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Lebendig in einer lebendigen Stadt – von Arbeit, Berufung und Produktivität

Ich habe es wieder gemeistert: die Kunst, ohne Schwanken durch eine Straßenbahn zu laufen während diese gerade in eine Kurve fährt. Jetzt habe ich endgültig das Gefühl, wieder angekommen zu sein – angekommen in einer Stadt, die sich geradeso Großstadt nennen darf (wenn man allerdings die Anzahl der bekannten Gesichter zusammenzählt, die man täglich in der Innenstadt trifft, relativiert sich diese Bezeichnung wieder). Es ist meine Heimatstadt, in der ich nun nach anderthalb Jahren wieder lebe. Irgendwie fiel es mir gar nicht so leicht, mich so selbstverständlich wieder einzufügen wie ich angenommen hatte. Ja, ich fühlte mich ein wenig wie ein Dorfkind, dass in die große, weite Welt hinauszog – was absoluter Quatsch ist, wenn man bedenkt, dass ich lediglich von einer Kleinstadt in eine etwas größere Stadt 20 Minuten Autofahrt entfernt gezogen bin.

Doch bei mir funktioniert es so: Wenn ich irgendwo lebe, dann richtig. Und mit „richtig“ meine ich, dass ich das gesamte, alle Facetten umfassende Lebensgefühl aufsauge, dass sich um mich herum abspielt. Genau deswegen dauert es bei mir auch etwas länger, bis ich angekommen bin – aber wenn, dann eben ganz. Da ist es ganz egal, ob der Unterschied objektiv betrachtet nicht so groß ist: Es war nun mal eine andere Stadt, in der ich bis vor kurzem gelebt habe und somit auch ein anderes Lebensgefühl. In diesem Fall würde ich es als gemütlich, warm und künstlerisch bezeichnen. Ich mochte es! Aber ein Grund, warum mein Mann und ich uns so auf diesen Umzug gefreut hatten, war unter anderem das Wissen darüber, dass es es sich hier „lebendiger“ anfühlt, ja irgendwie aktiver und jünger (was übrigens nicht zwingend etwas mit dem eigentlichen Alter von Menschen zu tun hat). Denn das mögen wir auch! Und nun, nach etwa anderthalb Monaten, habe ich auch wieder das Gefühl, hier wirklich zu leben.

Aber was genau heißt das eigentlich? „Lebensgefühl“, „lebendig“ – das sind ja alles recht schwammige Begriffe. Ich möchte euch deshalb einen kleinen Einblick darin geben, was es momentan für mich bedeutet und mit welchen persönlichen Zielen es verbunden ist.

Mehr Selbstinitiative

Mit dem Umzug hat sich für mich nicht nur der Wohnort geändert, sondern so ziemlich mein gesamter Alltag inklusive beruflicher Veränderungen. Das ist für mich prinzipiell nichts Neues, doch zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich nun wieder das Gefühl, den Hauptteil meines Alltags mit Dingen verbringen zu können, von denen ich persönlich überzeugt bin. Darüber habe ich im letzten Jahr gefühlt in jedem zweiten Gespräch geredet, doch diese Erkenntnis war tatsächlich von schwerwiegender Bedeutung für mich: Erst wenn ich mich aktiv für eine Tätigkeit entscheide und sie selbst für wertvoll erachte, kann ich produktiv sein und – nicht zu vergessen – zufrieden. Ich habe darüber bereits im dritten Teil meiner „Was, wenn doch“-Reihe geschrieben, aber ich möchte noch einmal betonen, dass es mir nicht darum geht, nur „schöne“ oder „leichte“ Dinge zu tun. Manchmal ist es sogar genau das Gegenteil! Es geht darum, Wert in dem zu sehen, was ich tue. Und das ist bei mir sehr viel wahrscheinlicher, wenn ich selbst die Initiative ergreife.

Was ist Arbeit?

Doch hier kommt der entscheidende Knackpunkt für mich: Nicht allen Menschen fällt es leicht, diesen Wert in der klassischen Erwerbsarbeit zu finden – dort, wo wir einen Großteil unseres Lebens verbringen und wo es häufig erwartet wird, Sinn und Erfüllung zu empfinden.  Für manche mag das ganz selbstverständlich sein. Unser gesamtes Aufwachsen, unsere schulische Laufbahn dreht sich zu einem großen Teil darum, diesen Sinn in irgendeiner Form bezahlter Arbeit zu finden. Im letzten Jahr habe ich verstanden, dass es für mich so nicht funktioniert oder zumindest nicht so leicht. Für mich ist Arbeit mehr als die klassische Erwerbsarbeit.

