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Wie geht es weiter nach dem Aussortieren? – Minimalismus #3

Noch nicht genug vom Thema Minimalismus? Sehr gut! Denn heute folgt Beitrag Nr. 3, mit dem ich diese Minimalismus-Reihe vorerst beschließen möchte. (Falls du die ersten beiden Beiträge verpasst hast, kannst du sie hier und hier nachlesen.)

Bisher habe ich bei all meinen Tipps zum Thema Aussortieren eine Frage völlig außer Acht gelassen: Wohin mit den aussortieren Dingen? Da gibt es natürlich verschiedene Optionen. Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat besondere Priorität für mich – was ich nicht gebrauchen kann, dient vielleicht noch jemand anderem, der es sich demzufolge nicht neu anschaffen muss. Mittlerweile lege ich darum während des Aussortierens verschiedene Stapel für verschiedene Kategorien an. Dies sind meine drei Hauptkategorien:

  • Zu verschenken!

Wenn andere etwas gebrauchen können, was ich nicht mehr brauche, profitieren einfach alle. Deswegen mache ich bereits beim Aussortieren einzelne Stapel für verschiedene Freunde und Familienmitglieder, von denen ich glaube, dass sie an bestimmten Dingen interessiert sein könnten. Mir hat es sehr geholfen, dies tatsächlich direkt nach Personen zu sortieren. Wenn ich alles nur auf einen Haufen werfe und denke: „Ich könnte dann ja mal ein paar Leute fragen…“ dauert es lange, bis ich das tatsächlich mache. Wenn ich jedoch bereits einen Stapel für eine bestimmte Person parat habe, bin ich motivierter die Sache anzugehen und dieser Person zum Beispiel Bilder von den Gegenständen zu schicken.

Natürlich habe ich nicht für alles eine bestimmte Person im Kopf – deswegen verschenke ich auch gern an „irgendjemanden“. Viele nutzen dafür die Verschenks-Gruppen bei facebook. Eine andere Möglichkeit sind für alle zugängliche Verschenks-Regale, die in einigen Städten schon sehr etabliert sind. Dort kann jeder Dinge hineinlegen oder herausnehmen, der daran vorbeigeht.  Meine Schwester hat mir außerdem von Bücher-Regalen im Zug erzählt, die genauso funktionieren: Bücher können von jedem hineingelegt und herausgenommen werden. Sehr attraktiv ist für mich in letzter Zeit schlicht die Straße vor unserem Haus geworden. Schon häufig war mir aufgefallen, dass Leute dort Kisten mit verschiedenstem Inhalt samt eines Zettels „Zu verschenken!“ vor die Haustür stellten. Ich war erst unsicher, ob das wirklich funktionieren würde, aber mittlerweile bin ich auf diese Weise bereits drei kleine Kisten voll losgeworden – und das rasant schnell! Oft unterschätze ich, wie sehr andere Leute sich an etwas freuen können, woran ich selbst keine Freude mehr habe.

  • Zu verkaufen!

Ich persönliche tue mich mit dem Verkaufen etwas schwer. Die meisten meiner aussortieren Dinge haben keinen besonders hohen monetären Wert mehr und der Aufwand, sie zu verkaufen, ist oft höher als der Gewinn, den ich dadurch machen würde. Dennoch ist durch einen Verkauf sichergestellt, dass die andere Person wirklich Interesse an meinem Gegenstand hat und er nicht gleich wieder in den Müll wandert. Momentan versuche ich, ein paar Kleider und Bücher zu verkaufen, die noch wirklich gut in Schuss sind und deren Einkaufspreis nicht gering war. Auch hierfür gibt es (neben „richtigen“ Flohmärkten) zahlreiche Möglichkeiten im Internet. Für Kleidung ist der „Kleiderkreisel“, eine Online-Flohmarkt-Tausch-Börse eine schöne Möglichkeit. Auch für den Verkauf gibt es facebook-Gruppen in vielen Städten. Bücher, die man während des Studiums benötigt hat, lassen sich auch gut über Uni-facebook-Gruppen an den nächsten Studenten verkaufen. Ebay Kleinanzeigen ist natürlich auch eine gute Anlaufstelle. Für Bücher und DVDs gibt es außerdem Seiten wie „booklooker“ oder „momox“. Ich kann noch nicht wirklich aus Erfahrung sprechen, was diese verschiedenen Möglichkeiten angeht. Ich merke jedoch, dass ich mich auf eine bestimmte Anzahl von Internetseiten beschränken muss, um nicht den Überblick zu verlieren und mich nicht zu überfordern.

  • Wegschmeißen!

Etwas wegzuschmeißen sollte die letzte Alternative sein. Prüfe lieber erst, ob du Dinge verschenken kannst, bevor du sie wegschmeißt. Wenn du jedoch festgestellt hast, dass ein Gegenstand höchstwahrscheinlich niemandem mehr nutzen wird, zögere nicht, ihn in den Mülleimer zu befördern. Es kommt dir vielleicht verschwenderisch vor, öffnet dir allerdings auch die Augen dafür, was du wirklich brauchst und was nicht. Dies wiederum schärft dein Bewusstsein für neue Anschaffungen. Da man dieses „verschwenderische Gefühl“ beim Wegschmeißen als negativ empfindet, wird man bei weiteren Anschaffungen höchstwahrscheinlich bewusster handeln und so einkaufen, dass man möglichst wenig wieder wegschmeißen muss.

Papierkram ist bei mir zu einem sehr hohen Anteil in die blaue Tonne gewandert – über möglichen weiteren Gebrauch musste ich nicht sehr lang nachdenken. Es ist wirklich erschütternd, wie viel Papier für eine nur sehr kurze Nutz-Zeit verschwendet wird. Das lässt mich mittlerweile lieber zwei Mal darüber nachdenken, ob ich etwas ausdrucken muss oder nicht.

All solche Gedanken führen mich dazu, dass ich in Zukunft bewusster einkaufen, konsumieren und Anschaffungen tätigen möchte. Dabei habe ich verstärkt zwei Kriterien im Kopf: 1. Wie viel neuen Müll produziere ich durch meinen Einkauf? 2. Wie lange werde ich den erworbenen Gegenstand nutzen?

Die Länge der Nutzung ist nicht unbedingt ein Kriterium für Nahrungsmittel – die verschwinden natürlich relativ schnell in meinem Mund. 😉 Ich achte jedoch unter anderem verstärkt auf unnötige Müllproduktion. Folgende Punkte kann wirklich jeder sofort versuchen:

  • Kaufe nur das, was du auch isst! Immer mal wieder passiert es mir, dass ich Dinge in den Einkaufswagen befördere, die ich gern einmal ausprobieren möchte, dann jedoch enttäuscht bin und die Packung nicht leere. Deswegen denke ich mittlerweile über solche „Experimente“ vorher sehr gründlich nach und kaufe größtenteils Nahrungsmittel, über die ich gut Bescheid weiß.
  • Versuche, Plastik zu vermeiden. Plastik komplett zu vermeiden ist bei Nahrungsmitteln (leider) wirklich schwer. Doch jeder kann einen Anfang machen! Gemüse und Obst muss zum Beispiel nicht unbedingt in eine Tüte. Tüten können außerdem mehrfach verwendet werden! In manchen Städen gibt es sogar bereits sogenannte „Unverpackt“-Läden.
  • Verzichte auf to-go-Becher und ähnliches. Ja, ich weiß, dass es „cool“ ist mit einem Kaffee-to-go durch die Gegend zu laufen. 🙂 Doch das geht auch mit einem selbst mitgebrachten Becher! Außerdem versuche ich, weitestgehend auf anderes to-go-Verpackungsmaterial zu verzichten. Muss beispielsweise der eingepackte Döner oder die Packung Pommes unbedingt zusätzlich in eine Tüte?

Kriterium Nummer 2 habe ich bei allen Anschaffungen im Kopf, die nichts mit Nahrungsmitteln zu tun habe, wie zum Beispiel bei Klamotten oder Möbeln. Ich überlege mir beim Einkauf folgende Dinge:

  • Kaufe ich mir diese Sache nur, weil sie momentan im Trend ist oder würde ich sie theoretisch auch noch in 10 Jahren nutzen? Ich kaufe eigentlich nichts mehr, nur weil es gerade „in“ ist. Mittlerweile weiß ich, dass ich es früher oder später wieder aussortieren würde. Es lohnt sich also nicht. Und ja, es gibt tatsächlich Klamotten, die zeitlos und trotzdem schön und modern sind! Hierfür kann ich zum Beispiel die Marke „armedangels“ empfehlen, die zudem fair produziert.
  • Lohnt es sich, etwas tiefer in die Tasche zu greifen für etwas, das von besserer Qualität ist und somit länger hält? Meine Antwort darauf ist häufig „ja“. Doch aufgepasst: Nur weil eine Marke teuer ist, heißt das nicht automatisch, dass sie gute Qualität produziert – dies trifft auch bei Lebensmitteln nicht immer zu. Schau genau hin!
  • Lohnt es sich, etwas tiefer in die Tasche zu greifen für etwas, das fair produziert wird? Definitiv „ja“. Meist geht das auch noch mit guter Qualität einher. Ich kaufe lieber einen guten Pullover, der fair produziert wurde und trage ihn viele Jahre den halben Winter lang als drei billige, die es nicht bis zum nächsten Winter überleben.
  • Du musst jedoch nicht immer teuer einkaufen – ganz im Gegenteil! Im Sinne des Recyclings versuche ich nicht nur Dinge an andere Leute loszuwerden, sondern auch selbst Gebrauchtes von anderen zu erwerben, zum Beispiel auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Läden. Bei ebay Kleinanzeigen stehen eine Menge Möbel zum Verkauf, die noch gut in Schuss sind und für einen fairen oder verhandelbaren Preis angeboten werden. Mir gefällt außerdem der Gedanke, dass diese Gegenstände bereits eine „Geschichte“ haben. Erst vor kurzem habe ich außerdem zwei alte Bilderrahmen aus einer Verschenks-Kiste in unserer Straße mitgenommen, die perfekt zu einem anderen Deko-Gegenstand von mir passen. So leicht kann es gehen! Diese Variante ist vor allem dann ideal, wenn du ein bisschen auf „vintage“ und „retro“ stehst. 🙂 Mit Freundinnen veranstalte ich außerdem hin und wieder eine „Kleidertauschparty“: Jeder bringt Klamotten mit, die man nicht mehr tragen möchte und es wird fleißig verschenkt und getauscht. So ergibt sich ein tolles Geben und Nehmen. Wir können viel mehr voneinander profitieren, als wir manchmal glauben! Es muss nicht immer alles neu sein.

Alles in allem kaufe ich weniger ein. Und wenn ich etwas einkaufe, überlege ich es mir genau. Dann gebe ich auch manchmal etwas mehr aus, nutze den Gegenstand jedoch mit viel Freude und lange. Oder ich gebe sehr wenig aus und habe einen Gegenstand mit Geschichte, der dafür nicht in den Müll wandern musste und somit eine zweite Chance erhält. Meine finanzielle Situation ändert sich dadurch nicht sonderlich. (Ich war jedoch auch schon vorher recht sparsam – manch einer macht dadurch bestimmter sogar Gewinn!)

Du hast sicherlich bemerkt, dass am Thema Minimalismus viel mehr dran hängt als das reine Aussortieren. Es ist ein Lebensstil, der mit einer neuen Herangehensweise an viele Lebensbereiche verbunden ist. Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig dazu anstecken, das ein oder andere auszuprobieren und würde mich freuen, von deinen Erfahrungen zu hören. Lass es mich auch wissen, wenn dich eines der „angerissenen“ Themen noch vertiefter interessieren würde!

Constanze

(Photo by Bench Accounting)

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Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Aussortieren leicht(er) gemacht – Minimalismus #2

In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich davon erzählt, wie ich mich vom Trend des „Minimalismus'“ anstecken ließ. Weniger zu besitzen, bewusster zu konsumieren, insgesamt nachhaltiger zu denken – diese Ideen begeistern mich. Doch es soll nicht nur bei Ideen bleiben, ich möchte Praxis folgen lassen! Grundsätzlich hat es für mich zwei verschieden Folgen: 1. Weniger bzw. bewusster einzukaufen und 2. Besitz, den ich nicht brauche oder der mir keine Freude mehr bereitet, auzussortieren.

