht. Und deswegen schaue ich mir auch hier genau an, was vor sich geht. Und ja, ich bin bereit umzudenken. Einen veganen Lebensstil habe ich früher zum Beispiel nicht verstanden, jetzt schon. Ich verstehe den Wunsch nach Entschleunigung in einer immer beschleunigteren Gesellschaft. Der Wunsch nach „weniger ist mehr“ tritt auch in mir immer wieder auf, aber der radikale Minimalismus ist mir dann doch etwas zu viel. Und so betrachte ich Stück für Stück all die Dinge, die mir begegnen und schätze ein, ob sie für mein Leben relevant sind. Ich verstehe all diese Ansätze. Sie sagen etwas über unsere aktuelle Gesellschaft aus und bieten Lösungen für Probleme, die uns in ihr begegnen. Mir ist bewusst, dass auch dieser Blog ein Stück weit diesem Trend folgt. Aber ich möchte nicht nur einer von vielen sein. Eine Internetseite, die leicht in eine Kategorie zu schieben ist. Eine Persönlichkeit, die sich leicht in eine Schublade stecken lässt.

Wir Menschen neigen oft zu Extremen, besonders was Trends angeht. Manchmal stürzen wir uns in sie hinein ohne genauer hinzuschauen oder – genau andersherum – wir blocken sofort alles ab, was uns unbekannt und fremd vorkommt. Und das Internet unterstützt dies besser als je zuvor. Für eine Meinung eine Gegenmeinung zu finden scheint leichter zu sein als in den Dialog zu treten. Einen Lebensstil zu verurteilen und aus Protest eine Gegenbewegung zu entwickeln geht schneller als eine differenzierte Auseinandersetzung mit einem Thema.

In dieser Hinsicht möchte ich bewusst die Mitte suchen. Was genau bedeutet das in Bezug auf diese Lifestyle-Themen? Für mich bedeutet es zum Beispiel, dass ich nicht gezwungen bin, Ernährungsgewohnheiten zu ändern, nur weil es immer mehr Menschen tun – aber dass ich offen bin für Diskussionen darüber und aufgrund eigener Überzeugung dann eben doch das ein oder andere ändern kann. Es bedeutet, dass ich in einer Diskussion um solche und ähnliche Themen bewusst auf eine Gegenposition aufmerksam mache, um von einseitigen Denkweisen wegzukommen, auch wenn ich diese Position vielleicht gar nicht vertrete. Es bedeutet, dass ich Trendwörter als Schubladen anerkenne, die wir Menschen brauchen, um nicht im Chaos zu versinken, aber dass ich in ihnen nicht eingesperrt bin.

Ich möchte „out of the box“ denken. Und dabei, so ganz nebenbei, meinen eigenen, persönlichen Lifestyle entwickeln. Wenn ich das schaffe, kann ich mich auch mit fremden Lebensstilen beschäftigen. Weil ich weiß, dass ich von keinem Trend abhängig bin, um mich selbst zu definieren.

Wie stehst du dazu? Fühlst du dich auch manchmal überrollt von aktuellen Trendwörtern und Lebensstilen? Welche Trends sagen dir zu, welche nicht? Hinterlasst mir gern einen Kommentar dazu!

Constanze

(photo by Camila Cordeiro)