Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Gedanken

Wann es mir leicht fällt, im Moment zu leben

Aah, wem ist aufgefallen, dass vor drei Tagen Donnerstag war und ich nichts gepostet habe? Niemandem? Auch okay 😉 Das Leben ist dazwischen gekommen. Und wisst ihr was? Das war gut so.

Ich bin ziemlich zielorientiert. In den letzten Jahren hab ich gemerkt, wie sehr. Langeweile ist für mich so eine Sache… Ich kann sie nur ertragen, wenn ich sie mir selbst ausgesucht habe. Ich will produktiv sein. Ich will vorankommen. Und dabei ist es eigentlich egal, um was es geht: Ob putzen, kochen, Musik machen, schreiben, studieren, arbeiten. In all dem muss ich das Gefühl haben, auf etwas zuzugehen – das Gefühl, die Sache aus einem bestimmten Grund zu machen. Aus einem Grund, von dem ich selbst überzeugt bin. Es heißt nicht, dass ich viel machen möchte. Ich will nur etwas Sinnvolles tun und in diesem Sinnvollen vorankommen. Es bedeutet auch nicht, dass ich nicht entspannen kann – das kann ich sogar ziemlich gut. Ich liebe es, im Urlaub mein Handy auszuschalten und einfach nur zu „sein“ oder am Sonntag einen Serien-Marathon zu starten. Zu lesen, zu essen, zu quatschen. Doch selbst diese Entspannungszeit möchte ich einplanen.

Diese Eigenschaft ist mir Stärke und Schwäche zugleich. Sie lässt mich strukturiert an Dinge herangehen. Sie macht mich produktiv und begeisterungsfähig. Und ich bin in der Lage, andere damit anzustecken. Zugleich stehe ich jedoch immer mal wieder in der Gefahr, mich darin zu verlieren. Zu machen, zu streben – und wenn ich plötzlich nicht weiterkomme, schnell zu verzweifeln. Mein Mann muss mich regelmäßig beruhigen, wenn ich mal ein wenig ziellos bin. („Manno, ich kann grad an nichts weiterarbeiten…“ „Na, dann entspann dich doch einfach, das ist auch okay.“ „Ich hab morgen schon Zeit zum Entspannen eingeplant, das kann ich ja nicht heute auch schon machen.“ So oder so ähnlich.)

Ich arbeite daran und mache mir immer wieder von neuem klar, dass von meinen Plänen nichts abhängt. Ja, ich darf meine Zielstrebigkeit einsetzen. Es ist ein Instrument, dass ich mir zu Nutze machen kann. Aber von ihm hängt im Endeffekt nicht alles ab. Wie befreiend! Gott macht auch dann etwas aus meinem Leben, wenn ich mal keinen ausgeklügelten Plan habe oder meine Ziele unklar sind.

Und dann gibt es da immer wieder diese Momente, in denen es mir gar nicht so schwer fällt, das zu glauben. Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass ich der spontanste Mensch auf der Welt bin und in denen ich vor allem eines kann: im Hier und Jetzt leben.

Meine letzten Tage verliefen mal wieder nicht ganz nach Plan. Und man könnte meinen, dass mich das verrückt gemacht hat oder dass ich mich ziellos gefühlt habe – aber so war es nicht. Und heute fiel mir auf, warum: Es waren „Beziehungsmomente“, die meine Pläne durcheinander gebracht haben. Es war das doch etwas länger andauernde Frühstück mit einer Freundin, weil es so viel Wichtiges zu besprechen gab. Es war die fehlende Anzahl an Stunden, die ich an meinem Fernkurs arbeiten konnte, da ich über das Besprochene nachdenken musste. Es war das spontane Treffen im Café mit einer anderen Freundin. Kurzfristig jemandem zur Seite stehen und helfen. Ja, diese spontanen Café-Treffen empfinde ich sogar als die besten überhaupt!

Es sind solche Momente, in denen ich absolut präsent im Hier und Jetzt bin. Wie oft wünsche ich mir, dass ich mehr im Moment leben könnte. Wie oft merke ich, dass ich mir zu viele Sorgen mache, zu viel über die Zukunft nachdenke. Und dann ist da auf einmal ein Freund, der Hilfe braucht und plötzlich sind meine Prioritäten wieder klar und ich merke, wie wertvoll es ist, Zeit zu verschenken. Wie wertvoll es ist, mein ganzes Tun und Streben zu vergessen und einfach nur für jemand anderen da zu sein.

Versteht mich nicht falsch – das bedeutet nicht, dass ich von nun an nur noch Zeit mit anderen verbringen und an andere verschenken sollte. Grenzen sind wichtig, darüber habe ich zum Beispiel hier geschrieben. Besonders als introvertierte Person benötige ich immer wieder meine Rückzugs- und Auftankzeiten. Doch es gibt Phasen, da helfen mir diese spontanen „Beziehungsmomente“, um aus mir selbst herauszutreten. Phasen, in denen ich ansonsten in der Gefahr stehe, mich in mir selbst und in meinen Zielen zu verlieren, wenn nicht hin und wieder etwas völlig Ungeplantes auf mich zukommen würde. Im Besonderen sind es Gespräche, für dich ich gern mal alles stehen und liegen lasse. Für die ich gern mal später ins Bett gehe oder das Putzen auf einen anderen Tag verschiebe (Nun gut, dass fällt auch nicht sooo schwer…). Sie lassen mich irgendwie lebendig fühlen. Und genau diese Lebendigkeit und Lockerheit würde ich gern auf viel mehr Bereiche in meinem Leben übertragen. Ja, ich möchte zielstrebig vorangehen. Aber ich möchte nicht verkrampfen oder verzweifeln, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht. Denn dann wartet vielleicht schon eine geniale, spontane Planänderung an der nächsten Ecke…

Wann kannst du so richtig „im Moment“ leben? Was hilft dir, spontan zu sein? Oder bist du sowieso kein planender Typ und lässt alles auf dich zukommen? Ich bin gespannt zu lesen, wie es dir damit geht.