Mehr Lebendigkeit

Seitdem wir umgezogen sind, habe ich wieder die Möglichkeit, dieser „untypischen“ Arbeit intensiver nachzugehen. Ich arbeite weniger Stunden in einem bezahlten Job und gehe mehr anderen Tätigkeiten nach. Und das führt mich zu dem lebendigen Lebensgefühl, von dem ich am Anfang geredet habe. Momentan kann ich mein Leben wieder aktiver, selbstbestimmter gestalten. Ich habe das Gefühl, mehr Dinge tun zu können, zu denen Gott mich berufen hat – die werden zwar nicht unbedingt bezahlt, aber sie fühlen sich wertvoll, gewinnbringend und produktiv an. Und somit sind sie für mich Arbeit. Dazu gehören für mich beispielsweise dieser Blog oder die Mitarbeit in meiner Gemeinde. Außerdem ist Weiterbildung für mich gerade ein wichtiger Punkt und ich gehe diesem auf verschiedene Weise nach. Das sind nur Beispiele – zentral für mich ist: Ich muss nicht zwingend morgens „auf Arbeit gehen“, um das Gefühl zu haben, zu arbeiten. Das hab ich jetzt sogar viel mehr! Und selten wird mir dabei langweilig. Manchmal bin ich lange Zeit zu Hause am Computer beschäftigt, manchmal düse ich von einem Termin zum nächsten, manchmal bin ich einige Stunden bei meiner „richtigen“ Arbeit und sitze danach noch in einem Cafe, um an einem Blog-Beitrag zu schreiben. Mein Alltag ist vielfältig geworden und dadurch fühle ich mich lebendig. Doch er ist nicht nur vielfältig um der „Vielfältigkeitswillen“, sondern weil es ganz natürlich meiner Persönlichkeit entspricht.

Keine Selbstverständlichkeit  

Es ist nicht selbstverständlich, dass ich mich in dieser Lebenssituation befinden darf. Ich bin unglaublich dankbar dafür, weniger Stunden bezahlter Erwerbsarbeit nachgehen zu können, um zusätzlich in die Arbeit zu investieren, die sich für mich außerhalb des Geld Verdienens abspielt. Mir ist auch bewusst, dass dies nicht unbedingt so bleiben muss oder ich es eventuell selbst irgendwann ändern möchte. Gerade deswegen ist es mir so wichtig, diese mir momentan anvertraute Zeit so gut wie möglich zu gestalten.

Und das fällt mir nun auch viel leichter! Vor einiger Zeit habe ich Anfragen, ob ich irgendwo helfen oder mitmachen kann, oft erst einmal als Belastung empfunden. Dies hatte nicht nur etwas mit meinem Zeitkontingent zu tun, sondern vor allem damit, dass mein (psychischer) Energielevel zu sehr damit beschäftigt war, eine Arbeit auszugleichen, die sich für mich nicht sonderlich produktiv angefühlt hat. Das zerrte an Körper und Geist. Nun ist es anders: Ich sehe mich viel mehr dazu in der Lage, realistisch einschätzen zu können, wo ich helfen kann und wo nicht und vor allem: Ich selbst habe Lust, Dinge aktiv ins Rollen zu bringen. Diese Energie möchte ich nutzen!

Neue Ziele

Wer diesen Blog schon eine Weile verfolgt, weiß, dass ich ein Freund von Organisation und Selbstdisziplin im Alltag bin. Es ist nicht so, dass ich perfekt darin wäre – aber immer, wenn es mir gut gelingt, bemerke ich die positiven Effekte: Ich bin produktiver, Vorhaben laufen leichter und Erholungsphasen sind auch wahre Erholungsphasen.

Außerdem mag ich Herausforderungen! Nachdem ich meine letzte Herausforderung zum Zucker- und Weißmehl-Verzicht beendet habe, möchte ich mich nun der nächsten stellen: früh aufstehen, obwohl es nicht zwingend nötig wäre.

Nun, für viele von euch ist es wahrscheinlich etwas ganz Gewöhnliches, für Schule oder Job das Bett frühzeitig zu verlassen. Ich persönlich habe das immer als etwas Fieses empfunden (wie meine Meinung dazu noch vor einem Jahr war, kannst du hier nachlesen). Ich war zwar nie ein Langschläfer, aber vor sieben Uhr fühlte ich mich auch nicht wirklich lebendig. Mittlerweile glaube ich zu wissen, woran das lag: Nach dem Aufstehen musste ich etwas tun, von dem ich lediglich „so halb“ überzeugt war – wenn’s gut lief. Es fehlte mir schlicht die Motivation. Wenn es dann am Wochenende die Gelegenheit gab, um auszuschlafen, habe ich sie gern genutzt, da ich glaubte im fehlenden Schlaf die Wurzel des Problems gefunden zu haben.