In diesem Beitrag soll es um Punkt 2 gehen – nicht etwa, weil der erste weniger wichtig wäre. Sondern weil die Umsetzung des zweiten einen gute Ausgangslage gewährt, von der aus du womöglich noch motivierter Punkt 1 angehen kannst. Vielleicht habe ich dich im letzten Beitrag ein wenig für einen minimalistischen Lebensstil begeistern können. Aber so richtig aussortieren? Das fällt oft schwer. Sich von Gegenständen trennen, die schon jahrelang Teil der Wohnung sind… Wo soll man anfangen? Was ist mit all den Erinnerungen? Vielleicht brauch ich dies oder jenes doch noch irgendwann! Um dir bei diesen Fragen ein wenig zu helfen, habe ich in vier Punkten ein paar Tipps zusammengefasst, die ich mir selbst immer wieder beim Aussortieren gebe. Inspiriert dazu wurde ich unter anderem von der YouTuberin ItsColeslaw und der Zeitschrift flow (Nummer 27). Den Anstoß zum praktischen Umsetzen des Minimalismus‘ gab mir außerdem die amerikanische Dokumentation „minimalism“, welche bei netflix zu finden ist.

1.) Zuerst einmal halte ich es für wichtig, folgendes zu verinnerlichen: Es geht nicht darum, so viel möglich loszuwerden, sondern bewusst auszuwählen, was du brauchst. Das mag paradox klingen, da es beim Minimalismus ja darum geht, wenig zu besitzen. Es geht jedoch nicht um einen Wettkampf im Sinne von: „Wer es schafft, sich von so viel Besitz wie möglich zu trennen, hat gewonnen.“  Vielmehr geht es darum, genau das zu besitzen, was du brauchst. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deswegen wird auch jeder unterschiedlich viel aussortieren. Manche Minimalisten benötigen gar keine Dekoration mehr, anderen wäre das zu kahl. Minimalistisch ist es, wenn du keine Dekoration besitzt, die du eigentlich nicht magst oder dir in irgendeiner Weise ein schlechtes, „überfülltes“ Gefühl vermittelt. Statt zu beginnen, in dem du nach Dingen Ausschau hältst, die du loswerden kannst, ist deshalb folgende Herangehensweise sinnvoller: Nimm dir einen Bereich vor, zum Beispiel Kleidung. Dann nimmst du deine komplette Kleidung und legst sie auf einen Haufen. Nun suchst du die Teile aus, die du behalten möchtest! Das ist eine viel positivere Herangehensweise und hat bei mir zudem den Effekt, dass ich sogar noch mehr aussortiere.

2.) Gehe Stück für Stück vor! Vielleicht hast du bemerkt, dass deine Wohnung tatsächlich total überfüllt ist und beginnst, wahllos auszusortieren – das kann ich gut verstehen. Besser ist es jedoch, wenn du dir zu erst einmal einen Bereich vornimmst und dich dann langsam vorarbeitest. Das kann und darf lange dauern und wird dich nicht all zu sehr überfordern. Folgende Bereiche kann es zum Beispiel geben: Klamotten, Bücher, CD’s, DVD’s, Kosmetikartikel, Geschirr/Küchengeräte, Briefe/Karten, Dekoration, …

3.) In den letzten Tagen hat mich besonders eine Regel immer wieder entlarvt: Die sogenannte „Vielleicht-Regel“. Ich muss zugeben, die ist wirklich etwas radikal. Aber meist weist sie auf genau die Gegenstände hin, von denen man jahrelang glaubte, sie noch gebrauchen zu können – es aber nie dazu kam. Lina Jachmann schreibt dazu in der flow: „Wenn man sich auf einen Gegenstand konzentriert, merkt man sofort, ob diese Hose oder dieser Spiegel zu den ‚Glücklichmachern‘ gehört. Bei manchen Dingen regt sich ein ‚Vielleicht‘. Diese Besitztümer, die man möglicherweise noch gebrauchen kann, die eigentlich ganz hübsch sind oder aber viel Geld gekostet haben, gehören laut Marie Kondo zu denen, die wir aussortieren können.“ Marie Kondo selbst schreibt dazu: „Wir wollen doch keine Vielleicht-Leben führen.“ Dieser Satz schlug bei mir ein. Denn es stimmt, ich möchte mich nicht auf Dinge konzentrieren, die vielleicht wesentlich für mich sein könnten. Wenn ich diese Dinge aufhebe, verliere ich den Blick für das Wichtige, für das wirklich Schöne. Unsere äußere Umgebung hat eine Wirkung auf unser Leben, auf unser Inneres. Deswegen sollten wir auch im Äußeren sorgfältig auswählen. Wenn du dir dennoch unsicher bist, empfehle ich dir folgende Vorgehensweise: Gib deinem Vielleicht-Gegenstand noch eine Chance, indem du ihm einen Platz gibst, an dem er greifbar ist und du ihn immer mal wieder siehst. Früher oder später wirst du merken, ob du ihn noch gebrauchen kannst oder schön findest – nämlich dann, wenn du ihn doch benutzt oder wenn du dich jedes Mal freust, wenn du ihn siehst. Wenn er dich jedoch bald nervt oder nur sinnlos herumsteht, ist er es wohl eher nicht wert.

4.) Mein vierter Hinweis bezieht sich auf eine bestimmte Art von Dingen, nämlich auf all jene, die mit Erinnerungen verknüpft sind. Die bereiten mir oft besonders viel Kopfzerbrechen. Bin ich emotional bereit, diesen Gegenstand loszulassen? Werde ich das irgendwann bereuen? Ich möchte mich definitiv nicht pauschal gegen Erinnerungs-Objekte aussprechen. Mein persönliches Problem ist allerdings, dass ich früher fast alles aufgehoben habe, wenn es mit einem Erlebnis oder einer Person verknüpft war. Vom Papierschiffchen, das mir jemand gebastelt hat, in den ich verknallt war, über Steine und Programmzettel bis zu T-Shirts, Deko, Büchern… Ich habe diese Dinge nicht aufgehoben, weil ich sie so schön fand, sondern nur, weil eine Erinnerung daran hing. Wenn ich weiter so verfahren würde, würde unsere Wohnung irgendwann aus allen Nähten platzen.

Da mir dennoch einige Erinnerungs-Objekte wichtig sind, habe ich für mich persönlich zwei Regeln aufgestellt. 1. Die Erinnerungen müssen alle in eine Kiste passen – meine „Erinnerungskiste“. Dort sind sie gebündelt, ich verliere nicht den Überblick und wenn die Kiste zu voll wird, bin ich gezwungen, den ein oder anderen Gegenstand noch einmal zu überdenken. Wenn ich mich erinnern möchte, kann ich die Kiste hervorholen, durchstöbern und danach wieder zurück in die Kammer stellen. 2. Der Erinnerungsgegenstand muss mir ein positives Gefühl vermitteln. Kein negatives, kein neutrales (bedenke die Vielleicht-Regel), sondern wirklich ein positives! Vor kurzem bin ich verschiedene „Papier-Erinnerungen“, wie Gedichte oder Briefe, durchgegangen. Es war sehr befreiend, all jene in den Papierkorb zu werfen, die Erinnerungen an Zeiten hervorriefen, mit denen ich eigentlich abgeschlossen hatte und dabei laut „Let it goooo!“ zu rufen. (Ja, das habe ich wirklich getan.)

Und auch bei den positiven Erinnerungs-Objekten geht es oft gar nicht um den Gegenstand an sich, sondern lediglich um die Erinnerung, die daran hängt. In solchen Fällen reicht es vielleicht sogar, ein Foto von dir mit dem Objekt zu machen und dieses Foto statt den Gegenstand zu behalten. Wenn du dir das Foto anschaust, kannst du dich trotzdem noch erinnern.

Gut, nun hast du vier Tipps, die du im Hinterkopf behalten kannst, um die Sache anzugehen. Aber wo nun anfangen? Hier folgen deshalb noch vier Bereiche, in denen es sich aus meiner (zugegebenermaßen weiblichen) Sicht leicht starten lässt:

1.) Kosmetikartikel: Mal im Ernst – trägst du wirklich noch den blauen Lidschatten, den du dir als Teenager gekauft hast? Benutzt du alle sechs Mascaras, von denen vier sicherlich schon ausgetrocknet sind? Und was ist mit den verschiedenen Cremes, die du ausgetestet hast, um die eine perfekte zu finden? Wie wäre es, einfach nur diese eine aufzuheben, die du sowieso jeden Tag verwendest? Kaum etwas fiel mir so leicht wie das Aussortieren von Schminke und Co. Hier kam besonders die „Vielleicht-Regel“ zum tragen: „Vielleicht trage ich ja doch noch einmal irgendwann diesen Lidschatten oder diesen Lippenstift…“ Nein. Wenn ich es in den letzten Jahren nicht getan habe, werde ich es zukünftig auch nicht tun. Und wenn ich den Duft dieser Creme jetzt nicht mag, werde ich ihn später auch nicht mögen. Wie schön ist es, wenn alle Schminkartikel in einen Behälter passen und ich einfach sofort weiß, nach welcher Mascara ich greifen muss.

3.) Klamotten: Dazu habe ich bereits hier ein paar Gedanken geteilt. Ich denke, dass es recht leicht ist herauszufinden, welche Klamotten du wirklich magst und welche sich aussortieren lassen. Es ist nämlich so: Du magst die Klamotten wirklich, die du immer wieder trägst! Einfach, oder? Warum also die anderen aufheben? Oh ja, ich kenne die Stimme im Kopf, die laut protestieren möchtet: „Ich brauche doch die Auswahl!“ Ja, du brauchst eine kleine Auswahl an Sachen, die du wirklich magst. Denn das ist wirklich eine Auswahl. Es ist keine Auswahl, wenn du immer wieder Sachen in die Hand nimmst, kurz betrachtest und dann doch wieder zu einem deiner Lieblingsoberteile greifst. Es reicht tatsächlich, Lieblings-Kleidung zu besitzen. 🙂 Sicher, schicke Kleider zum Beispiel benötigten die meisten eher selten und doch ist es gut, für besondere Anlässe welche parat zu haben. Ich persönlich habe meinen Besitz auf drei reduziert, so kann ich dennoch variieren. Von vielen Kleider konnte ich mich lange nicht trennen, weil ich glaubte, dass sei regelrecht „Verrat“ an diesen guten Kleidern. Ein nochmaliges Anprobieren hat mir jedoch schnell gezeigt, dass sie nicht mehr in mein Leben gehören. Der eigene Stil kann sich ändern! Früher habe ich zum Beispiel noch nicht so sehr auf zeitlose Mode gesetzt. Das rot-glitzernde Kleid passt da leider nicht mehr rein…

2.) Küche: Wer kennt es nicht – die über die Jahre angesammelten Tassen, die den Küchenschrank fast platzen lassen! Doch sind es bei dir auch nur diese zwei, drei Tassen, aus denen du immer trinkst? Die anderen sind meist nur Lückenfüller. Klar, ein paar mehr für Gäste müssen schon sein. Deswegen haben mein Mann und ich zwei zusammenhängende Sets aufgehoben. Aber von den restlichen Tassen, die sich so „ansammeln“, besitzen wir jetzt nur noch die, aus denen wir wirklich gern trinken. Je nachdem, wie „koch- und backaktiv“ du bist, bist du natürlich auf unterschiedliche sonstige Küchenutensilien angewiesen. Doch brauchst du wirklich jede Schüssel, jede Dose? Jedes Förmchen, jedes stumpfe Messer? Ein etwas tieferer Blick in die Küchenschränke lohnt sich sicher.