Constanze

(Photo by Luke Chesser)

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Veröffentlicht in Lifestyle

Pop oder Flop? – Musikempfehlungen

Gerade eben habe ich viel zu viele Pancakes verdrückt (gesunde, muss ich dazu sagen! Bananen-Haferflocken-Vollkorn-Pancakes, mjammm…) und dabei über ein Thema nachgedacht, welchem ich auf meinem Blog noch nicht so viel Raum gegeben habe: Musik! Neben dem Schreiben ist es eins meiner größten Hobbys – und zwar nicht nur das Machen von Musik, sondern vor allem auch das Hören. Ja, ich würde es tatsächlich als eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen bezeichnen, zu Hause die Lautsprecher laut aufzudrehen und eine One-Woman-Dance-Party zu schmeißen. Oder dabei laut singend durch die Wohnung zu wuseln und aufzuräumen. Ganz egal. Musik ist für mich vor allem ein Ventil für Emotionen. Und doch noch viel mehr: Sie ist komplex, spannend, kreativ, anspruchsvoll. Genau deswegen kann es auch nicht jede Musik für mich sein.

Im Geiste sehe ich bereis einige meiner Freunde zweifelnd die Stirn runzeln und ich gebe zu: eine gewisse Berechtigung hat es. Meine Lieblingsgenre ist die Pop-Musik und einige Zeit war ich dafür bekannt, auf typische Girly-Mainstream-Musik zu stehen. Da hatte ich sozusagen meinen Start. (Manchmal werde ich auch „rückfällig“, siehe hier.) Aber mal ehrlich: Das ist nun gut 10 Jahre her. Der Pop-Musik bin ich treu geblieben, doch habe ich mittlerweile die Vielfalt in diesem Genre entdeckt. Heute mag ich Rock-Pop, Indie-Pop, Country-Pop, Jazz-Pop, Accapella-Pop… Ich mag alles in der Pop-Musik, dass etwas besonderes an sich hat. Ein bestimmtes Merkmal, etwas Neues, etwas Kreatives. Und um meinem schlechten Ruf nun endlich ein wenig aufzubessern Und um euch ein wenig daran teilhaben zu lassen, folgen heute drei meiner aktuellen Lieblingskünstler aus dem Pop-Bereich, von denen ich glaube, dass sie dieses „gewisse Extra“ mitbringen:

1.) HAIM

HAIM ist eine Band bestehend aus drei Schwestern, die ich im letzten Jahr entdeckt habe. Ihr aktuelles Album „Something to tell you“ läuft seitdem regelmäßig bei uns zu Hause. Es gehört zu dieser Art Musik, die man jederzeit hören kann. Die Art Album, die ich anmache, wenn ich nicht weiß, was ich sonst hören soll. Sie ist sowohl gut als Hintergrundmusik geeignet als auch zum bewussten Hören. Aus meiner Sicht schaffen das nur wenige Pop-Künstler! Wer keine piepsigen Frauenstimmen mag, liegt hier genau richtig. Die Frontsängerin hat eine angenehme, sanfte Stimme, mit der sie sowohl flottere als auch ruhige Lieder toll interpretiert. Die Musik glänzt für mich vor allem durch interessante Rhythmen und Harmonien in der Mehrstimmigkeit. Dieses Album wird für mich ein zeitloser all-time Favorit sein! Dazu kommt, dass ich das Auftreten und die Ausstrahlung der drei jungen Frauen absolut einzigartig, lässig und natürlich finde. Zum Reinhören in meinen persönlichen Liebling „Little of your Love“ geht’s hier lang. Auch das Musikvideo zu „Want you back“ kann ich sehr empfehlen – simpel, und dennoch unterhaltend.

2.) Tyler Ward

Tyler Ward gehört zu den bekanntesten Popmusikern in der YouTube-Szene. Genau deswegen war ich auch lange Zeit ein wenig skeptisch. Wie alle anderen Musiker, die auf YouTube bekannt werden möchte, begann er seine Karriere mit Covers von bekannten Künstlern. Die waren mir oft nicht spannend genug – es war eben das, was alle gemacht haben. Seit ein paar Jahren überzeugt mich seine eigene, selbstgeschrieben Musik allerdings immer mehr und auch seine Covers finde ich nun kreativer. Er schreibt sehr emotionale Texte und bringt diese authentisch rüber. Seine Musik ist häufig eher akkustisch, allerdings hin und wieder von Rock- und Country-Einflüssen durchzogen. Wer Country-Musik mag sollte mal in seine EP „Yellow Boxes“ reinhören. Sein neuestes Projekt überzeugt mich im Besonderen: Er hat das komplette aktuelle Taylor-Swift-Album „Reputation“ neu interpretiert. Jetzt werdet ihr denken: Jaaaa, Constanze und Taylor Swift, das ist ja klar, dass sie das mag… STOP! Gebt diesem Cover-Album unbedingt eine Chance. Tyler Ward hat etwas ganz Neues daraus gemacht und dem Original dennoch Rechnung getragen. Besonders interessant finde ich „Look what you made do“, aus dem er eine richtig rockige Version gezaubert hat. Auch zu „I did something bad“ gibt es ein Musikvideo. Das komplette Album könnt ihr zum Beispiel bei Spotify anhören. Unbedingt einmal von vorn bis hinten durchhören und laut aufdrehen nicht vergessen!