Sich also am früh Aufstehen zu erfreuen, wenn die Arbeit, der man nach dem Aufstehen nachgeht, tatsächlich keine Freude bereitet, ist aus meiner Sicht schwer umsetzbar. Doch da meine Arbeit (und all das, was ich eben als Arbeit bezeichne) mich momentan mit Sinn erfüllt, möchte ich diese Energie nutzen, um das Beste aus dem Tag herauszuholen. Da ich tendenziell sowieso ein Vormittags-Mensch bin, ist diese Herausforderung durchaus realistisch. Ich beginne mein Experiment mit der Uhrzeit 6:30 und passe dies je nach Verlauf an. Wie es sich anfühlt, ungezwungen und völlig freiwillig früh das wohlig-warme Bett zu verlassen, werde ich in etwa einer Woche in einem weiteren Blog-Beitrag auswerten.

Es ist jedoch nicht so, dass ich nur deswegen früher aufstehen möchte, um produktiver zu sein. Es geht mir auch nicht darum, meine To-do-Liste zu verlängern. Der viel essentiellere Grund ist, dass ich die Morgende genießen und mit Ruhe starten möchte. Dadurch verspreche ich mir mehr Produktivität und Gelassenheit in der Zeit, die ich auch vorher schon zur Verfügung hatte. Ich möchte in Ruhe meinen Kaffee trinken, wenn die Welt noch verschlafen ist und im Halbdunkel liegt. Ich möchte meinen Tag mit Gott starten – mehr als nur ein kurzes Pflichtgebet sprechen oder schnell ein Kapitel in der Bibel lesen, sondern wahrhaft Zeit in seiner Gegenwart verbringen. Ich möchte häufiger Frühsport treiben. Ich möchte in Ruhe ein Outfit für den Tag auswählen. Ich möchte das Küchenchaos des vergangenen Abends entfernen, bevor ich ein neues anrichte… Das muss nicht unbedingt alles an einem Morgen stattfinden, aber ich wünsche mir Freiraum für diese verschiedenen Optionen.

Ich gebe zu, dieser Blog-Beitrag war ein kleiner Rundumschlag zu vielen Gedanken, die mich gerade beschäftigen. Vielleicht werde ich mich mit einzelnen Themen noch intensiver beschäftigen. Gibt es etwas, worüber du gern mehr lesen würdest?

Wie geht es dir mit deiner aktuellen Arbeitssituation? Hast du das Gefühl, dass du etwas Sinnvolles, Produktives tust? Was ist deine Motivation, um früh aus dem Bett zu kommen? Hast du genügend Zeit, um gemütlich in den Tag zu starten? Arbeits- und Lebensstile sind unglaublich verschieden, weswegen ich gespannt auf deine (vielleicht komplett gegensätzliche) Meinung zu diesem Thema bin.

Constanze

(Photo by StockSnap)

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Veröffentlicht in Lifestyle

Verzicht auf Weißmehl und Zucker – Mach ich jetzt Diät, oder wie?

Gerade ist mir bewusst geworden, dass ich Jane Austen und Taylor Swift in ein und demselben Instagram-Post erwähnt habe und ich frage mich, ob ich das verantworten kann. Und was das über mich aussagt. Vorerst bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mich diese ungewollte „Gegenüberstellung“ zu einer vielseitigen Frau macht und ich akzeptiere keine Widerrede! Ob Taylor Swift jedoch genauso zeitlos ist wie Jane Austen – da bin ich mir nicht so sicher… Doch ihr neues Album hat mir ein wenig geholfen, die letzte Woche aufzuheitern, die zu einem großen Teil davon geprägt war, dass ich krank im Bett lag. So krank, dass ich es nicht mal genießen konnte, eine Menge Serien zu schauen. Aber seien wir mal ehrlich: Diese Traumvorstellung vom „Genuss“ des Krankseins (gemütlich schniefend mit einem Tee vorm Fernseher) geht doch eh nie in Erfüllung. Diese Vorstellung, dass eine Woche Kranksein einer Woche Urlaub nahe kommen würde… nee. Ich bin jedenfalls sehr dankbar, wieder gesund zu sein!

In der vergangen Woche habe ich also (neben den vielen unglaublichen Gesangs-Talenten der letzten sieben Blind Auditions von The Voice of Germany – ja, das ging irgendwie besser als Serien) nicht viele monumentalen Dinge erlebt. Doch am Sonntag habe ich etwas Verrücktes gemacht: Ich habe Zucker in meinen Kakao getan!