3.) Papierkram: Besitzt du auch noch die alten Weihnachtskarten von vor zehn Jahren? Sammelst du jede CityCard ein, die du lustig findest? Stapeln sich Kassenzettel von Dingen, deren Garantie schon längst abgelaufen ist? Und was ist mit dem Mietvertrag von deinem Studentenzimmer von vor fünf Jahren oder anderen „wichtigen“ Dokumenten, die irgendwann mal wichtig waren, aber jetzt eigentlich nicht mehr? Jap, ich bin schuldig bei all diesen Dingen. Und jetzt denkst du vielleicht: Dokumente wegschmeißen, das geht doch nicht! Natürlich, du musst ganz genau prüfen, was du wegschmeißen kannst und was nicht. Aber sicherlich musst du nicht jede alte Rechnung aufheben, nicht jeden alten Lebenslauf, nicht jede Postkarte. Hebe nur das auf, was du wirklich noch brauchst und schaffe dir ein gutes Ordnungssystem!

Wenn du die Bereiche in Angriff genommen hast, die dir leicht fallen, bist du gut gewappnet für die schweren Gebiete, welche auch immer das für dich sind: Bücher oder DVD’s, CD’s? Dekoration, Möbel? Übrigens: Ich selbst halte mich auch noch nicht konsequent an meine eigenen Tipps, aber das ist okay. Zu „minimieren“ ist ein Prozess (der übrigens Spaß macht!). Ich muss nicht von heute auf morgen eine perfekt „minimalistisch“ eingerichtete Wohnung haben.

Lass es mich wissen, wenn dir einer dieser Tipps geholfen hat! Im nächsten Beitrag dieser Reihe geht es um die Frage: „Wohin mit dem Aussortierten?“. Ich werde außerdem noch ein wenig auf Punkt Nr. 1 vom Anfang dieses Beitrags eingehen. Bis dahin viel Freude beim Aussortieren!

Constanze

(Photo by BRUNO CERVERA)
Veröffentlicht in Gedanken, Lifestyle, Persönlichkeit

Wie ich das Motto „Less is more“ für mich entdeckte – Minimalismus #1

In den letzten Tagen ist es normal geworden, dass ich mit irgendeinem Gegenstand in der Hand am Schreibtisch meines Mannes auftauche und frage: „Also, Schatz, wenn du mal gaaaanz ehrlich zu dir selbst bist – das brauchst du doch nicht mehr, oder?“

Ja, das hat viel damit zu tun, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft wieder umziehen. Als Kind habe ich mir Umziehen immer sehr aufregend vorgestellt. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht nur aufregend ist, sondern  vor allem Nerven aufreibend. Und doch bietet jeder Umzug etwas Positives, dass ich nicht missen möchte: einen Neuanfang. Bisher verbinde ich jedes WG-Zimmer oder jede Wohnung, in der ich gelebt habe, mit einem ganz bestimmten Lebensgefühl. Sie alle waren Teil verschiedener Phasen meines Lebens. Und so erhoffe ich mir auch von der nächsten Wohnung den Start in eine neue Phase und ein Stück weit in ein neues Lebensgefühl. Und das führt mich zurück zu meiner Ausgangssituation.

Denn nein, ich möchte es nicht nur vermeiden, über die Jahre hinweg angesammelten Müll mit in die nächste Wohnung zu transportieren. Ich möchte mehr. Beziehungsweise weniger. Ich möchte mehr „weniger“. Verwirrt? Lass es mich erklären.

Mich hat es gepackt: der Gedanke des sogenannten „Minimalismus‘“. Ich weiß nicht, ob es eine einheitliche Definition vom Lebensstil „Minimalismus“ gibt. Ich habe auch noch kein Buch darüber gelesen. Aber nach meiner Recherche in Zeitschriften und Internet geht es um folgendes: Nur solche Dinge zu besitzen, die wirklich eine Bereicherung für das eigene Leben sind und einem Freude bereiten. Dies hat meist zur Folge, erst einmal ordentlich auszusortieren. Und demzufolge zukünftig auch nur noch solche Dinge anzuschaffen, die diesem Kriterium entsprechen. Es geht darum, einen bewussten Umgang mit allem zu pflegen: mit Klamotten, mit Essen, mit Möbeln, … mit dem Leben an sich. Weg von Konsum ohne Ende und hin zu bewusstem Auswählen. Weg von massenhafter Müllproduktion und hin zu nachhaltigen Anschaffungen. Weg von Reizüberflutung in der eigenen Wohnung und hin zu dem Gefühl, „wieder atmen“ zu können. Es ist ein Gedanke von Nachhaltigkeit und einem bewussten Leben, ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr. Seit einem Monat etwa hat mich dieses Motto gefesselt und unser anstehender Umzug gibt mir die perfekte Möglichkeit, es praktisch umzusetzen.

Doch es geht nicht nur ums Ausmisten – dahinter steckt ein Lebenseinstellung, die mehr ist als nur ein Trend. Umso mehr ich mich mit der Thematik beschäftigte, umso mehr wurde mir bewusst, dass ich mit dieser Lebenseinstellung schon immer unbewusst sympathisiert hatte. Nur irgendwie war sie vom Lärm und Druck der Gesellschaft überlagert wurden…

Als ich ungefähr 10 Jahre alt war, begann ich den für mich damals signifikanten „Schlabber-Look“, welcher lediglich aus einfarbigen „Schlabber-T-Shirts“ (und natürlich irgendeiner Hose) bestand. T-Shirts, die überhaupt nicht figurbetont waren und genau genommen auch etwas zu groß. T-Shirts, die es im Fünfer-Pack im Kaufland zu kaufen gab. Ich wollte wirklich, soweit es sich vermeiden ließ, nichts anderes tragen! Die große Frage ist: Warum? An meine genauen Beweggründe kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich glaube im Endeffekt ging es darum, dass ich bemerkte, dass ein Großteil meiner Umgebung anfing, mit irgendeiner Mode mitzugehen. Ich bemerkte, dass man theoretisch eine Riesenauswahl an Klamotten und Trends hatte. Und darauf hatte ich keine Lust. Warum sollte ich es mir schwer machen, wenn ich es auch leicht haben konnte? Einfach jeden Tag ein T-Shirt vom Stapel nehmen und wissen, woran man ist. Gar nicht erst anfangen, sich irgendwelche Gedanken über Mode zu machen, die sich sowieso immer wieder ändert.

Einige Jahre nach dieser Phase war es mir eher peinlich, dass ich mich in dieser Phase befunden hatte. Heute schau ich zurück und bin ein wenig stolz auf mich. Denn damals war es mir noch egal, was andere dachten. Ich wollte mir mein Leben nicht mit Klamotten verkomplizieren. Weniger war für mich mehr. Natürlich konnte auch ich als Teenager dem Druck der Mode nicht so ganz standhalten. Ich beendete meine Schlabber-Look-Zeit und versuchte irgendwie, hip auszusehen. Doch das gelang mir lange Zeit nicht wirklich und ich weiß noch, wie viele gedanklichen Kämpfe ich mit mir selbst darüber ausfocht, ob ich mit der Mode mitgehen wollte oder ob ich Shoppen „aus Spaß“ eigentlich komisch fand.

Als Jugendliche lebte ich nicht wirklich minimalistisch. Zwar bin ich nie massenhaft shoppen gegangen, besaß nie zwanzig verschiedene Labellos (ja, das war normal in meiner Jugendzeit) oder Unmengen an CD’s und DVD’s. Dennoch freute ich mich über alles, was dazukam und dachte unbewusst, dass jeder Gegenstand automatisch eine Bereicherung für mein Leben sein würde. Ganz nach dem Prinzip: Mehr ist besser. Das vermittelt unsere Gesellschaft uns schließlich, oder?

In den letzten Jahren veränderte sich einiges in meinem Leben. Neben offensichtlichen äußerlichen Veränderungen hinterfragte ich auch noch einmal ordentlich meine Persönlichkeit, meine Ziele, meine Herangehensweise ans Leben so an sich, meinen Glauben. Neben vielen anderen Erkenntnissen wurde mir immer bewusster, dass ich mich „reizüberflutet“ fühlte. Ich hatte das Gefühl, dass es zu viele verschiedene Bereiche in meinem Leben gab. Zu viele verschiedene Hobbys, denen ich mich nicht mit aller Kraft widmen konnte. Zu viele Freundschaften, in die ich nicht gleichermaßen investieren konnte. Zu viel What’s App, zu viele E-Mails. Zu viele Erwartungen anderer. Zu viel Gesellschaftsdruck. Zu viele Möglichkeiten. Zu viele Kisten auf meinem Kleiderschrank, von denen ich nicht wusste, was überhaupt darin war. Zu viel kitschbunter Schmuck, den ich nicht mehr trug. Einfach zu viel von allem. Ich erkannte: Mehr ist nicht zwingend besser. Jedenfalls nicht für mich. Ich wollte wieder weniger.

Die Lösung dafür fand ich nicht so schnell. Lange Zeit verbrachte ich nur damit, das Problem in verschiedenen Bereichen meines Lebens zu erkennen – und das war wichtig. Einer der Punkte, an dem ich wusste, dass ich definitiv etwas ändern musste, war die Rückkehr aus unserem diesjährigen Urlaub. Nachdem wir eine Woche in einem schlichten, schicken Hotel verbracht hatten, fühlte sich unsere Wohnung zu Hause einfach nur überfüllt und chaotisch an und ich konnte nicht schlafen, bis ich kurzerhand ein paar Dinge aus dem Schlafzimmer verbannte. Zum ersten mal bemerkte ich wirklich, wie viel unnütze Gegenstände ich besaß.

Versteht mich nicht falsch: Minimalismus ist nicht die ultimative Antwort auf meine Probleme. Es ist nicht der eine Lebensstil, der mir alles leichter machen wird. Doch es ist ein Ansatz, der mir hilft, fokussiert zu bleiben und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dies soll der erste Beitrag einer Blog-Reihe zum Thema Minimalismus sein. In den kommen Beiträgen wirst du etwas mehr über meine praktische Herangehensweise erfahren und ich werde ein paar Tipps zum Aussortieren teilen. Doch mehr als das möchte ich dich ermutigen, dich für ein bewussteres Leben zu entscheiden. Hier folgen deshalb abschließend noch einmal zusammengefasst vier Aspekte, die mich von einem minimalistischen Lebensstil überzeugen:

  • Die Welt redet uns ein, dass wir viel besitzen müssen. Dass wir viel konsumieren müssen. Dass wir nur glücklich sein können, wenn wir viel besitzen. Und das ist kein Wunder – Firmen verdienen daran. Doch werde ich dadurch wirklich nachhaltig glücklich? Und will ich wirklich jeder Firma mein Geld hinterherwerfen? Jeder Firma, die ihre Angestellten schlecht bezahlt und ihre Produkte billig, ungesund oder umweltverschmutzend produziert? Nein, ich möchte bewusst gute Produkte auswählen. Und ja, Gutes hat seinen Preis. Demzufolge kann ich nicht mehr so viel kaufen, aber das brauche ich auch nicht, weil Gutes meist länger hält. Bewusst auszuwählen bedeutet, bewusst Gutes zu unterstützen. Weniger zu besitzen bedeutet, in dieses Wenige besser investieren zu können.
  • Ich persönlich kann mich nicht konzentrieren, wenn mein Zimmer voller Dinge ist, zu denen ich keine „Beziehung“ habe. Oft sind sie nur da, weil ich ein schlechtes Gewissen haben würde, wenn ich sie wegschmeißen oder verschenken würde. Doch will ich mir wirklich von Gegenständen ein schlechtes Gewissen einreden lassen? Also weg damit!
  • Weniger zu besitzen bedeutet für mich, mich besser auf die (nicht-gegenständlichen) Dinge konzentrieren zu können, die wirklich Wert haben. Ich erwähnte bereits, dass ich mich in vielen verschiedenen Bereichen reizüberflutet gefühlt habe, wie zum Beispiel bei Hobbys und in Beziehungen. In solchen Bereichen ist es nicht immer so leicht, Überforderungen vorzubeugen. Warum also nicht wenigstens dort reduzieren, wo Überforderung leicht reduziert werden kann?
  • Und letztendlich noch einmal ganz praktisch gedacht: Weniger zu besitzen bedeutet mehr Platz! Mehr Platz auf dem Schreibtisch, mehr Platz im Küchenschrank, mehr Platz im Regal… Irgendeiner dieser Orte platzt bestimmt auch bei dir aus allen Nähten. Und falls du dich auch in so einer Phase deines Lebens befindest, in der du immer mal wieder umziehen musst, erleichtert dich das Aussortieren eventuell um ein paar Kisten.