3.) For King & Country

Was christliche Musik angeht, bin ich interessanterweise besonders anspruchsvoll. Nicht unbedingt, wenn es um die Lobpreismusik im Gottesdienst geht – da kann ich mich anpassen, mich auf den Text konzentrieren oder auch einfach mal schweigend die Gegenwart Gottes genießen. Doch wenn eine christliche CD bei mir zu Hause laufen soll, muss sie so einige Tests bestehen. Das Album „Run wild. Live Free. Love Strong.“ von For King & Country hat sie sofort bestanden! Freunde von mir haben mir das Album vorgespielt und es hat mich durch zwei Aspekte sofort überzeugt: 1. Die Instrumentation ist vielseitig und kreativ. Und auch hier fällt wieder auf, dass ich ein großer Rhythmus-Fan bin. Es wird viel mit Schlagzeug gearbeitet, anderem Schlagwerk wie Glocken und sogar Orgelklängen. 2. Die Texte sind super. Sie sind nicht „ausgelutscht“, einseitig oder etwas, was man schon tausend mal gehört hat. Sie sind ermutigend, aufbauend und sprechen ins Leben. Keine andere christliche Band hat mich bisher so sehr durch Instrumentation, Melodie und Text überzeugt. Und ich behaupte mal ganz wagemutig, dass dieses Album auch denjenigen gefallen kann, die sonst keine christliche Musik hören oder nicht gläubig sind. Die Texte sind verständlich und alltagsnah, da ist für jeden was dabei. Hier geht’s zum Reinhören in meinen persönlichen Favoriten, das Titellied „Run wild. Live free. Love Strong“. Und auch hier wieder: Unbedingt einmal das Album von vorn bis hinten durchhören, laut aufdrehen nicht vergessen!

Was ist momentan euer persönlicher Musik-Favorit? Hat euch eine dieser drei Empfehlungen gefallen?

Ich wünsche euch einen wunderbaren Start in die neue Woche!

Constanze

(Photo by Mark Solarski)

 

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Glauben, Lifestyle

4 Dinge, die ich in der letzten Woche gelernt habe

Meine letzte Woche war bunt. Lehrreich, schön, aufwühlend… Heute folgen deshalb vier ziemlich verschiedene Dinge, die ich mir aus den vergangen Tagen mitnehmen möchte. Vielleicht findest du dich in einem der Punkte wieder?

1.) Es ist nicht merkwürdig, sich mit seinem Ehepartner zu einem „Date“ zu verabreden.

Und ja, ich bestehe auf die Bezeichnung „Date“! Für mich umfasst sie etwas, was wir in Deutschland manchmal gar nicht wirklich zu schätzen wissen: Sich mit dem Partner bewusst zu verabreden, „auszugehen“, ein Treffen mit einem bestimmten Ziel außerhalb der Wohnung sozusagen. Klar, das machen wir in der Kennenlern-Phase ab und zu einmal. Doch danach? In der Ehe ist es dann doch häufiger die Couch und der Fernseher – verständlicherweise. Doch als mein Mann und ich letzten Freitag feststellten, dass wir beide am Abend nichts vorhatten, beschlossen wir kurzerhand, gemeinsam essen zu gehen. Mit allem drum und dran! Intensive Recherche nach einem Restaurant, was wir beide noch nicht kannten und uns beiden zusagen würde, Reservierung des Tisches und gemeinsames „fertig machen“.

Ich finde, es hat etwas besonders Wertvolles an sich, sich gemeinsam mit seinem Ehepartner schick zu machen – aus dem einfachen Grund, weil man Zeit mit dem anderen verbringt! Es geht mir allerdings nicht um das tolle Essen an sich oder die schicken Klamotten. Solche Dinge zählen für manch einen gar nichts. Aber es geht um dieses bewusste Zeit nehmen füreinander. Das drückt Wertschätzung aus. Weil es eben doch nicht so selbstverständlich ist, dass da jemand gemeinsam mit einem durchs Leben geht.

2.) Lesen ist vor dem Schlafengehen besser als Handy-Spielerei. 

Wenn ich mir überlege, wie lange ich hartnäckig gegen den Smartphone-Trend angekommen bin und wie spät ich, im Gegensatz zu allen anderen in meiner Umgebung, mein erstes Smartphone in den Händen hielt – da ist es ziemlich erstaunlich, was für eine große Rolle es mittlerweile in meinem Leben spielt. Ich denke, dass ich die Nutzung alles in allem dennoch ganz gut kontrollieren kann. Bei unserem Date zum Beispiel habe ich es ganz bewusst zu Hause gelassen und mich dabei wunderbar frei gefühlt. Doch es gibt einen bestimmten Zeitraum, da hat es ganz schön Überhand gewonnen: kurz vor dem Schlafen, wenn ich bereits im Bett liege und nur noch „ein bisschen entspannen will“. Die YouTube-App ist für mich so eine Sache… ich mag sie sehr gern. Und ich dachte immer, dass ein paar YouTube-Videos vor dem Schlafen keinen großen Unterschied machen. Ist doch genauso wie Film schauen oder Lesen!

Ja klar, man hat immer mal wieder gehört, dass es eigentlich nicht so gut ist, kurz vor dem Schlafen auf diesen kleinen, flimmernden Bildschirm zu starren. Das Licht würde einem signalisieren, dass noch Tag ist und man würde dadurch nicht müde werden. Der vielfältige Input aus bewegten Bildern und Ton würde die Reize so überfluten, dass man dabei nicht gut zur Ruhe kommt. Mir kann man all sowas gern erzählen, aber meist muss ich es eben doch selbst erleben, um es zu glauben. Als ich eine Zeit lang nicht gut einschlafen konnte, probierte ich es schließlich aus: ich fing wieder an, ein Buch in die Hand zu nehmen, statt auf dem kleinen Bildschirm herumzutippen und von einem YouTube-Video zum nächsten zu springen. Und es half sofort: Ich wurde viel schneller müde und mein Kopf kam viel mehr zu Ruhe.