Okay, die Besonderheit dieses Ereignisses muss ich erklären. Einige Menschen in meiner Umgebung haben es wohl oder übel mitbekommen: Ja, Constanze scheint  wohl auch zu einer dieser extremen Diät-Tanten geworden zu sein und hat seit Anfang Oktober auf Zucker und Weißmehl verzichtet. Vielleicht ist es eher „hipster“ oder „alternativ“. Eine Diät ist es nämlich auf keinen Fall und nein, abnehmen will ich auch nicht. Und ja, es ist möglich! Aber ich fange mal vorn an.

Seit Anfang des Jahres beschäftige ich mich etwas intensiver mit gesunder und bewusster Ernährung. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so recht, warum ich dafür immer mal wieder belächelt werde. Meine Devise lautet: Wenn ich Energie und Zeit habe, mich damit zu beschäftigen – warum nicht? Ich bin absolut dagegen, etwas wie Ernährung oder Fitness zu einer Religion zu machen. Aber warum nicht auch in diesem Lebensbereich nach Besserem streben (nicht nur für mich selbst, sondern auch für meine Umwelt), wenn ich Lust darauf habe? So war es dann auch mit dem Zucker- und Weißmehlverzicht. Ich betrachtete es hauptsächlich als eine Art Challenge. Gesundheitlich gab es für mich keine speziellen Gründe, außer den, meinem Körper etwas Gutes zu tun. Denn ob du es wahrhaben willst oder nicht: Die meisten Menschen essen, oft ohne es zu wissen, viel zu viel Zucker und Weißmehl. (Ich bin jedoch kein Ernährungsberater, Biologe oder ähnliches… Ich kann mich also nicht für die Richtigkeit all meiner folgenden Aussagen verbürgen!)

Nun, um das noch kurz aufzuklären: Auf Obst, also Fruchtzucker, habe ich nicht verzichtet. Und Weißmehl ist auch nicht „Weizenmehl“. Weißes Mehl ist lediglich das Gegenteil von Vollkornmehl, welches eine Menge wichtige Inhaltsstoffe enthält, auf die wir regelmäßig verzichten. Ich habe also nicht auf eine bestimmte Getreideart verzichtet, sondern bin lediglich auf die Vollkornvariante umgestiegen. Über die Nachteile von Weißmehlprodukten kannst du zum Beispiel hier lesen. Dass (industrieller) Zucker nicht so gesund ist, muss wohl keiner nachlesen.

Für mich ist solch ein Experiment vor allem deshalb von Bedeutung, um mir selbst bewusst zu machen, was ich regelmäßig in meinen Magen befördere. Ich schärfe dadurch das Bewusstsein für meinen eigenen Körper und wie ich ihn behandeln möchte. Hier sind deshalb ein paar meiner Erkenntnisse und Erlebnisse während dieser knapp anderthalb Monate Verzicht:

1.) Brot ist so eine Sache. Wenn man für gewöhnlich Brot aus einem „normalen“ Supermarkt kauft, wird es schwierig, dabei auf Weißmehl und Zucker zu verzichten. Ich habe mit Schrecken festgestellt, dass in fast jedem Brot aus dem Supermarkt Zucker enthalten ist. Außerdem: Wo Vollkorn drauf steht ist nicht immer Vollkorn drin, zumindest nicht in großen Mengen. Ein genauer Blick lohnt sich also! Wer frisches, richtiges Vollkornbrot haben möchte, muss deshalb schon eher Bio-Supermärkte oder den Bäcker des Vertrauens aufsuchen. Es gibt allerdings abgepacktes, länger haltbares Roggenvollkornbrot auch im Supermarkt.

Meine Lieblingsvariante ist jedoch eine andere: Selber backen! Und nein, das ist wirklich gar nicht schwer: 500 g Vollkornmehl nach Wahl (außer Roggenvollkornmehl), ein Päckchen Trockenhefe, 14 g Salz, Körner nach Belieben, 450 ml lauwarmes Wasser, ab in die Kastenform, ca. eine halbe Stunde gehen lassen und dann eine Stunde in den Ofen. Fertig!

Auch mit Toastbrot und Brötchen wird es schwierig. Ich habe es in der Zeit hauptsächlich durch Knäckebrot ersetzt, welches es in Vollkornvarianten günstig im Supermarkt zu kaufen gibt. Es ist Geschmackssache, aber ich persönlich habe es sehr lieben gelernt und esse es nun weiterhin.