Was hältst du von einem minimalistischen Lebensstil? In welchen Bereichen fällt es dir persönlich schwer, dich von Gegenständen zu trennen? Schreib mir gern deine Gedanken dazu in die Kommentare!

Constanze

(Photo by Khai Sze Ong on Unsplash)

Veröffentlicht in Lifestyle

How to Bullet Journal (für „Schlichte“)

Es ist soweit! Nun gibt es auch auf meinem Blog einen Beitrag über das sogenannte „Bullet Journal“ – einer dieser Lifestyle-Trends, der mich zugegebenermaßen begeistert. Dieser Beitrag ist insbesondere für all die weniger malerisch Begabten, nicht so krassen Handlettering-Künstler und wenig-bis-kein-Washi-Tape-Besitzer. Wer das Prinzip des Bullet Journals kennt, weiß, dass es von vielen genutzt wird, um sich so richtig kreativ auszutoben – mit tollen Ergebnissen! Ich kenne jedoch meine Grenzen in diesem Bereich und finde dennoch, dass man das Bullet Journal auf schlichte Weise schön gestalten kann. Ich hoffe, mit diesem Beitrag den ein oder anderen anstecken zu können, der sich bisher noch nicht an diese neue Organisationsmethode getraut hat. 🙂

Was ist überhaupt ein Bullet Journal?

Ein Bullet Journal hat eigentlich gar nicht so viel mit Kreativität zu tun, sondern mit Effizienz. Es ist ein Organisations-Tool, das von Ryder Caroll erdacht wurde und auf dieser Website genauer erklärt wird. Im Prinzip geht es darum, sich selbst besser zu organisieren, indem man verschiedene Dinge in einem einzigen Notizbuch vereint. Und das so, dass es zu dir passt und individuell an dein Leben angepasst ist. Das Notizbuch vereint Kalender, Tagebuch, To-do-Listen und alles andere, was du normalerweise auf irgendwelche Klebezettel, in deine Handy-Notizen oder woanders hin kritzeln und dann nie wieder finden würdest. Genauso gut kannst du das Bullet Journal jedoch auch nur als Kalender oder nur für Listen nutzen – es ist ganz egal, da du nämlich mit einem leeren Notizbuch startest und es so füllst, wie du es brauchst. Schau einfach mal bei der Website vorbei oder klick ein paar YouTube-Tutorials durch, um einen genaueren Einblick in das Prinzip zu bekommen. In diesem Beitrag soll es vorrangig um die Art und Weise gehen, wie ich es praktiziere.

Viele Leute schrecken deshalb vor dem Bullet Journal zurück, weil alle Seiten selbst gestaltet werden müssen. Es sind nun mal keine Tabellen oder ähnliches vorgegeben, wie in einem normalen Kalender. Sicher, ein wenig Zeit muss also investiert werden – aber schwierig ist es nicht. Im Gegenteil, es ist sogar eine gute Art und Weise, um im Alltag zu entschleunigen, ein paar Minuten herunterzukommen und sich nur auf das Malen von ein paar Linien oder das Schreiben kurzer Notizen zu konzentrieren. Und selbst für kleine Verschönerungs-Elemente muss man kein großer Künstler sein!

Ich nutze mein Bullet Journal erst seit April und probiere somit noch einiges aus. Manche Dinge haben sich nicht als sinnvoll erwiesen, also habe ich sie wieder weggelassen oder angepasst. Das Tolle am Bullet Journal ist, dass du theoretisch jederzeit dein Konzept komplett umschmeißen kannst! Genauso kannst du auch eine Zeit lang dein Bullet Journal gar nicht benutzen und dann wieder loslegen, wenn es dir sinnvoll erscheint – und in diesem Fall hast du, wie es normalerweise bei einem Kalender wäre, keinen Platz verschwendet, denn du machst einfach auf der nächsten leeren Seite weiter. Beispielsweise mache ich mir normalerweise jede Woche eine Wochenübersicht, ähnlich wie in einem normalen Kalender. Wenn ich jedoch im Urlaub bin oder einfach nicht so viele Termine und To do’s anstehen, lass ich sie weg und notiere erst wieder die nächste Woche.

Fazit: Das Bullet Journal ist dafür da, der ideale, ganz persönliche Begleiter für dein Leben zu sein. 

Mein Bullet Journal

Mein Bullet Journal vereint Kalender, To-do-Listen für den Alltag, längerfristige To-do-Listen, andere Listen und verschiedene kleine Tagebuch-Elemente, wie zum Beispiel eine Seite mit Filmen, die ich gesehen und wie ich sie bewertet habe. Das Notizbuch, was ich dafür nutze, ist von der Marke „Leuchtturm“ und beinhaltet gepunktete Seiten. Dieses Notizbuch ist bei vielen Bullet-Journal’ern beliebt, da die Seiten bereits durchnummeriert sind und ein Inhaltsverzeichnis enthalten ist (zwei sehr wichtige Elemente, wie du später noch merken wirst). Die Punkte ermöglichen einem das leichte Zeichnen von Strichen, Kästchen und ähnlichem und sind dabei nicht so vordergründig wie Linien oder karierte Seiten.

Mein KEY

cofDer Key ist ein Schlüsselelement des Bullet Journals. Er stellt in einer Art Legende dar, wie Termine, Aufgaben und Notizen üblicherweise markiert werden – aber du kannst es natürlich auch ganz anders machen! Mir gefällt vor allem die Form des „Verschiebens“. Am Ende eines Tages kreuze ich von meiner To-do-Liste die Aufgaben ab, die ich erledigt habe und verschiebe die in den nächsten Tag, die ich nicht geschafft habe. Wenn ich merke, dass ich etwas immer wieder verschiebe, streiche ich es entweder komplett oder verschiebe es in die fernere Zukunft. Das bedeutet, dass ich den Punkt in meiner Wochen- oder Monatsübersicht weiter hinten noch einmal eintrage oder als längerfristigen Termin in mein Calendex übernehme.

Das funktioniert folgendermaßen…

Mein CALENDEX

Mein Calendex ist nach dem Inhaltsverzeichnis der erste Teil meines Bullet Journals. Er ist Jahresübersicht und Index zugleich und dient der langfristigen Planung. Der Nachteil eines Bullet Journals ist schließlich, dass ich nicht einfach fünf Monate nach hinten blättern und dort einen Termin eintragen kann – ich weiß ja noch gar nicht, auf welcher Seite das sein wird, da sich das Bullet Journal erst nach und nach füllt. Dieses Problem kann der Calendex lösen. Wenn du einen längerfristigen Termin eintragen möchtest, schreibst du ihn an die nächste freie Stelle, beispielweise einfach unter die To-do-Liste des aktuellen Tages und markierst ihn mit einem Kästchen.

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Nachdem das erledigt ist, blätterst du nach vorn zu deinem Calendex und malst dort ein Kästchen an den Tag, an dem der Termin stattfindet (bei mir ist Platz für vier Termine an einem Tag). Nun musst du nur noch die Seitenzahl der Seite in das Kästchen eintragen, auf der dein Termin zu finden ist – fertig! Du kannst dem Termin, so wie ich es gemacht habe, auch eine Farbe geben und somit verschiedene Kategorien erstellen. (Bei mir sind das momentan vier sehr allgemeine: Familie/Freunde, Hobbys, Arbeit, Urlaub/Feiertag) Und es zeigt sich ein weiterer Vorteil des Bullet Journals: du kannst so viele zusätzliche Notizen zu dem Termin schreiben, wie du willst! Falls also zusätzliche Angaben, wie zum Beispiel eine Liste der Dinge, die du für den Termin brauchst, notwendig sind, ist dies kein Problem.

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An dieser Seite siehst du bereits, dass ich die Gestaltung meines Bullet Journals recht schlicht halte. Viele gestalten die Überschriften der verschiedenen Kategorien und Listen sehr aufwendig – ich benutze häufig diese simple Form eines Banners. Außer für solche Tabellen wie die des Calendex‘ benutze ich außerdem selten ein Lineal. Selbst gezogene Linien haben besonderen Charme! 🙂

Wochen- und Tagesübersichten

Diese Übersichten werden auch „Weeklys“ und „Daileys“ genannt, wenn du eine Monatsübersicht machen möchtest, gibt es natürlich auch ein „Monthly“. Hier sind zwei Beispiele dafür, wie ich meine Wochenübersichten am Anfang einer Woche gestalte:

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Dies ist die erste Variante, die ich ausprobiert habe. Um solche recht schlichten Seiten ein wenig aufzupeppen, nutze ich gern Buntstifte und male ein paar Felder aus. Den Pfeil habe ich mir im Internet abgeschaut – einfach und schön.

 

 

 

 

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Oft hatte ich am Anfang einer Woche einige Dinge im Kopf, die ich innerhalb der Woche erledigen wollte, aber ich wusste noch nicht genau, wann – deswegen habe ich später einen „Unsortiert-Kasten“ in meiner Wochenübersicht hinzugefügt. Außerdem war mir die Anfangsversion der Tabelle doch ein wenig zu statisch, weswegen ich auf diese „Fähnchenvariante“ umstieg. Eine simple Gestaltungsvariante sind auch gepunktete oder gestrichelte statt durchgezogene Linien. Solche Elemente mögen langweilig erscheinen, lockern die Seite jedoch sofort auf.

Einfache Banner/Überschriften

Mir persönlich gefällt es, wenn wenigstens die Überschrift ein wenig besonders aussieht, auch wenn der Rest der Seite nur aus Notizen und Terminen besteht. Auch hier male ich häufig mit Buntstiften aus, um meine fehlende Zeichenkünste auszugleichen. Hier sind darum neben dem Pfeil ein paar weitere einfache Varianten, die ich bisher ausprobiert habe:

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Listen

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Listen kannst du jederzeit in deinem Bullet Journal einfügen. Wichtig ist nur, dass du sie vorn in dein Inhaltsverzeichnis einträgst, damit du sie später auch wiederfindest. Listen können natürlich ganz schlicht aus Notizen bestehen und häufig ist das bei mir auch der Fall. Ich habe bisher nur für meine Filmliste eine etwas aufwendigere Gestaltungsform gewählt, die ich mir im Internet abgeschaut habe. Für mich war sie noch leicht genug – und auch hier: kein Lineal!

Für meine „Music – Best of“ Liste male ich einfach eine Note statt einen Anstrich vor jedes Lied. Listen wie „Blog-Ideen“ oder „nötige Anschaffungen“ sind bei mir jedoch auch nur gewöhnliche Notizen.

Tagebuchelemente

cofIch besitze neben meinem Bullet Journal noch ein richtiges Tagebuch, in dem all meine ausschweifenden Gedankenanalysen Platz finden. In meinem Bullet Journal halte ich lediglich ein paar Alltagselemente fest. Dazu gehört neben der Film- und Musikliste zum Beispiel ein Festhalten der Gerichte, die ich koche. Dies mache ich vor allem auch deshalb, um selbst erdachte „Kreationen“ (das klingt glamourös, bedeutet meist jedoch nur die Zusammensetzung des Gemüses in der Pfanne), die mir gefallen haben, nicht wieder zu vergessen. Ich male dafür einfach neben die To-do-Liste des Tages einen kleinen Topf und schreibe hinein, was ich an diesem Tag gekocht habe. Darunter ergänze ich eventuell noch, wie ich es gewürzt habe. Das sieht nicht besonders schön aus, erfüllt für mich jedoch den Zweck und lockert die Seite ein wenig auf.