In der letzten Woche habe ich mir das nun wieder vorgenommen. Ich lese nicht unbedingt jeden Tag, aber wenn ich das Schlafzimmer betrete, mache ich das Handy aus. Am besten platziere ich es an einem anderen Ort in der Wohnung, damit ich nicht gleich am nächsten Morgen wieder danach greife. Es tut so gut! Es sind einige Reize weniger, denen ich mich dadurch aussetze. Mein Kopf bleibt mehr im Hier und Jetzt. Er hat die Gelegenheit, abzuschweifen, zu verarbeiten, herunterzukommen. Ich weiß, es ist schwer – aber der Versuch lohnt sich!

3.) Das Workout im Vorhinein zu planen steigert die Motivation erheblich.

Ich habe hier bereits davon erzählt, dass ich seit Anfang des Jahres ganz unerwartet regelmäßig Sport treibe. Diese Woche habe ich noch einmal gemerkt, wie stark das daran liegt, dass ich nicht selbst darüber nachdenken muss, was genau ich mache. Dieses Problem hat man natürlich auch dann nicht, wenn man zu einem Training geht oder im Fitness-Studio einem bestimmten Plan folgt. Doch ich bin eher der Typ, der zu Hause Sport treibt. Vor ein paar Jahren habe ich dabei die Videos von blogilates für mich entdeckt: eine etwas abgewandelte Form vom klassischen Pilates. Die Übungen gefielen mir und entsprachen meinem Geschmack. Meine Motivation war jedoch recht unterschiedlich. Manchmal hatte ich Lust, mehrere Videos hintereinander zu machen, manchmal rang ich mich immerhin zu einem dadurch – und manchmal eben auch lange Zeit gar nicht.

Nun folge ich seit dem 01.01. dem Workout-Kalender von blogilates und es macht den Unterschied. Dort steht für jeden Tag, welche Videos gemacht werden sollen. Die Aufeinanderfolge der Videos ist durchdacht und es gibt täglich einen anderen Schwerpunkt. Immer häufiger freue ich mich mittlerweile auf meine Sport-Session, denn ich weiß, dass Cassey Ho von blogilates mir einfach sagen wird, was ich tun soll. Ich muss nicht denken! Normalerweise entscheide ich sehr gern selbst über mein Leben, aber was Sport angeht fehlen mir schlicht die nötigen Kompetenzen.

Und somit ist meine Workout-Zeit nun auch eine Art „zur Ruhe kommen“ – nämlich für den Kopf. Und das führte dazu, dass ich Sport nun viel mehr deswegen treibe, um mich gesund, munter und ausgeglichen zu fühlen, statt „endlich mal Muskeln aufzubauen“. Oft habe ich zwar das Gefühl, dass die Videos noch viel zu anstrengend für mich sind, aber der Kalender lässt mir ja sozusagen keine Wahl. Und am Ende fühle ich mich ausgepowert, gut und stelle fest, dass es ja doch irgendwie ging.

4.) Ich kann mein Leben nicht allein optimieren.

In der letzten Woche ist mir außerdem mal wieder bewusst geworden, dass ich mein Leben doch nicht so sehr im Griff habe, wie ich manchmal glaube. Klar, oberflächlich betrachtet läuft alles ganz gut: Ich habe noch keine Verbrechen begangen, nehme keine Drogen, gehe nicht fremd…  Doch unter der Oberfläche liegt so viel mehr. Nur weil ich in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen bin, bedeutet das nicht, dass ich Gottes unendlich bedingungslose Liebe weniger bräuchte als andere, bei denen man gleich auf dem ersten Blick sieht, dass etwas nicht so gut läuft. Ist es nicht genau das, was wir manchmal glauben? Unser Leben läuft scheinbar so „rund“, dass es schwer zu sehen ist, dass wir mehr brauchen als nur uns selbst. Solange nichts Dramatisches geschieht, kriegen wir das schon ganz gut allein hin.

Doch gestern wurde mal wieder eine meiner größten Schwächen aufgedeckt: meine Streben, es allen Recht machen zu wollen und darin das verstecke Bedürfnis nach Anerkennung von jedem. Daraus folgt eine riesen Angst, dass jemand etwas Schlechtes über mich denken könnte und dieser merkwürdige Zwang, alles immer so zu biegen, dass es jedem gefällt – manchmal auch auf Kosten der Wahrheit oder meiner Authentizität.

Mein erster Gedanke war: „Constanze, warum denkst du nur so? Was kann ich machen, um dieses Denken endlich abzuschalten?“ Und dann wurde mir sehr schnell klar: Ich kann es nicht. Es ist ein Punkt, an dem ich immer wieder zum Scheitern komme. Eine Sache, bei der noch keine tolle Technik geholfen hat, kein hartnäckiges Vornehmen, es dieses mal endlich besser zu machen. Und dann viel es mir wieder ein: Deswegen brauche ich Gottes bedingungslose Liebe. Deswegen ist sie für mich genauso essentiell wie für jeden anderen. Und er schenkt sie mir – einfach so! Und ich darf von dieser Liebe lernen und immer mehr erkennen: Ich brauche keine Anerkennung von Menschen, denn Gottes Anerkennung ist mir gewiss.

Was hast du in den letzten Tagen erlebt und daraus mitgenommen? Kommen dir manche meiner „Lebenslektionen“ bekannt vor oder lehrt dich dein Alltag ganz andere Dinge? Schreib mir gern von deinen Erfahrungen!