2.) Aus meiner Erfahrung sind Aufstriche zu großen Teilen zuckerfrei, aber auch hier lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Bei einigen Frischkäsesorten und Wurstprodukten ist Zucker zu finden. Und Frischkäse ohne Zucker schmeckt nun wirklich nicht schlechter…

3.) Es fiel mir erstaunlich leicht, generell auf Süßigkeiten zu verzichten. Ich vermute, das liegt auch daran, dass ich in einer „herzhaften“ Familie aufgewachsen bin: wir haben Herzhaftes meist präferiert, wenn wir die Wahl hatten, so zum Beispiel beim Frühstück. Nichtsdestotrotz habe ich dennoch immer mal wieder Lust auf den „süßen Kick“.

Beim Frühstück ist für mich der „Porridge“ schon seit längerem meine erste Wahl: Vollkornhaferflocken mit Wasser (wahlweise auch mit Milch oder Milchersatzprodukten) aufkochen und dann je nach Belieben Obst hinzufügen (bei mir ist es ein halber Apfel, eine halbe Banane, ein paar gefrorene Beeren und etwas Zimt). In meiner zuckerfreien Zeit habe ich konsequenterweise den Löffel Honig weggelassen, aber ich glaube prinzipiell nicht, dass gegen einen Löffel Honig am Tag etwas einzuwenden ist. Am Nachmittag hab ich dann zum Knäckebrot gegriffen: Bestrichen mit Nussmus (nicht zu verwechseln mit Peanut Butter, die enthält nämlich Zucker – Nussmus ist einfach nur gemahlene Nuss), für die Süße belegt mit Bananenscheiben. Es sieht vielleicht erbärmlich aus, wenn man ein saftiges Stück Kuchen danebenlegt, aber es ist absolut ausreichend, wenn man sich diesen Vergleich nicht ständig vor Augen führt. Es schmeckt, es ist süß – für mich kein Problem und sicherlich eine Variante, auf die ich weiterhin zurückgreifen werde.

Als Snacks für zwischendurch habe ich getrocknete Aprikosen und Mandeln für mich entdeckt. Andere getrocknete Früchte und Nüsse sind natürlich auch eine Variante, Aprikosen und Mandeln sind lediglich recht günstig.

4.) Auch das Kochen ohne Weißmehl und Zucker ist nicht schwer. Die größte Herausforderung ist wohl, auf Fertigprodukte zu verzichten, die häufig von Zucker infiltriert sind. Man muss schon eine gewisse Lust zum selbst Kochen aufbringen. Ich persönlich halte das ganz unkompliziert. Eins meiner Basics ist angebratenes Gemüse mit einer Sahne- oder Tomatensoße (passierte Tomaten aus dem Supermarkt enthalten kein Zucker) mit Kartoffeln, Vollkornreis oder Vollkornnudeln. Reis und Nudeln durch die Vollkornvariante zu ersetzen ist nicht schwer – nur ein wenig kostspieliger. Vollkornreis schmeckt mir persönlich sogar sehr viel besser. Den Unterschied zwischen „normalen“ Nudeln und Vollkornnudeln bemerke ich kaum.

5.) Die größte Herausforderung für mich war Essen außer Haus. In Mensa und Restaurant habe ich häufig Salat gewählt, weil ich da wusste, woran ich bin. Manchem mag das zu langweilig zu sein – dann ist es wohl notwendig, genauer nach den Inhaltsstoffen zu fragen. Generell habe ich mehr Essen zum Mitnehmen vorbereitet und weniger unterwegs gekauft. Das ist nicht nur gesund, sondern erfreut meist auch den Geldbeutel.

Alles in allem habe ich in dieser Zeit gesundheitlich keinen Unterschied gespürt und war auch nicht weniger oder mehr müde (ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch unter normalen Umständen krank geworden wäre – das passiert bei mir ganz klassisch zwei Mal im Jahr… Um in der Hinsicht einen Unterschied zu spüren, müsste ich vielleicht noch deutlich länger verzichten). Ich muss jedoch dazu sagen, dass mein Körper generell nicht außergewöhnlich auf Ernährungsumstellungen reagiert und prinzipiell recht stabil und gesund ist. Auch habe ich davor nicht besonders viel Zucker gegessen. Deswegen sind die Auswirkungen sicherlich bei jedem individuell verschieden. Ich finde es trotzdem super, dass ich es gemacht habe, da ich jetzt viele gesunde Alternativen kenne, die ich auch weiterhin umsetzen werde und die langfristig gesehen gut für meinen Körper sind. Mir ging es also gar nicht so sehr um ein sofortiges Ergebnis – eher um einen nachhaltigen Lerneffekt.