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Ein weiteres Tagebuchelement ist mein „One Line a Day“, welches ich in meinem letzten Blog-Beitrag bereits erwähnt habe. Auf dieser Seite wird jede Zeile von oben bis unten von 1 bis 30 bzw. 31 durchnummeriert. Für einen Monat kann hier in jeder Zeile kurz festgehalten werden, was am Tag passiert ist oder wie du dich am Tag gefühlt hast. Du bist somit gezwungen, dir wirklich zu überlegen, was die wichtigsten Elemente des Tages waren – denn viel passt nicht in eine Zeile. Für mich ist das eine entspannte, kurze Variante, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

Ich hoffe, ich konnte dich mit meinen Ideen und Bildern ein wenig inspirieren. Mir ist bewusst, dass dies nur ein kleiner Abriss vom Prinzip des Bullet Journals war. Lass es mich gern wissen, wenn du Genaueres dazu erfahren möchtest! Für die besonders Kreativen lohnt es sich außerdem definitiv, sich bei YouTube, Blogs, Pinterest und Co. über weitere Gestaltungsmöglichkeiten zu informieren.

Ich bin wirklich davon überzeugt, eine Form des Kalenders/Tagebuchs zu besitzen, die auf die ganz persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Und dies geht nun einmal am besten, wenn du es komplett selbst gestaltest. Du bist jemand, der er es nicht so sehr mag, Vorgaben gesetzt zu bekommen, sondern Dinge lieber selbst in die Hand nimmt? Dann könnte ein Bullet Journal genau das Richtige für dich sein. Alles was du brauchst ist ein Notizbuch und einen Stift (ich benutze einen dünnen schwarzen Fineliner), um all deine Notizen, Listen und Termine in einem Buch zu vereinen.

Viel Spaß dabei!

Constanze

Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Noch so ein Tipps-Artikel #Entschleunigen

In meiner Schulzeit hat sich Zeit immer gezogen wie Kaugummi. Kommt dir bekannt vor? Ja, sie verging schlicht zu langsam. Manchmal wollte ich einfach nur den Minutenzeiger packen und nach vorne schieben – es war als wäre er zu träge, diesen Job allein zu erledigen oder als wollte er mir eins auswischen, indem er länger an einer Stelle verharrte. Doch das war alles nur eine Illusion. Die Zeit verging in Wirklichkeit genauso wie sonst auch. Und ich schien diese Illusion nur zu verstärken, in dem ich immer wieder auf die Uhr starrte – in dem ich immer wieder über Zeit nachdachte.

Zeit. Was für eine verwirrende Dimension! In der Schule schien sie mir nur im Weg zu stehen. Ich hangelte mich von einer Unterrichtsstunde zur nächsten, immer auf den Nachmittag hinfiebernd. Wie wunderbar war es, wenn dann doch einmal eine interessante Stunde dabei war, die schnell verging. Eine Beschleunigung der Zeit, ja, das wünschte ich mir oft. Außer natürlich am Wochenende oder in den Ferien.

Es ist schon lustig. Im Gespräch mit einer Freundn fiel mir vor kurzem mal wieder auf, wie anders das jetzt ist. Genau genommen, wie anders es ist, seitdem ich die Schule verlassen habe. Ab da schien es sich schlagartig zu ändern. Die Zeit begann zu rasen und war kaum noch aufzuhalten! Und sie schien sich zunehmend zu beschleunigen.

Heute sitze ich oft da und frage mich, wo sie geblieben ist. Genau diese Beschleunigung, die ich mir damals gewünscht hatte, gefällt mir nun nicht mehr so gut. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wie schon wieder über ein halbes Jahr 2017 vergangen sein konnte. Ich habe dieses halbe Jahr doch gar nicht so richtig gespürt. Ist in diesem Zeitraum überhaupt etwas Wichtiges passiert? Wenn ich genauer darüber nachdenke fällt mir ein, dass sogar sehr viel Wichtiges passiert ist. Also warum nehme ich das so nicht wahr?

Warum die Zeit „schneller“ vergeht

Es ist wohl für kaum jemanden etwas Neues, dass wir uns heutzutage in einer schnelllebigen Welt befinden (oder besser: in einem schnelllebigen Deutschland – auf die ganze Welt trifft das zum Glück noch nicht zu). Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles immer schneller, besser und effizienter geschehen soll. Es gibt zwar schon einige Gegenbewegungen, aber grundsätzlich sind Ausbildung und Arbeitsleben doch nach wie vor sehr davon geprägt. Und nicht nur das – der sogenannte „Freizeitstress“ nimmt auch zu. Wir haben so unglaublich viele Möglichkeiten, schöne Erlebnisse zu sammeln und hasten selbst da von einem Termin zum nächsten.

Meine Eltern haben einmal gesagt, dass man sich früher, im Vergleich zu all den Möglichkeiten, die wir heute haben, einfach mehr gelangweilt hat. Das hat schlicht dazu gehört. Doch heute haben wir das irgendwie nicht mehr nötig. Oder haben wir vielleicht Angst davor?

Ich glaube, einer der schwerwiegendsten Gründe, warum im Erwachsenen-Leben die Zeit immer so schnell vergehen zu scheint, ist das Phänomen, dass wir auf bestimmte Ereignisse oder Deadlines hinleben. Egal, ob es etwas Positives ist, wie zum Beispiel eine große Feier oder das Abschließen einer Ausbildung, oder etwas Negatives, wie etwa das Vorbereiten eines Referats oder das Ende eines befristeten Jobs. Unser Alltag ist stark davon geprägt, dass wir Ereignisse in der Zukunft im Blick haben und unser ganzes Leben, wenn auch nur unbewusst, darauf ausrichten.

Bei mir sind das oft simple Dinge wie Urlaub, Weihnachten oder große Feiern. Vor dem Sommer fiebere ich zum Beispiel immer sehr auf den Sommer hin, weil dieser meist mit Urlaub und anderen schönen Erlebnissen verbunden ist. Die erste Hälfte des Jahres vergeht dadurch umso schneller, da ich sie gar nicht so bewusst wahrnehme. Während meines Studiums waren die Prüfungszeiten und Semesterferien meine Eckpunkte. Im Prinzip ist es jedoch ganz egal, was es ist, denn die Wirkung ist immer gleich: Oft werte ich die Zukunft höher als die Gegenwart, egal ob dies gute oder schlechte Dinge beinhaltet.

Bestimmt kennst du folgenden Spruch: „Lebe jeden Tag so als wäre es dein letzter.“ Für mich gehörte er schon lange in die Kategorie „kitschiger Sprüche“, die ich eigentlich nicht mehr hören wollte. Aber im Zusammenhang der Unterhaltung mit meiner Freundin fiel er mir wieder ein und ich musste zugeben, dass etwas Wahres an dieser Aussage dran ist. Doch ich möchte es noch einmal anders auf den Punkt bringen: Jeder Tag ist gleich wertvoll. Das ist es, was wir vergessen. Viel zu oft glauben wir, dass nur diese Tage wertvoll sind, an denen ein großes Ereignis stattfindet, an denen wir viele To-do‘s erledigen, an denen wir uns mit Freunden treffen, an denen wir Party machen, an denen wir endlich den Sprung auf der Karriereleiter schaffen, an denen wir Urlaub haben, … Du darfst diese Liste gern für dich fortsetzen. Für jeden wird sie ein wenig anders sein. Aber sei dabei wirklich ehrlich zu dir: Welche Tage bewertest du als wertvoll? Und wie viele sind es dagegen nicht?

Dann kannst du dir auch selbst ausrechnen, wie viele Tage du damit verbringst, nur auf diese wenigen „wertvollen“ Tage hinzufiebern. Versteh mich nicht falsch – ich spreche mich nicht dagegen aus, sich Ziele zu setzen und zu verfolgen. Ich bin sogar ein sehr großer Verfechter von Zielen. Sie sollen uns nutzen, jedoch nicht davon abhalten, jeden Tag in der Gegenwart zu leben. Es ist ein nerviges Gefühl, am Ende des Tages auf den Tag zurückschauen und ihn als negativ zu bewerten, nur weil wir nicht effektiv genug gewesen sind. Nur weil nicht viel „passiert“ ist. Unbewusst denken wir dann oft, dass der Tag nicht viel wert war.

Ich behaupte, wir leben so, weil wir manchmal Angst haben, einfach nur unseren „langweiligen“, „normalen“ Alltag zu spüren. Den wollen wir lieber gar nicht so bewusst wahrnehmen – das würde uns am Ende noch deprimieren. Doch wer sagt, dass langweiliger Alltag schlecht ist? Wir verlieren dadurch den Blick für die kleinen Besonderheiten im Leben, wie etwa ein leckeres Essen oder ein schönes Gespräch mit dem Partner. Und wir vergessen auch, wie gewinnbringend Langweile sein kann (Vielen Dank, auxkvisit, für diesen Gedankenanstoß!). Denn gerade sie führt uns manchmal zu den besten Gedanken, Ideen und Spinnereien. Wir nehmen all diese kleinen Dinge (die jedoch schnell zu größeren werden können!) dann nicht bewusst wahr, wir schätzen sie nicht bewusst. Und dann passiert es: Die Zeit ist auf einmal weg, bevor wir es überhaupt gemerkt haben.

Wie wir die Zeit „verlangsamen“ können

Ich glaube, dass wir ein Stück weit in der Lage sind, diesem Phänomen Einhalt zu gebieten. Bleib nicht bei dem Gedanken stehen „Ach, die Zeit rennt so – Ich komme nicht hinterher!“ und gib auf. Entschleunige stattdessen. Versuche, bewusst zu leben. Hier sind ein paar Vorschläge, wie das besser funktionieren könnte:

1.) Mach dir bewusst, welcher Tag heute ist. Führe dir das Datum bildlich vor Augen. Und dann freu dich einfach über diesen Tag. Sei dankbar, dass du ihn erleben darfst. Ich zum Beispiel freue mich am Anfang jeden Monats über die „1“ im Kalender. Für mich ist das wie ein kleiner Neuanfang. Oder heute freue ich mich zum Beispiel über den 04.08., einfach weil ich finde, dass das eine schöne Zahlenkombination ist… 

2.) Mach weniger Dinge gleichzeitig. Es ist sowieso nachgewiesen, dass Multitasking nicht wirklich funktioniert, also versuch es gar nicht erst. Wenn du zwei Dinge gleichzeitig tust, kannst du beide nicht bewusst wahrnehmen. Und nachdem du irgendwann frustriert aufgibst, ist schon zu viel Zeit vergangen. Eins meiner schwierigsten Übungen ist dabei tatsächlich Essen. Wenn ich allein esse, bin ich sehr versucht, den Fernseher oder mein Handy nebenher laufen zu lassen – und oft mache ich das auch. Ich mache es, weil ich Angst vor Langeweile habe. Bloß nicht einfach nur dasitzen, essen und denken! Aber immer öfter nehme ich mir bewusst vor, es zu lassen. Und es hat immer einen positiven Effekt: Ich entspanne mich und meine Gedanken haben die Möglichkeit, in Ruhe zu kreisen und auf gute Ideen zu kommen (okay, manchmal sind auch ein paar blöde Ideen dabei…).

3.) Führe irgendeine Art von Tagebuch. Ich persönlich führe kein regelmäßiges, ausführliches Tagebuch über die Ereignisse meines Alltags, aber ich habe jeden Monat eine Seite in meinem Bullet Journal*, auf der ich in genau einer Zeile jeden Tag zusammenfasse. Das kann zum Beispiel eine vorherrschende Gefühlslage des Tages sein oder eine kurze Auflistung der Dinge, die ich erlebt habe. Der Effekt ist, dass ich am Abend den Tag noch einmal in gewisser Weise würdige und bewusst Revue passieren lasse. Wenn ich am Ende des Monats dann die ganze Seite anschaue, bin ich meist ziemlich erstaunt darüber, was ich alles erlebt habe. Manchmal werte ich auch ganze Monate aus und entwerfe einen kleinen Ausblick für den nächsten Monat. Dabei ist mir wichtig, dass nicht nur große Ereignisse zum Tragen kommen, sondern auch neue Erkenntnisse und Gedankengänge, die ich in einem Monat gesammelt habe.