Constanze

 

 

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Gedanken

Eine ungewöhnliche Liebeserklärung

Vor kurzem, als ich in der Straßenbahn saß, belauschte ich das Gespräch von zwei jungen Männern (Hände hoch, wer sonst noch Gespräche in der Bahn belauscht!). Ich liebe es, bei angeregten Diskussionen mit halbem Ohr dabei zu sein. Manchmal würde ich gern mit ins Gespräch einsteigen, aber dafür fehlt mir dann doch der Mut. Vor allem dieses Mal ärgerte mich das! Ich musste wirklich an mich halten, nicht zu protestieren – nicht anwaltlich für etwas einzuspringen, was mir merkwürdigerweise am Herzen liegt: das Plattenbaugebiet.

Einer der beiden Männer lebte anscheinend zentrumsnah, während der andere Beratung bei seiner Wohnungssuche benötigte. Der erste riet ihm davon ab, in besagtes Plattenbaugebiet zu ziehen: „Da lebt halt schon ein bestimmtes Milieu – das ist wie eine eigene kleine Stadt. Und man muss 15 Minuten mit der Straßenbahn in die Stadt fahren!“ Ich riss mich zusammen, nicht die Augen zu verleiern. Über die Bedeutung einer Viertelstunde kann man wirklich streiten.

Ja, ich muss gestehen: Als wir  im letzten Jahr von einer süßen kleinen Altbauwohnung in unsere jetzige Wohnung im Plattenbaugebiet umzogen, war auch ich ein wenig traurig über diese Veränderung. Und ich stellte es manchen Freunden gegenüber so dar, als ginge es schlicht nicht anders: Mehr Platz, mehr Zimmer und das für viel weniger Geld als in einer von Vintage-Charme besessen Altbauwohnung in der Innenstadt. „Wenn wir das gegeneinander abwägen, ist es so nun einmal sinnvoller.“ Das sehe ich auch immer noch so. Doch umso länger ich hier lebe und umso mehr ich darüber nachdenke, merke ich: Ich habe, neben den praktikablen Gründen, eine tief verankerte (wohlgemerkt auch biographisch bedingte) Zuneigung zu Neubaublöcken und ich möchte damit aufhören, Dinge zu sagen wie „Na ja, im Neubaugebiet halt, ist eben günstiger“ wenn andere mich fragen, wo wir nach unserem Umzug nun wohnen.

Heute früh öffnete ich das Fenster in unserem Schlafzimmer ganz weit und lehnte mich hinaus. Das ist zu einer kleinen Gewohnheit von mir geworden: Einmal Kopf in die kalte Luft und schon bin ich wach! Aber es ist nicht nur das. Wir wohnen im Erdgeschoss unseres fünfstöckigen Blocks und ich habe das Gefühl, der Welt auf diese Weise „Guten Morgen“ sagen zu können. Im Erdgeschoss kommt es mir so vor, dem Leben ein Stückchen näher zu sein – mit den anderen Menschen, die immer wieder vorbeilaufen, mehr verbunden zu sein. Plattenbaugebiet und auch noch ganz unten? Das ist für einige Leute die schlimmste Kombination überhaupt. Sie fühlen sich unsicher, haben Angst. Und was noch dazu kommt: Man muss immer die Post für alle anderen im Haus annehmen.

Vielleicht bin ich naiv. Vielleicht denke ich einfach nicht zu viel darüber nach. Aber ich kann mittlerweile aus vollster Überzeugung sagen, dass ich mich hier pudelwohl fühle. Hier, wo viele Rentner und große Familien wohnen, die sich eine andere Wohnung einfach nicht leisten können. Hier, in einer Gegend, die man wohl „sozialschwach“ oder so nennt. Hier fühle ich mich mittendrin – auch wenn ich eine Viertelstunde mit der Bahn fahren muss, um ins Stadtzentrum zu gelangen.

Ist es nicht alles nur eine Frage der Perspektive?

Indem ich die Post für andere annehme, kann ich in Kontakt mit Postboten und Nachbarn treten und jemandem ein Lächeln schenken, der an diesem Tag vielleicht noch gar nicht angelächelt wurde. Indem ich regelmäßig mit der Bahn fahre, kann ich Bücher lesen, für die ich mir sonst keine Zeit nehme, Gedanken nachhängen oder (zugegebener Maßen) Mails checken, auf Instagram herumscrollen… Ich kann freundlich die ältere Frau vom Nachbareingang grüßen, die einen großen Teil ihres Tages damit verbringt, aus dem Fenster zu schauen. Und ich muss gestehen: Auch ich beobachte gern durch unser Küchenfenster, wer in unseren Hauseingang aus- und eingeht. Ich versuche, mir Gesichter zu merken. Und ich hoffe, dass ich eventuell zur Belustigung von irgendjemandem beitrage, der mich früh morgens orientierungslos in der Küche herumlaufen sieht.

Und ist es nicht gerade gut, in einer Gegend zu leben, in der viele Menschen als bildungsarm abgestempelt werden? Stell es dir einmal vor: Arbeitslose und Akademiker, alleinerziehende Mütter und die durchschnittliche Mutter, Vater, Kind – Familie Tür an Tür… Ist das zu verrückt, um wahr zu sein? Würde das nicht gerade dieses Stigma ein wenig auflockern und Vielfalt in ein klischeebehaftetes Milieu bringen?

Und dann sind da noch all die anderen Vorteile dieser Wohngegend: Sofort verfügbares warmes Wasser, wenn man den Wasserhahn aufdreht. Ordentlicher Wasserdruck. Sinnvoll geschnittene Wohnungen statt verwinkelte Zimmerchen. Große Fenster.