Ihr könnt euch sicherlich denken, dass ich dieses Experiment nicht in die Weihnachtszeit fortsetzen wollte… Und vor kurzem habe ich tatsächlich bereits ein erstes Plätzchen verkostet. Ich hab es sehr genossen und dabei sogar eine Veränderung bemerkt: Ein Plätzchen hat mir absolut gereicht. Das war so eine süße Geschmacksexplosion, dass ich gar nicht noch mehr Süße gebraucht habe. Ich habe außerdem probiert, ein halbes Glas Limonade zu trinken. Es ging nicht! Nach drei Schlucken war es mir zu süß. Nun ja, ich bin pessimistisch genug, um mir denken zu können, dass sich mein Empfinden sicher bald wieder ändern wird. Aber für den Moment schadet es sicherlich nicht.

Um ehrlich zu sein genieße ich es nun wieder, weniger über Essen nachdenken zu müssen, weswegen ich es mir auch nicht vorstellen kann, solch ein Experiment wesentlich länger durchzuführen. Es ist schön, in der Mensa nicht stundenlang darüber nachdenken zu müssen, ob ich etwas essen kann oder nicht. Und dennoch tendiere ich nun automatisch zu den gesünderen Optionen.

Vielleicht hast du ja auch mal Lust, dich selbst herauszufordern oder hast bereits eine Zeit lang auf etwas verzichtet – wenn ja, dann schreib mir gern von deinen Erfahrungen!

Genießt noch die letzten Herbsttage, zündet euch ein paar Kerzen an und trinkt Kakao. Glaubt mir, es hilft! – Gegen alles. 😉

Constanze

(Photo by Thomas Kelley)

Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

Einfach, aber wertvoll! – was mich im Stress glücklich macht

Ich liege im Bett und bin kurz davor meine aktuelle Sucht-Serie in den DVD-Player zu schieben: „One Tree Hill“. Ja, genau die. Es ist eine dieser seichten High School/Junge Erwachsenen-Dramen, in der jeder mal mit jedem zusammen ist, verkorkste Familien und Freundschaften irgendwie versuchen, sich zusammenzuraufen und regelmäßig jemand vom Auto angefahren oder anderweitig in Lebensgefahr gebracht wird, damit die Sache auch spannend bleibt. Und ja, ich bin total „into it.“ (Die Freundin, die mich dazu gebracht hat, erwartet an dieser Stelle wahrscheinlich eine Danksagung – also: Danke! – und eine Entschuldigung für diese Kurzbeschreibung – Sorry! ;-))

Vor kurzem sind wir umgezogen und momentan fällt es mir schwer, einen „tiefsinnigen“ Blog-Beitrag über das Leben zu schreiben. Ich glaube, das liegt daran, dass ich sehr darauf fokussiert bin, „Wohnungsprobleme“ zu lösen, sodass mir lebensphilosophische Gedanken nicht so wichtig erscheinen. Praktische Probleme nehmen stattdessen viel Raum in meinem Kopf ein und ich musste zudem erst einmal lernen, dass das okay ist. Vielleicht bin ich ein wenig komisch, aber mein Leben dreht sich ansonsten sehr viel um soziale oder geistige Probleme (was wohl meinem Beruf, meinen Hobbys und meiner Persönlichkeit geschuldet ist). Manchmal macht es mich ganz verrückt, fast ausschließlich über praktische Dinge nachzudenken. Doch nun hatten und haben wir einiges zu tun, was unsere neue Wohnung angeht. Es ist viel zu klären, viel einzukaufen, viel auszupacken, viel zu bohren, zu bauen. Wer schon mal umgezogen ist, kennt es.

Heute ist mir aufgefallen, dass es in solchen Zeiten besonders die einfachen, „natürlichen“ Dinge sind, die mich zwischendurch immer wieder glücklich machen. Ich muss nicht etwa die Nacht durchtanzen, um die Sorgen des Alltags zu vergessen. Wertvolle, glücklich-machende Momente sind ganz einfach im Alltag zu entdecken. Von ein paar Beispielen aus meinen vergangen Wochen (neben dem Schauen von One Tree Hill)  möchte ich gern erzählen:

1.) Zurück in die Jugend

Seitdem wir umgezogen sind genieße ich (seit meiner WG-Zeit) wieder den Luxus eines „eigenen“ Zimmers. Es ist kein Schlafzimmer, kein Wohnzimmer, einfach erst einmal ein Zimmer zu meiner eigenen Verfügung. Sozusagen mein Arbeitszimmer und Hobbyraum zugleich. Manche Leute glauben nicht, dass ich das gebrauchen könnte – aber allerdings! Mit einem Zimmer kann ich immer etwas anfangen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, es war etwas Besonderes für  mich. Doch bis vor kurzem fehlte noch etwas. Ich hatte zwar ein paar Möbel in dieses Zimmer gestellt und auch an meinem Schreibtisch gearbeitet, aber das „Besondere“ war noch nicht da. Das habe ich nun nachgeholt. Es war an einem Sonntag und ich fühlte mich entspannt. Also legte ich mir eine meiner Girly-CD’s aus Teenager-Zeiten (nein, die sind im Zuge meines Aussortierens natürlich nicht hinausgeflogen und ja, wer mich kennt, weiß ganz genau, von welchem Interpreten wir hier reden) in meine Stereo-Anlage aus Teenager-Zeiten ein und begann, mein Zimmer zu dekorieren.

Es fühlte sich an, als wäre ich in eine WG eingezogen. Es war ein gutes Gefühl. Nun, ihr müsst das richtig verstehen – dekorieren heißt bei mir nichts Krasses. Es heißt: Man nehme ein paar Postkarten, ein bisschen Washi Tape und ein paar Stoffreste und hänge das irgendwie in einer sinnvollen Anordnung an die Wand. Man nehme ein paar Kerzen und finde den richtigen Ort für sie im Zimmer. Man drehe das Regal so oft ein paar Millimeter nach links und rechts, bis man das Gefühl hat, dass es im perfekten Winkel steht. Viel mehr kann ich nicht. Aber das ist vollkommen in Ordnung, denn genau das macht mir Spaß. Genau dieses simple Aussuchen von der richtigen Postkarte für die richtige Stelle ist das was ich brauche, um abzuschalten. Im Zusammenhang mit einer Mainstream-girly-pop-Musik im Hintergrund mag das paradox klingen. Doch genau diese versetzte mich automatisch in Zeiten, in denen beispielsweise Schule meine größte Sorge war. Oder ein sinnloser Liebeskummer. Also nichts wirklich Lebensentscheidendes (Hab ich das laut gesagt? Bitte – nehmt die Schule ernst!). Es gab mir ein unbeschwertes Gefühl und ich fühlte mich jung. Ich weiß, das bin ich immer noch. Aber ich fühlte mich richtig jung. 😉

Ich mag es, mich in etwas scheinbar Simplem zu vertiefen – aus einer einfachen Aufgabe ein kleines Projekt zu machen und sich diesem mit so viel Zeit, wie man eben möchte, zu widmen. Das ist ein Luxus, den ich mir nicht häufig gönne, der mich aber zur Ruhe bringt und „große“ Probleme auf einmal nicht mehr so groß erscheinen lässt. Ich glaube, dass wir uns diesen Luxus deshalb genau dann gönnen sollten, wenn es rational und zeitlich betrachtet keinen Sinn macht.

2.) Kochen und Wein

Punkt zwei ist weniger kryptisch als Punkt eins, denn es ist genau das: Kochen und Wein. Wenn ich vor einigen Jahren gewusst hätte, dass ich das mal schreibe, hätte ich wohl über mich selbst gelacht. Früher hatte ich weder viel für Wein noch fürs Kochen übrig. Wein habe ich schnell als ein gemütliches Genuss-Getränk lieben gelernt und auch mit dem Kochen habe ich mich angefreundet (schlicht dadurch, dass ich gezwungen war, es zu tun). Die Kombination beider Dinge ist das Beste. Und ja, ich rede hier von allein kochen und dabei allein Wein trinken.

Ich bin jemand, der Dinge dann am besten tut, wenn er nicht zu viel darüber nachdenkt – sprich, allein für mich im stillen Kämmerlein und ohne das Gefühl, etwas präsentieren zu müssen, funktioniert es am besten. Deswegen koche ich am liebsten allein und am liebsten nur für meinen Mann und mich. Und ich experimentiere gern. Ab und zu koche ich auch nach einem Rezept, aber meistens habe ich einfach nur viel Gemüse, ein bis zwei Beilagen und kombiniere das zu irgendetwas auf irgendeine Art und Weise. Und das, ganz ohne unter Beobachtung zu sein, ohne Rechenschaft vor irgendjemandem ablegen zu müssen. Das klingt vielleicht albern, aber irgendwie gibt mir das ein besonderes Gefühl der Freiheit. Und wenn ich dann noch einen Wein dazu trinke, der Geruch der angebratenen Zwiebel in der Luft hängt, und irgendeine (vielleicht dieses Mal nicht ganz so anspruchslose) Musik im Hintergrund läuft, gehört das zu diesen schlichten Dingen, die mich jederzeit glücklich machen können.