4.) Und noch einmal: Hab keine Angst vor Langweile. Hab keine Angst davor, im Bus nur aus dem Fenster zu starren oder im Wartezimmer des Arztes nur zu sitzen und zu warten. Ja, für mich ist schon das Warten an der Ampel eine kleine Entschleunigungs-Übung. Sag dir ganz bewusst: Es ist okay, dass ich jetzt nichts tue! Nutze die Zeit zum Durchatmen und zum Sortieren deiner Gedanken oder einfach nur zum Nichts-Denken – falls du das kannst. 😉

5.) Zum Thema Handy muss ich eigentlich gar nichts schreiben, oder? Ich glaube, wir wissen alle ganz genau, dass es uns viel zu oft davon abhält, in der Realität zu leben und diese bewusst wahrzunehmen. Kombiniere es mit Punkt 4) und lass es auf der Busfahrt einfach mal in der Tasche stecken oder schau nicht immer darauf, wenn du auf einer Feier bist, die dich eigentlich langweilst. Beobachte doch stattdessen die anderen Leute – häufig bietet das schon genügend Unterhaltung…

Hast du auch solche Strategien, um Zeit bewusster wahrzunehmen? In welchen Momenten fällt es dir am schwersten, konkret im hier und jetzt zu leben? Schreibt mir gern in den Kommentaren eure Gedanken dazu.

Sicher: Dass jeder Tag wertvoll ist, dass muss man erst einmal glauben. Ja, auch der Tag, an dem du von 8 bis 16 Uhr bei der Arbeit vorm Computer sitzt und danach chillend, essend oder fernsehschauend auf der Coach verbringst, ist in der Theorie genauso viel wert wie jeder andere. Warum sollte er es nicht sein? Allein schon dieser Gedanke reicht vielleicht aus, um deinen Alltag ein wenig anders zu gestalten oder um die Dinge, die du tust, bewusster wahrzunehmen und zu genießen.

Constanze

*ein Blog-Artikel zum Thema „Bullet Journal“ folgt bald!

(photo by Monoar)

Veröffentlicht in Allgemein, Gedanken

Warum ich eine Blog-Pause eingelegt habe

Das Bloggen ist so eine Sache. Eigentlich ziemlich cool. Jeder, der will kann worüber er will seine Meinung kundtun – auf einer überschaubaren Seite, in regelmäßigen Abständen. Für mich ist der Blog eine gute Plattform, um nicht nur für mich selbst zu schreiben. Denn Schreiben, das mache ich sowieso. Und das Leben analysieren, das auch. Im Bloggen kann ich es vereinen und andere an etwas Anteil haben lassen, was mir viel Freude bereitet. Andere Leute können lesen, was ich zu sagen habe oder es lassen. Niemand wird zu irgendetwas gezwungen. Soweit so gut…

… bis man in die Perfektionismus-Falle tappt und dieser ganze Plan von Freiheit und Zwanglosigkeit irgendwie nicht mehr aufgeht. Und so ging es mir ein wenig.

Das ist der Grund, weswegen ich einige Wochen nicht gebloggt und mich im Allgemeinen nicht sehr viel auf Social Media-Plattformen bewegt habe. Stattdessen habe ich darüber nachgedacht, warum und wie ich blogge und dabei sind mir einige Dinge bewusst geworden – die nicht nur mit dem Bloggen zu tun haben, sondern meine Herangehensweise und Motivation in vielen Bereichen meines Lebens hinterfragen.

Als ich anfing zu bloggen wusste ich zwar noch nicht genau, in welche Richtung ich thematisch gehen wollte, aber bei einer Sache war ich mir sicher: Ich wollte auf jeden Fall nur darüber schreiben, was mich bewegt – mir also selbst treu bleiben. Wer daran nicht interessiert war, musste es ja nicht lesen. Doch hier liegt der Haken: Wir Menschen wünschen uns Anerkennung für das, was wir tun. Wenn ich also etwas ins Internet stelle, wünsche ich mir eben doch, dass eine gewisse Anzahl von Menschen meine Mühen wahrnimmt. Ich glaube, das ist okay und ein normales Bedürfnis. Doch die Frage ist, was daraus folgt.

Wer mehr Leser für seinen Blog anziehen möchte, muss sich informieren. Viele Leser kommen schließlich nicht über Nacht oder zumindest ist das nicht der Normalfall. Es gibt gewisse Strategien, wie man „erfolgreich bloggen“ kann. Und das zog auch mich in den Bann. Ich informierte mich auf anderen Blogs und verstand immer mehr, wie der Pfad zu einem erfolgreichen Blog in der Theorie aussehen müsste. Ich erkannte, dass das Bloggen – genauso wie etwa das Youtuben – ein ganz eigenes Geschäft ist, eine eigene Szene. Einige Dinge, die dabei immer wieder betont werden sind etwa: „Kenne deine Zielgruppe und sprich sie an.“ „Finde deine persönliche Nische.“ „Schreibe regelmäßig und an festen Tagen.“ „Kommentiere bei anderen Blogs, um dich selbst bekannt zu machen.“ Und so weiter.

Ich fand es faszinierend, wie sehr ein künstlerisches Projekt zu einem strategischen Schlachtplan erweitert werden konnte. Und da ich ein sehr zielorientierter Mensch bin, versuchte ich, diese Strategien ein Stück weit umzusetzen. Doch ich hatte begrenzten Erfolg damit. Nicht, weil diese Strategien nicht aufgehen (ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass sie aufgehen, wenn man dran bleibt), sondern weil ich sie auf Dauer nicht umsetzen konnte.

Zuerst ärgerte ich mich darüber. Ich dachte mir: Warum krieg ich das nicht hin? Warum kann ich nicht regelmäßig bloggen? Warum fällt es mir so schwer, mich mit anderen Bloggern zu vernetzen? Ich gab mir wohl einfach nicht genug Mühe. Ich kam schließlich zu der Schlussfolgerung: „Okay, ich kann so einen Schlachtplan nicht umsetzen. Bloggen ist wohl doch nichts für mich.“

Doch da war der Fehler. Ich hatte begonnen, mich daran zu orientieren, wie andere etwas taten, wie „das“ Bloggen eben so funktionierte. Doch ist „das“ Bloggen auch „mein“ Bloggen? Die eine Art und Weise zu Bloggen gibt es jedoch gar nicht. Diese Art und Weise wird schließlich von den Leuten geprägt, die es tun – niemand hat dafür vorher Spielregeln festgelegt, die alle befolgen müssen. Es haben nur viele Leute herausgefunden, was die besten Strategien sind, um schnell erfolgreich zu werden. Und wer definiert überhaupt, was erfolgreich ist?

Ja, auch ich will erfolgreich sein – und das finde ich nicht verwerflich. Für mich bedeutet Erfolg, dass ich das, was ich liebe und gut kann, einfach so gut wie mir möglich mache. Und an diesem Punkt musste ich umdenken: Diese Art Erfolg kann ich nur auf meine Weise erreichen.

Denn – und hier komme ich zu meiner aktuellen Lebenslektion, die sich nicht nur, aber eben auch, auf das Bloggen bezieht – : mit Fremdbestimmung kann ich nichts anfangen. Wenn ich etwas nicht aus eigener Überzeugung und Entscheidung mache, dann wird das Ergebnis nicht gut oder zumindest nicht so gut, wie es sein könnte. Vielleicht bist du zwar kein Blogger, aber kennst dieses Problem aus anderen Lebensbereichen – etwa in der Schule oder auf der Arbeit? Vielleicht musst du zum Beispiel einen Vortrag über ein Thema halten, dass dir dein Lehrer oder dein Chef aufgedrückt hat, dich selbst jedoch gar nicht interessiert. Kannst du das dennoch motiviert angehen? Vielleicht, aber es ist sicher schwer. Bei mir kommt als Nebeneffekt meistens noch hinzu, dass ich geistig abbaue, wenn ich verzweifelt und ohne Erfolg versuche, etwas gut zu machen, was jemand anderes wahrscheinlich viel besser machen könnte – nämlich jemand, der wirklich davon überzeugt ist. Ich fühle mich dann ein wenig wie in einem Käfig, in den mich irgendjemand eingesperrt hat. Oder vielleicht sogar ich selbst?

Denn das Paradoxe ist, dass ich dazu in der Lage bin, mir diese Fremdbestimmung auch selbst aufzuerlegen. Hatte mich irgendjemand dazu gezwungen, den allgemeinen „Blog-Regeln“ zu folgen? Hatte mich irgendjemand überredet, bestimmte Strategien umzusetzen? Nein. Ich ließ mich fremdbestimmen, obwohl ich das gar nicht musste und nicht einmal bemerkte. Selbstbestimmte Fremdbestimmung sozusagen – verrückt! Und völlig unnötig. Ein Beispiel dafür war, dass ich gedanklich versuchte, mit meinen Themen in eine bestimmte „Szene“ hineinzupassen. Ich wollte herauszufinden, zu welcher dieser vielen Blog-Nischen ich gehörte – irgendeine musste es doch sein! „Christlicher Blog“, weil ich Christ bin? Lifestyle? Mindstyle? Und wenn ja, was genau ist das eigentlich?

Ich bin Constanze. Und deshalb entscheide ich mich auch für den Constanze-Style. Den kenne ich. Ich blogge als Christ über das Leben. Manchmal passt das in eine bestimmte Kategorie, manchmal entspricht das einem bestimmten Trend. Manchmal aber auch einfach nicht. Und dann darf ich trotzdem darüber schreiben. (weitere Gedanken zum Thema „Trends“ gibt es übrigens hier)

Letztendlich wurde meine Blog-Pause mehr als nur eine Pause vom Bloggen. Ich gab mir die Zeit, mich neu zu orientieren. Ich rollte meine Segel ein, um sie danach wieder im richtigen Wind zu setzen. Dieser Antriebswind ist für mich im Endeffekt Gott. Ihm folge ich und niemand anderem. Keinem Social Media-Influencer, Beauty-Guru, Blogger oder was es eben sonst noch gibt. Sicher, ich kann ein Fan von anderen Menschen sein, ich kann mich von ihnen inspirieren lassen – aber niemals bestimmen. Und ich darf mir diese Fremdbestimmung auch nicht selbst auferlegen. Diese Erkenntnis ist befreiend! Und ich entscheide mich immer wieder neu für sie, in allen Bereichen meines Lebens. Probier es auch aus!

Ich werde auch weiterhin beim Bloggen keinen bestimmten Regeln folgen – es kann also gut sein, dass dich nicht jeder Artikel interessieren wird. Aber vielleicht ist ja immer mal wieder etwas dabei. Ich würde mich deshalb freuen, wenn du weiterhin diesem Blog folgst, denn ich liebe es, andere Menschen zu inspirieren und zu ermutigen. Du darfst mir auch gern zurückmelden, was dich besonders angesprochen oder interessiert hat! Feedback regt mich zum Nachdenken an und inspiriert vielleicht sogar weitere Blogartikel.

Vielen Dank für dein bisheriges Interesse! 🙂

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes, Persönlichkeit

Absagen erlaubt! – Wie Grenzen aktiv gestaltet werden können

Manchmal reiht sich alles aneinander: Erst sage ich einer Gruppe Freundinnen für eine gemütliche Mädelsrunde ab, dann cancel ich eine Geburtstagsfeier, lasse einen Kinobesuch ausfallen… Ich bin scheinbar nur dabei, Absagen zu erteilen und nach und nach scheint mir das jeder übel zu nehmen. Aber irgendwie ist es einfach zu viel… Treffen mit Freunden, Projekte in meiner Gemeinde, spontane Besuche, Partys, usw. Es gibt Zeiten, in denen soziale Aktivitäten kein Ende zu nehmen scheinen und aus der Sicht der anderen tun meine Absagen dies gleichermaßen, obwohl ich selbst das Gefühl habe, dauerhaft auf Achse zu sein. Kennst du das?

Geläufigerweise werden Freundes- und Bekanntenkreise doch gern in folgende zwei Kategorien eingeteilt: auf der einen Seite die, die überall mitmischen und auf der anderen die, die nie Zeit zu haben scheinen. Das sind natürlich die Blöden! Die Spaßverderber, Langweiler, Spießer. Da gehör ich jetzt also auch dazu? Komisch, so fühl ich mich aber eigentlich gar nicht.