Oh, ich weiß, wie schön es in Altbauwohnungen und Mehrfamilienhäusern ist. Wenn ich irgendwo zu Besuch bin, komme ich aus dem Schwärmen nicht heraus! Ich weiß, was man all meinen Argumenten entgegensetzen kann. Und deshalb geht es mir auch gar nicht um ein Abwägen, Pro und Contra – Listen oder Urteilen über den besseren Lebensstil. Es geht mir schlicht darum, zu einem Perspektivwechsel zu ermutigen: Es ist möglich, ein völlig erfülltes und schönes Leben im Block führen zu können. Ich jedenfalls tue es. Vielleicht ändert sich meine Wohnungssituation irgendwann noch einmal. Vielleicht auch nicht. So oder so mache ich das Beste daraus.

Vor ein paar Tagen fragte ich einen Bekannten, der mit der gleichen Straßenbahnlinie wie ich fahren wollte, ob er auch im Neubaugebiet wohne, und er antwortete: „Neeeee, da doch nicht!“ Und ich entgegnete „Wie, neeeee, da doch nicht? Ich wohn da auch!“ Ich mag es irgendwie, Leute damit zu erstaunen, dass ich in einem Neubaublock lebe und es mir wunderbar damit geht.

Und vielleicht traue ich mich ja, das nächste Mal in der Straßenbahn etwas zu sagen, wenn ein Student verzweifelt auf Wohnungssuche ist.

Constanze

(photo by Martin Loeffler)

 

 

 

Veröffentlicht in Gedanken

Nur ein paar Sonntagsgedanken

Ich habe mir überhaupt nicht vorgenommen, in diesem Jahr mehr Sport zu machen oder so (außer natürlich die Sache mit den Liegestützen). Aber irgendwie ist es passiert, dass ich seit dem 01.01. sehr diszipliniert dran bleibe (7 Tage also – wooow). Bei mir funktionieren Dinge manchmal genau dann am besten, wenn ich sie mir bewusst nicht vornehme. Ich weiß, klingt komisch! Ich mache mir Gedanken über etwas, bewerte es für gut und sinnvoll und nehme es mir dann doch nicht vor – aus Angst zu versagen, aus dem Wissen heraus, dass es zu schwer sein könnte, es durchzuhalten. Das Verrückte ist, dass ich mich in diesem Moment jedoch selbst herausfordere: Was ist, wenn ich trotzdem einfach mal loslege? Ganz „geheim“ sozusagen, ohne offizielles Vorhaben? Wenn ich es einfach ausprobiere, ganz ohne Druck? Und bäm, der psychische Trick ist vollbracht. Ich finde Freude daran und bleibe genau deswegen dran, weil ich es freiwillig tue und mich täglich neu dafür entscheide.

Und so kommt es, dass mir Sport momentan tatsächlich Freude bereitet. Ich nutze einen Workout-Kalender, der mir meine Übungen täglich vorgibt – Denkarbeit wird also schon mal eingespart. Und immer, wenn ich fertig bin, fühle ich mich frisch (jap, ein wenig paradox) und motiviert. Kennt ihr diese Leute, die ständig sagen, dass man glücklicher und ausgeglichener ist, wenn man regelmäßig Sport treibt? Ich befürchte allmählich, sie könnten Recht haben.

Heute zum Beispiel. Heute ist Sonntag und ich bin ziemlich begeistert vom Gottesdienst zurückgekommen. Tolle Predigt, tolle Musik und noch dazu eine produktive Musik-Besprechung im Anschluss. Nach so etwas bin ich manchmal total überfüllt im positiven Sinne. Als ich zu Hause ankam, fühlte ich mich energiegeladen und vor allem inspiriert. In solchen Momenten muss ich an meine Kind- und Jugendzeit denken, in der ich zu meinen Schwestern gesagt habe: „Hey, lasst uns irgendein kreatives Projekt machen!“ „Okay gern, und was?“ „Keine Ahnung, aber irgendetwas Cooles, los geht’s!“ So in der Art. Die Energie und die Inspiration sind da, doch es fehlt hin und wieder an der konkreten Umsetzung. Heute hatte ich tausend Ideen und eigentlich auch Konkretes in der Hand. Ich hätte sofort anfangen können, aber ich wusste überhaupt nicht, wo. Früher hätte mich das frustriert. Heute weiß ich, dass ich mich erst einmal wieder ein wenig „erden“ und Ruhe finden muss. Gedanken sortieren, strukturieren. Ich war ziemlich erstaunt von mir selbst, dass mir in diesem Moment Sport in den Sinn kam. Gedacht, getan! Neben Kalorien konnte ich dabei meinen Energieüberschuss im Kopf verbrennen und gedanklich ein wenig herunterkommen.

Es ist mal wieder so ein Tag, an dem ich begeistert bin. Begeistert vom Leben so an sich, von Gottes Liebe, von Kreativität, Ideen, Sport… Manchmal fällt es mir schwer, zu dieser Begeisterung zu stehen. Ich tendiere dazu, sie selbst wieder kleinzureden vor anderen Leuten. Genau genommen habe ich das gerade erst wieder getan, aber ich wurde zum Glück sofort darauf hingewiesen. Ich habe immer ein wenig Angst, dass mein Gesprächspartner nicht so begeistert von meiner Idee sein könnte. Ich rede los und denke plötzlich: „Oh nein, vielleicht findet der andere das gar nicht so toll wie ich!“ Aber selbst wenn – es macht nichts! In den meisten Fällen steckt Begeisterung an, auch wenn der andere es nicht zeigt. Im Ernst: mich kann sogar jemand mit seiner Begeisterung zur Modelleisenbahn anstecken.

Da heute Sonntag ist, werde ich allerdings keine kreativen Projektideen mehr konkret umsetzen. Ich werde entspannen, sacken lassen, und genießen. Es kann nicht schaden, den eigenen Aktivitätsdrang hin und wieder ein wenig zur Ruhe zu bringen. Aber die Begeisterung darf ruhig bleiben! Und mich morgen wieder antreiben.