3.) Gottesdienst am Sonntag morgen

Wer diesen Blog schon eine Weile liest oder mich persönlich kennt, weiß wahrscheinlich, dass ich Christ bin. Und für gewöhnlich gehe ich sonntags in den Gottesdienst – nicht, weil mich irgendjemand dazu zwingt oder aus Tradition. Ich tue das, weil ich tatsächlich daran glaube, dass der Schöpfer dieser Erde eine Beziehung zu uns Menschen haben möchte. Und ich möchte diese Beziehung pflegen.

Manchmal fällt es mir jedoch schwer, Sonntag früh aufzustehen. Oder mir ist nicht danach, mich unter viele Leute zu begeben. Das glaubt man mir zwar selten, aber es gibt tatsächlich Phasen in meinem Leben, in denen es mir schwer fällt „Konversation“ zu führen. (Mit Small Talk-Konversation tue ich mich im Allgemeinen schwer – siehe hier). Doch im Endeffekt bereue ich es nie, wenn ich mich trotzdem aufgerappelt habe und, auch wenn es erst nicht meinem Gefühl entsprach, in den Gottesdienst gegangen bin. Denn ganz egal wie es mir geht: ein Gottesdienst richtet mich auf das aus, was wirklich im Leben zählt. Gott ist meine Konstante und sich dieser bewusst zu machen, tut immer gut. Meist spricht mich eben doch die Predigt an, manchmal ist es schlicht die Gemeinschaft mit anderen Christen, die mich glücklich macht. Irgendetwas ist es immer. Denn all das ist auf das ausgerichtet, was wirklich im Leben zählt.

4.) Freunde im Alltag treffen

Keine Frage: es ist eine tolle Sache, sich am Wochenende zu einem langen Mädelsabend zu treffen, am besten inklusive Übernachtung. Oder am Samstag so richtig ausführlich und lang mit Freunden zu brunchen. Aber ich habe noch einmal ganz neu zu schätzen gelernt, wie toll es ist, Freunde im normalen Wochenalltag zu treffen, selbst wenn es nur kurz ist. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Das Wochenende ist schnell voll (Stichwort „Freizeitstress“…). Gefühlt versuche ich manchmal, mein ganzes Leben in diese zwei Tage zu pressen (was übrigens nicht funktioniert, also probier es gar nicht erst aus). Aber es ist so: Alle 7 Tage der Woche sind tatsächlich lebenswert!

Manchmal gehe ich von der falschen Annahme aus, dass ein Treffen nur dann sinnvoll ist, wenn ich viel Zeit habe – und oft ist es das auch, vor allem, wenn ich jemanden länger nicht gesehen habe. Aber manchmal reicht es genauso, sich kurz mit jemandem in der Mittagspause zu treffen oder zwischen zwei Vorlesungen 10 Minuten auf dem Campus zu quatschen. Oder, wie ich es derzeit tue, gemeinsam einen Sportkurs zu besuchen. Dabei kann ich nicht unbedingt viel mit meiner Freundin reden, aber ich teile Alltag mit ihr. Gemeinsam zu lernen ist ebenso eine schöne Möglichkeit, aus „geteiltem Leid halbes Leid“ zu machen. Es zeigt mir, dass es gar nicht so kompliziert sein muss, Zeit mit Freunden zu verbringen. Und es verbindet noch einmal auf ganz neue Weise.

Alles in allem glaube ich, dass es kontraproduktiv ist, in stressigen, to-do-geladenen Zeiten nach einem „glamouröseren“, „besseren“ Leben Ausschau zu halten. Ich stelle hiermit die These auf, dass du nichts Glamouröses brauchst, um deinen Sorgen zu entfliehen. Häufig sind es die einfachen Dinge, die sich ganz natürlich in den Alltag integrieren lassen, die uns glücklich machen können – vorausgesetzt wir sprechen ihnen diesen Wert auch zu. 10 Minuten mit einem Freund zu reden hat Wert. Ein leckeres Essen zu kochen hat Wert. Fühl dich ermutigt, diese scheinbar einfachen Dinge zu zelebrieren und dankbar für sie zu sein!

Was sind deine Glücksmomente im Alltag? Wodurch kommst du zur Ruhe und kannst deine Sorgen vergessen? Lass es mich gern in den Kommentaren wissen.

(Bald folgt, aufgrund unseres Umzugs, auch noch ein „Minimalismus-Update“! Wenn dich meine ersten drei Beiträge zu diesem Thema interessieren, kannst du sie gern in der Kategorie „Lifestyle“ nachlesen.)

Constanze

(Photo by Ariel Lustre)