Und ich behaupte, das liegt daran, dass bei dieser Thematik eine Menge Vorurteile und Missverständnisse im Spiel sind. Vielleicht geht es dir so wie mir und dir ist einfach nicht ständig nach Action. Ein Abend auf der Coach scheint dir heute eben viel verlockender als eine Party, die erst um Mitternacht so richtig losgeht. Vielleicht stehst du aber auch auf der anderen Seite – ganz nach dem Motto „Man lebt nur einmal!“ nimmst du jedes soziale Event mit und engagierst dich nebenbei am besten in drei Projekten auf einmal.

Ich glaube, dass diese verschiedenen Lebenseinstellungen mit unseren ganz persönlichen Grenzen zu tun haben. Inspiriert dazu wurde ich unter anderem durch das Buch „Bis hierher und nicht weiter – Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen“ von Rolf Sellin, in dem ich vor kurzem bei einer Freundin gestöbert habe (noch nicht komplett gelesen!). Doch bevor ich näher auf diese Grenzen-Sache zu sprechen komme, möchte ich erst einmal diese Missverständnisse aus meinem Eingangsbeispiel näher betrachten:

Missverständnis Nr. 1 – die Verwechslung von Zeit und Energie

„Sorry, ich kann heute leider nicht mehr vorbeikommen – ich muss lernen, und eigentlich auch endlich mal wieder putzen, das Geschirr abwaschen… Ich hab einfach keine Zeit.“ Wer hört das schon gern? Putzen, das ist doch nun wirklich nicht lebenswichtig! Und solange die Klausur nicht zwei Tage entfernt ist, ist Lernen doch auch nicht so dringend, oder?

Meine These ist, dass solche und ähnliche Aussagen meist jedoch gar nicht so viel mit fehlender Zeit zu tun haben, obwohl das die Wortwahl der Betreffenden vermuten lässt. Häufig ist der wahre Grund für diese Absagen etwas, das ein wenig schwerer greifbar ist: Energie – und in diesem Fall: fehlende. Hast du schon einmal jemanden sagen hören: „Sorry, ich kann heute Abend leider nicht kommen, ich habe nicht genügend Energie“? Aus meiner Erfahrung liegt die Seltenheit solcher Aussagen darin begründet, dass fehlende Energie einfach kein allgemein anerkannter Grund für eine Absage ist. Denn Aussagen wie „Ich bin schon ziemlich müde“ oder „Ich hatte einen langen Tag und muss erst einmal ausruhen“, welche auf fehlende Energie hinweisen, werden schnell abgestempelt als Spaßverderberei oder gar fehlendes Interesse. Wir trauen uns also nicht, so etwas zu sagen und gerade als junger Mensch ist es manchmal schwer, sich in solch einem Fall zu rechtfertigen. Der lahme Spruch „Schlafen kannst du, wenn du tot bist“ wird beispielsweise gern als Totschlagargument in der Kneipe gebraucht, wenn man kurz davor ist, sich vom Acker zu machen. Stattdessen sagen wir also lieber, dass wir keine Zeit haben, in der Hoffnung, dass dies keine Vorwürfe zur Folge hat – denn gegen fehlende Zeit kann man schließlich nichts machen, oder? Nach meiner Erfahrung durchblicken die meisten jedoch, dass es sich dabei um Ausreden handelt. Und dann geht das Spekulieren los: „Der hat doch einfach keine Lust auf uns!“ Wäre ehrlich sein also vielleicht doch besser?

Es ist unglaublich wichtig, dass wir endlich anerkennen, dass fehlende Energie durchaus ein berechtigter Grund ist, um eine Absage zu erteilen. Wenn wir uns ausgelaugt fühlen – und sei es nur geistig! – sind wir weniger in der Lage, gute Unterhaltungen zu führen und sozial zu interagieren. Und hier kommt der Clou: Diesen Zustand erreicht jeder Mensch unterschiedlich schnell. Jeder hat seine ganz eigene Grenze, bis zu der er soziale Interaktionen genießen kann, bevor er innerlich auslaugt ist. Nur weil ich nach einem langen Arbeitstag keine Lust mehr auf einen Kneipenabend habe, muss das für einen anderen nicht genauso sein. Eine völlig falsche Interpretation wäre es jedoch, zu behaupten, dass mir meine Freunde demzufolge weniger wichtig wären. In den meisten Fällen liegt es lediglich an meinem leeren Energie-Tank. Und das führt mich zu…

Missverständnis Nr. 2 – Extrovertiert vs. Introvertiert

Dieses Thema habe ich schon einmal in meinem ersten Blog-Beitrag thematisiert. Seitdem ich mich genauer damit beschäftigt habe, was Extro- und Introvertiertheit bedeutet, wurden meine Augen entscheidend für ganz alltägliche Missverständnisse geöffnet, die häufig darauf zurückzuführen sind, dass Menschen ihre Unterschiedlichkeit in diesem Bereich nicht anerkennen.

Viele glauben, dass Extrovertierte per se sozialere, redegewandtere, „lautere“ Menschen sind – Introvertierte dagegen die Schüchternen, Ruhigen, weniger sozial Kompetenten. Dies stimmt so nicht! Extro- und Introvertiertheit sagt nämlich lediglich etwas darüber aus, wo und wie wir Energie auftanken, wodurch wir uns also wieder belebt, aktiv und gut fühlen. Und dies ist der entscheidende, zu selten berücksichtigte Unterschied: Extrovertierte tanken Energie durch das Zusammensein mit anderen Menschen und Introvertierte durch Zeiten mit sich selbst. Sicherlich geht das häufig damit einher, dass Extrovertierte selbstbewusster auftreten und Introvertierte eher schüchtern wirken. Oft ist das jedoch nur der äußere Schein!

Ich erfahre dieses Klischee-Denken häufig selbst. In manchen Kreisen trete ich sehr ruhig und zurückhaltend auf, woraus geschlussfolgert wird, dass ich schüchtern bin oder einfach nicht so viel zu sagen habe. Vielmehr hat es jedoch damit zu tun, dass ich gern erst einmal beobachte und mir eine Meinung bilde. Menschen, die mich gut kennen und Kreise, in denen ich mich wohl fühle, erleben mich dagegen ganz anders: denen fällt es eher schwer zu glauben, dass ich introvertiert bin. Denn ehrliche, offene soziale Interaktion macht mir unglaublich viel Spaß! Und dennoch – ich tanke Energie in der Einsamkeit. Nach einer langen Feier bin ich ausgelaugt und habe viele Eindrücke zu verarbeiten. Dafür muss ich allein sein. Extrovertierte Menschen sind dagegen umso energiegeladener, nachdem sie gute Gespräche geführt und das Zusammensein mit Freunden genossen haben. Sie können dann häufig umso motivierter die nächste Herausforderung anpacken.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch in eine der beiden Richtungen tendiert. Und selbst, wenn du dich in verschiedenen Bereichen unterschiedlich erlebst – wünschst du dir nicht, dass andere Menschen deine persönliche Art und Weise, Energie zu tanken, anerkennen? Es ist wichtig, zu erkennen dass Verschiedenheit manchmal nicht so schnell und einfach nachzuvollziehen und dennoch okay ist, ja sogar bereichernd. Und manchmal liegt sie eben auch in etwas so negativ Klingendem wie „Grenzen“.

Was sind deine persönlichen Grenzen?

Das Bedürfnis abzusagen, und es doch nicht zu tun, ein leerer Energietank, ein zu langer Kneipenabend… Das sind nur Beispiele dafür, dass wir manchmal Schwierigkeiten haben, uns erfolgreich von anderen abzugrenzen und zu uns selbst zu stehen. Denn leider nehmen wir es häufig als etwas Negatives war, auch einmal „nein“ zu anderen zu sagen.

Versuch einmal, dir folgende oder ähnliche Fragen zu stellen: Wie viel Zeit kannst du mit anderen Menschen verbringen, bevor es dir zu viel wird? Wie oft willst du allein sein? Wie durchgehend möchtest du erreichbar sein? Bleibst du manchmal länger bei einer Feier, als dir lieb ist, nur um nicht als Spaßverderber da zustehen oder den Gastgeber zu kränken?

Für mich waren solche Fragen sehr wertvoll, um zu erkennen, dass ich manchmal überhaupt nicht auf meine persönlichen Grenzen achte. Oft weiß ich zwar, was ich will und was mir gut tut, setze es jedoch nicht um. Und was sind die Folgen davon? Wenn ich irgendwo hingehe, obwohl ich gar keine Energie mehr habe oder irgendwo länger bleibe, obwohl ich fast einschlafe, hat das meist nur negative Auswirkungen. Ich bekomme nach und nach schlechte Laune, fühle mich ausgelaugt und überhaupt nicht mehr gesellig – und Geselligkeit sollte doch eigentlich der Sinn der Sache sein. Es nützt also niemandem etwas, wenn wir unsere eigenen Grenzen nicht respektieren.

Andersherum geht es jedoch auch nicht darum, die eigenen Grenzen lediglich abzustecken und sich dann im sicheren Umfeld zu isolieren. Vielmehr hilft es, die eigenen Grenzen ganz bewusst gestalten.

Was es bedeutet, Grenzen aktiv zu gestalten

Zuerst einmal sollten wir nicht davon ausgehen, dass andere Menschen automatisch verstehen, wo unsere Grenzen liegen. Es kann beispielsweise nicht jeder sofort sehen, ob du extro- oder introvertiert bist. Deswegen müssen wir klar kommunizieren, wenn eine Grenze überschritten wird. In meinem oben genannten Beispiel der Absagen würde das also bedeuten, dass wir bewusst zu unserer fehlenden Energie stehen (natürlich auch zu unserer fehlenden Zeit, wenn das tatsächlich der Fall ist). Es ist okay, wenn wir sagen: „Ich hätte zwar theoretisch Zeit, aber ich brauche mal wieder ein wenig Zeit nur für mich.“ Sicherlich, viele werden erst einmal verdutzt sein, wenn du so etwas sagst und nicht einmal versuchst, dich zu rechtfertigen. Aber du wirst dadurch automatisch greifbarer für andere! Vielleicht verstehen deine Freunde es nicht beim ersten Mal, aber nach und nach werden sie begreifen, wie du tickst und können besser mit deinen persönlichen Grenzen umgehen. Außerdem steigerst du dadurch dein Selbstbewusstsein und wirst höchstwahrscheinlich auch als selbstbewusster wahrgenommen.

Doch es geht nicht nur darum, immer „nein“ zu sagen (obwohl es manchmal auch nötig sein kann, erst einmal in diese Richtung zu „trainieren“, um ein Gefühl für dieses Wort zu bekommen). Wenn wir in der Lage sind, zu erkennen, wann uns etwas zu weit geht und wissen, wo unsere Grenzen liegen, können wir auch den Spielraum innerhalb dieser Grenzen besser ausnutzen und sogar erweitern! Dies müssen wir jedoch selbst aktiv tun. Wenn wir unsere Grenzen nämlich nur passiv von anderen einrennen lassen, verlieren wir nach und nach das Gefühl der Selbstwirksamkeit und werden im schlimmsten Fall schlecht gelaunt und aggressiv.

Rolf Sellin zeigt in seinem Buch auf, dass wir dann am erfolgreichsten unsere Grenzen erweitern können, wenn wir uns kurz vor deren Überschreitung bewegen, wenn wir also bis „an unsere Grenzen“ gehen. Stell dir beispielsweise vor, du hast einen Freund, der sich ständig mit dir treffen möchte. Du hast jedoch oft keine Lust, weil du weißt, dass dieser Freund zwar sehr nett, aber eine ziemliche Plappertasche ist und du bist dagegen eher der ruhige Typ. Ein Treffen mit ihm raubt dir immer sehr viel Energie, weswegen du dir Ausreden einfallen lässt, um ihn abzusagen. Auf Dauer wird das jedoch sehr frustrierend, weil du die ganze Zeit das Gefühl hast, dass dir jemand deine Grenzen einrennt. Auch dein Freund wird wahrscheinlich irgendwann traurig sein, weil er früher oder später durchschaut, dass du nur Ausreden parat hast. Was könntest du stattdessen tun?