Von was bist du heute begeistert? Fühl dich frei, mich damit anzustecken!

Constanze

(photo by Photo by Edu Lauton)

Veröffentlicht in Persönlichkeit

Gegensätze… Wirklich?

Heute trage ich mal wieder meine Stiefeletten mit Absätzen. Das klackert schön, aber eigentlich sind sie ziemlich abgenutzt und vorn löst sich die Sohle. Ich fühle mich schick, aber irgendwie auch nicht. An meinem Finger bewundere ich meinen neuen fair gehandelten Ring, den ich mir von einem Weihnachtsgutschein gekauft habe. Er glänzt in silber und gold. Doch auf meinem Kopf sitzen abgewetzte große Kopfhörer, durch die laute Bässe schallen. Am liebsten wäre ich zum Rhythmus der Musik die Straße entlang gehüpft.

Gegensätze. 

edf

Ich liebe es, selbst Musik zu machen. Am liebsten singe ich in jeglich denkbarer Situation: unter der Dusche, beim Staubsaugen (Ganz nach dem Motto: Wer ist hier lauter, der Staubsauger oder ich?), im Auto, am Klavier… Und hin und wieder auch in einer Lobpreisband im Gottesdienst. Dann stehe ich vorn und versuche, die Gemeinde in den Liedern anzuleiten. Doch ein anderes Mal sitze ich selbst im Saal, irgendwo zwischen anderen versteckt, und habe keine Lust zum Singen. Dann erscheinen mir die Lieder zu hoch, zu tief oder die Texte zu banal. Ich habe das Gefühl, dass manche Gottesdienstbesucher mich dann verwundert aus den Augenwickeln betrachten und sich fragen, warum die sonst so musikalische Constanze nicht mitsingt.

Gegensätze.

edf

In Seminaren halte ich mich zurück. Ich sitze in einer der hinteren Reihe, beobachte und mache mir viele Gedanken bevor ich mich traue, etwas zu sagen. Wenn ich in Gegenwart ruhiger, ernsthafter Menschen bin, bin auch ich ruhig und bedacht. Ich höre zu, versuche einzuschätzen und reagiere zurückhaltend. Doch wenn ich nach etwas längerer Zeit auf meine beste Freundin treffe, plapper ich los – und steige von 0 auf 100 mit den tiefsten Themen ein. Wer uns dabei beobachtet, hält uns manchmal für verrückt. Und ganz sicher nicht für schüchtern!

Gegensätze. 

cof

Vor kurzem hatte ich das feste Vorhaben, jeden Tag halb sieben aufzustehen und irgendwie versuche ich das immer noch. Gestern dachte ich allerdings wieder, wie schön ein entspannter Abend mit Laptop und Musik im Hintergrund auch mal bis zwölf Uhr Nachts laufen kann – also nichts mit halb sieben aufstehen. Manchmal habe ich ambitionierte Sport- und Ernährungs-Ziele. Ein anderes Mal denke ich, dass ich nun wirklich nicht alles machen kann und gönne mir eine ungesunde Pizza. Eine Zeit lang begeistert mich Minimalismus, dann die Zero Waste – Bewegung… Ich probiere aus. Und immer wieder komme ich an den Punkt zurück, festzustellen, dass ich nicht dauerhaft der Mensch für Extreme bin.

Gegensätze.

edf

…Wirklich?

Ich kleide mich sehr gern schick, aber es ist mir nicht wichtig genug, um meine Absatzschuhe gegen neue zu tauschen oder die abgefetzten Kopfhörer gegen neue unscheinbare Knöpfe zu ersetzen. Lieber behalte ich die großen, durch die ich die Musik auch ordentlich höre.

Ich liebe Musik jederzeit, aber genauso bin ich jederzeit ein freiheitsliebender Mensch. Wenn mir aus welchen emotionalen oder körperlichen Gründen auch immer nicht nach Singen zumute ist, dann werde ich es nicht tun, weil es indirekt von mir erwartet wird.

Ich bin introvertiert und liebe es, zu beobachten. Doch eine tiefsinnige, lebhafte Konversation mit einem Menschen, den ich gut kenne ist eine der höchsten Prioritäten für mich. Dann blühe ich auf, bin leidenschaftlich und begeistert. Das kann ich sein, wenn ich anderen vertraue.

Ich begeistere mich schnell für Ideen, vor allem wenn sie etwas mit Produktivität, Kreativität oder „Weltverbesserung“ zu tun haben. Aber genau da ist auch der Haken: Ich begeistere mich schnell und stelle schnell auch wieder fest, dass ich nicht jeder Idee folgen kann. Ich habe einen differenzierten Blick auf solche Dinge und erkenne die Tücken der Extreme. Ich nehme mir das Beste aus ihnen mit.

Schau genau hin! Gegensätze sind nicht immer so gegensätzlich. Ich habe mich lange Zeit als sehr widersprüchlich empfunden. Ich habe nicht verstanden, warum ich manchmal so und manchmal so handle: Wie kann es sein, dass ich zeitweise „all in“ bin und im nächsten Moment etwas für völlig unrealistisch halte? Wie kann ich mich hin und wieder gern mit Freundinnen schminken und hübsch machen und im nächsten Moment solche Dinge als völlig irrelevant für mein Leben bewerten? Menschen sind doch entweder schick oder lässig. Extreme Weltverbesserer oder gedankenlose In-den-Tag-hinein-Lebende. Gern im Mittelpunkt stehend oder lieber immer im Hintergrund. Dauerhaft plappernd oder sehr stille Wasser.

Nein. Tag für Tag bin ich überrascht von mir selbst und den Menschen um mich herum. Wir wollen unsere Mitmenschen verstehen und einordnen, aber wir können und vor allem müssen es nicht immer. Wenn ich genauer hinschaue, kann ich scheinbare Widersprüche in mir und anderen nachvollziehen. Aber hier ist der Punkt: Wir schauen nicht immer genauer hin. Aber wie schnell sind wir dennoch dabei, zu bewerten?

Halte Spannungen aus, wenn du sie nicht verstehst. Und gehe ihnen auf den Grund, wenn du sie verstehen möchtest! Denn es macht Spaß. Es ist spannend.

Erlebst du dich selbst auch manchmal als widersprüchlich? Wie geht es dir, wenn Menschen in deiner Umgebung sich gegensätzlich verhalten? Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören!

Constanze 

 

 

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Gedanken

Ein „unmelancholischer“ Start

Soeben habe ich bei Spotify „meinen Jahresrückblick 2017“ eingeschaltet und mich mit Kopfschmerzen und Laptop auf unser Sofa gesetzt. Nein, einen Kater habe ich nicht – nur absoluten Schlafmangel! Und dennoch bin ich glücklich und inspiriert zum Schreiben. Und während ich das schreibe läuft im Hintergrund „I’m wiser from the mess you made…“ Irgend so ein Abrechnungs-Lied, was wohl eher wegen der Melodie als wegen des Textes in dieser Playlist gelandet ist. Und dennoch: Auch ich fühle mich ein wenig weiser. 2017 hat mich geformt und mir zu Klarheit in vielerlei Hinsicht verholfen. Glücklich bin ich aber nicht nur, weil ich voller Zuversicht auf 2018 schaue, sondern weil unsere Wohnung sich durch unsere gestrige kleine Silvesterfeier nun endlich eingeweiht anfühlt und ich spüre, dass auch im bisher recht kahlen Wohnzimmer etwas mehr Leben herrscht.

Ich bin nicht wirklich der geborene „Party-Schmeißer“. Ich mache mir vorher zu viele Gedanken, habe kein hochtalentiertes Händchen für Essen oder Deko und frage mich zu oft, ob auch alle Gäste glücklich sein werden. Umso glücklicher war ich, dass mein Mann und zwei Freunde bei den Vorbereitungen kräftig angepackt und unsere frisch bezogene Wohnung in etwas verwandelt haben, dass sich gemütlich und einladend anfühlt. Trotz dessen dass ich mich nicht als der geborene Gastgeber fühle, kann ich es nicht lassen, hin und wieder Freunde einzuladen. Ich mag Menschen einfach zu sehr und ich mag es, sie glücklich zu machen. Wenn eine Feier dann läuft, habe ich merkwürdigerweise hin und wieder Lust, einfach an den Rand zu gehen und zuzuschauen. Aber nein, dabei blieb es gestern Abend zum Glück nicht! Wir haben leckere Burger gegessen, eigens ausgedachte kommunikative Einschätzungsspiele gespielt (Wer liebt Kommunikationsspiele genauso wie ich??), mit viel „Oooooh“ und „Ahhhh“ und „Schau mal, daaa!“ Feuerwerk bewundert und uns Planking-Duelle geliefert. (Ich hätte fast, wirklich fast, gegen meinen Mann gewonnen!). Und ich habe gelernt, wie man ordentliche Liegestütze macht. Mach dich gefasst, 2018!

Außerdem haben wir genau das ein wenig getan, über was ich in meinem letzten Blog-Beitrag geschrieben habe: reflektiert und vorausgeschaut.

 

 

Meine beste Freundin und ich sind dabei zu einer interessanten Feststellung gelangt: Noch nie waren wir so „un-melancholisch“ am Jahresende. Noch nie haben wir so bereitwillig das vergangene Jahr abgeschlossen und auf das nächste geschaut. Wir hingen nicht an etwas im vergangen Jahr, von dem wir nicht loslassen konnten. Wir schauten gespannt auf das Kommende. Ich bin gern hin und wieder ein melancholischer Mensch. Doch das hat sich gut angefühlt!

2018. Ich muss zugeben, ich habe nun doch einen kleinen inoffiziellen Vorsatz: Liegestütze lernen. Aber was alles andere angeht heißt es wie letztes Jahr: Dranbleiben. Weitermachen. Schauen, was kommt. Bereit sein. Suchend. Und in allem: Vertrauend auf Gott. Vertrauen, dass alles seine Zeit hat und dass ich nicht immer im Vorhinein wissen muss, was genau das bedeutet.

Kennt ihr das? Die ersten Monate eines Jahres sind häufig von einer gewissen Trägheit erfüllt. Oft schon hatte ich das Gefühl, nach Silvester erst einmal wieder „reinkommen“ zu müssen. Reinzukommen ins Leben – auszuloten, was eigentlich los ist und ansteht. Meist geht das schon am 01.01. los. Man schläft aus, räumt den Müll vom letzten Abend weg, ist müde, … Und genau das trifft auch heute auf mich zu. Doch nachdem ich eine Weile im Bett gelegen und irgend eine Serie geschaut habe, weil ich zu müde für lebendigere Aktivitäten war, stand ich auf, schnappte mir die Unterlagen von meinem anstehenden Fernkurs, den Laptop, ein Glas Wasser und setzte mich ins Wohnzimmer. Ich wusste nicht so genau, was ich machen wollte, aber ich wusste eins: Dieser Tag ist genauso wertvoll wie jeder andere und ich wollte, dass er zumindest ein wenig von dem gezeichnet sein würde, auf was ich mich im neuen Jahr freute.

Also sitze ich hier und schreibe. Und vielleicht gibt es gleich noch einen weiteren Neujahres-Burger.

Und wie startest du in das neue Jahr?

Constanze

(Photo by Brooke Lark)