Wenn du wirklich keine Kraft für ein Treffen mit deinem Freund hast, dann sag ihm ab und sei ehrlich. Doch es wird sicherlich auch wieder eine Zeit kommen, in der du Energie übrig hast. Und dann nutze diese Zeit! Auch wenn du weißt, dass es anstrengend sein könnte, lade deinen Freund ganz bewusst dann ein, wenn du dich energiegeladen genug fühlst, dich auf das Treffen einzulassen – wann auch immer das für dich ist. Vielleicht wird es dich an deine Grenzen bringen, aber du hast im Vorhinein selbst einen Zeitpunkt gewählt, an dem dich diese Grenzerfahrung nicht „ausknockt“. Du hast sie selbst bewusst gestaltet und konntest dich so besser auf deinen Freund einlassen. Vielleicht wird es dadurch beim nächsten Mal schon viel leichter, weil du ihm ohne verdeckte Frustration begegnen konntest. Und vielleicht auch ein wenig mehr plappern konntest?

Grenzen zu ziehen ist für viele, und ich bin darin absolut eingeschlossen, jedoch keine leichte Sache. Oft ist es nämlich schon schwer genug, erst einmal selbst zu erkennen, wo das persönliche „bis hierher und nicht weiter“ überhaupt liegt und zu akzeptieren, dass das nicht komisch ist, auch wenn viele anders ticken.

Kennst du solche Grenzerfahrungen? Fühlst du dich auch manchmal im Freundeskreis unverstanden – oder werden deine Grenzen eher in anderen Bereichen überschritten? Dies ist ein sehr weites, komplexes Thema und ich würde mich freuen, von deinen Erfahrungen zu lesen!

Constanze

 

Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

Motivationslosigkeit – und warum ich dankbar für sie sein kann

Meine Liste für Blogartikel-Ideen ist lang. Regelmäßig füge ich neue Gedanken hinzu. Dinge, die mir im Alltag begegnen, Gedanken über das Leben, darüber, wie Menschen es führen und so weiter. Irgendetwas beschäftigt mich immer. Auch in der letzten Woche hatte ich solche Ideen und machte mir erste Notizen. Doch weiter kam ich nicht. Immer mal wieder setzte ich mich mit dem Laptop hin und öffnete das Word-Dokument. Da waren sie: meine Ideen. Und sie sahen auch ganz schön aus. Aber irgendetwas hielt mich davon ab, loszutippen. Vielleicht kennst du dieses Gefühl ja: Eine Hausarbeit? Die Wohnung, die endlich mal geputzt werden müsste? Steuererklärung? Sport? Am Musikinstrument dranbleiben? So viele Vorhaben, die man immer mal wieder ein wenig von allen Seiten betrachtet und doch nicht loslegt.

Motivationslosigkeit. Mir fiel auf, dass ich diese länger nicht mehr wahrgenommen hatte. In letzter Zeit strotzte ich nur so davon, meine Tage gut durchzuplanen und die meisten Stunden sinnvoll zu nutzen. Ich hatte einen richtigen Motivations-Schub! Und was ich dabei vor allem beachtete: Jedes meiner Hobbys sollte regelmäßig seinen Platz im Terminkalender finden. Meine Aktivitäten außerhalb der Arbeit sollten gut organisiert sein. Dazu gehört eben auch mein Blog. Seit vergangenem Montag stand deshalb „Blog-Artikel schreiben“ jeden Tag auf meiner To-do-Liste – bis heute. Aber nur, weil ich es von Tag zu Tag verschob. So nach und nach machte ich mir Sorgen. War das jetzt schlimm?

Heute beschließe ich: Nein. Ich muss mich sogar ein wenig zwingen, dass zu beschließen. Zu sagen, dass es okay ist. Denn ich habe einen leichten Hang zum Perfektionismus, was meine Lebensgestaltung angeht. So ganz generell. Und als ich beschließe, dass es okay ist, wird mir auf einmal bewusst, was für ein Luxusproblem Motivationslosigkeit eigentlich ist. Denn was bedeutet es?

Es bedeutet, dass ich unglaublich viele Möglichkeiten habe, etwas zu tun. Es bedeutet, dass ich neben meinem Job auch Hobbys habe, denen ich jederzeit nachgehen kann. Es bedeutet, dass ich niemals Langeweile haben müsste. Und das macht mich auf einmal dankbar. Langeweile! Die habe ich gar nicht gemocht, als ich ein Kind war. Man fühlt sich dann so komisch leer und gleichzeitig hippelig. Man will ja schließlich sein Leben leben und die Langweile kann einem da ganz schön einen Strich durch die Rechnung machen. Nervig! Auf den ersten Blick mag Motivationslosigkeit das gleiche wie Langeweile sein – doch das stimmt nicht. Langeweile bedeutet nämlich, dass man keine Möglichkeiten sieht, etwas zu tun. Die Ideen fehlen. Motivationslosigkeit bedeutet, dass es viele Möglichkeiten gibt, womöglich sogar eine lange Liste, doch man kann sich nicht durchringen, zu starten.

Ich bin dankbar, dass ich lange keine Langeweile mehr verspürt habe. Ich bin dankbar, dass ich fast immer Ideen habe, die ich theoretisch umsetzen könnte. Warum mich jetzt die Motivationslosigkeit überfallen hat? Es gibt meist viele Gründe, warum ich nicht loslegen kann, obwohl ich es eigentlich möchte. Welche sind deine? Vielleicht spannt dich die Arbeit zu sehr ein. Vielleicht bist du gesundheitlich angeschlagen. Vielleicht machst du dir zu viele Sorgen über etwas oder jemanden. Vielleicht ist deine To-do-Liste auch einfach zu lang und erschlagend. Vielleicht fühlst du dich unsicher und dein Selbstbewusstsein ist nicht ganz auf der Höhe.

Ich persönlich muss diese Gründe nicht immer komplett verstehen. Aber ich muss sie akzeptieren und mir sagen, dass es okay ist. Ich muss diese Wand, die vor mir steht, wahrnehmen – sonst renn ich nämlich immer wieder dagegen. Und dann kann ich bei ihrem Anblick sogar ein wenig dankbar sein. Dankbar, dass es so viele Dinge gibt, bei denen ich Motivationslosigkeit empfinden kann. Dankbar, dass es möglich ist, dass eine gedankliche Mauer vor meinen persönlichen Zielen steht – was schließlich bedeutet, dass ich persönliche Ziele habe. Dankbar, dass da nicht einfach nichts ist.

Und dann entscheide ich mich. Ich entscheide, dass ich trotzdem weiter machen und einen Weg an der Wand vorbei suchen werde. Ich entscheide, dass ich einfach lostippe und mal schaue was passiert, auch wenn es nicht perfekt ist.

Ich möchte auch dich ermutigen, nicht vor deiner Motivationslosigkeit zu kapitulieren. Denn wenn wir resignieren und glauben, dass wir es nicht drauf haben, kann das schnell in Faulheit umschlagen. Dann geben wir auf und bleiben einfach vor unserer persönlichen Mauer der Motivationslosigkeit sitzen. Wir sollten uns jedoch auch nicht unter Druck setzen, schnell das Problem lösen zu müssen, ohne die Wand der Motivationslosigkeit erst einmal wahrgenommen zu haben. Probier also nicht dagegen zu rennen und sie zu durchbrechen – vor allem nicht, wenn sie sehr dick ist. Tritt stattdessen einen Schritt zurück und betrachte sie. Vielleicht fällt dir sogar auf, wo das Problem liegt und wie diese Mauer überhaupt erst entstehen konnte. Verzweifle jedoch auch nicht, wenn du es nicht verstehst! Denn ob du es verstehst oder nicht – nun kannst du einen neuen Weg einschlagen, einen Weg an der Mauer vorbei. Du kannst dich konkret auf die Suche danach begeben. Einen neuen Weg zu finden ist natürlich eine Herausforderung. Doch der erste Schritt ist eigentlich simpel. 🙂

Ich wünsche dir (und mir) viel Erfolg dabei!

Constanze

(photo by David Preston)

Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

Nutze deine Stimme! (Wie mich eine Modelleisenbahn inspirierte…)

Hast du auch manchmal dieses innerliche Verlangen, die Welt verbessern zu wollen? Jetzt, sofort, mit einem Fingerschnippen? Doch wie schnell holt dich die Realität wieder ein und schupst den kleinen Träumer in deinem Kopf wieder hinaus: ‚Das ist ja nur was für Charismatiker, die große Reden schwingen können oder für so ganz Mutige, die Revolutionen anführen.‘ Doch ich glaube: Es funktioniert auch mit einer Modelleisenbahn.

Vor einiger Zeit habe ich mir mit meinem Mann eine Dokumentation über das Miniatur Wunderland in Hamburg angesehen – die größte Modelleisenbahnanlage der Welt. Wieso mich das interessieren sollte? Gute Frage. Ich stehe weder auf Modelleisenbahnen noch auf normale Eisenbahnen. Ich habe weder ein Faible für die Technik, die hierfür benötigt wird, noch für all die anderen handwerklichen Prozesse. Theoretisch dürfte mich das also gar nicht interessieren, doch ich wurde eines Besseren belehrt.

Mein Mann ist durch eine Aktion der Besitzer des Miniatur Wunderlandes (zwei Brüder) auf die Dokumentation aufmerksam geworden: An bestimmten Tagen im vergangenen Januar war der Eintritt in das Wunderland kostenlos, um diesen für Bedürftige zu ermöglichen. Die Aktion beruhte auf Vertrauen. Die Brüder schrieben dazu auf facebook:
„Wir möchten die Menschen nicht in Kategorien einteilen, sondern machen das ganz simpel: Jeder der wirklich der Meinung ist, dass er sich einen Wunderland-Besuch nicht leisten kann, braucht an den genannten Terminen im Januar nur an der Kasse in beliebiger Sprache ‚Ich kann mir das nicht leisten‘ sagen und kommt umsonst ins Wunderland.“ (siehe hier)

Diese Aktion faszinierte uns und so kam es dazu, dass wir mehr über das Wunderland erfahren wollten. Dabei stieg meine Faszination weiter – nicht nur wegen der unglaublichen Technik, die hinter dieser großen Modelleisenbahn-Welt steckt und den kleinen süßen Menschlein und Szenen, die man dort überall finden kann. Sondern vor allem wegen der Liebe, der Leidenschaft und der Weitsicht, mit der diese zwei Brüder an ihre Arbeit heranzugehen scheinen. Sie hatten ihre Leidenschaft, ja ihren Kindheitstraum, zum Beruf gemacht, aber nicht allein das. Durch ihre Arbeit machten sie anscheinend nicht nur sich selbst glücklich, sondern auch viele andere Menschen (und vielleicht erst dadurch sich selbst?). Damit meine ich nicht nur die Kunden, die jeden Tag das Miniatur Wunderland bestaunen. Die Dokumentation zeigt auch einen Einblick in die Arbeit der Angestellten. Dabei wird deutlich: Diese dürfen sich, ihre Fähigkeiten und ihre Ideen einbringen. Da sitzt niemand, der zu seiner Arbeit gezwungen werden muss und diese jeden Tag nur schnell hinter sich bringen möchte. Die zwei Brüder geben ihren Angestellten Freiraum, sich zu entfalten und neue Technologien sowie kreative Ideen in das Miniatur Wunderland einzubringen. Die gezeigten Mitarbeiter wirken motiviert und zufrieden. Eine große Liebe zu handgemachten Details scheint sie voran zu treiben. Und das hat Wirkung. Man sieht, wie die Kunden wirklich glücklich gemacht werden sollen anstatt nur als Geldeinnahmequelle betrachtet zu werden. Und es ist finanziell scheinbar sogar machbar, einigen Leuten den Eintritt auch einmal kostenlos zu ermöglichen.

Nachdem wir die Dokumentation zu Ende geschaut haben fühlen wir uns beide ziemlich inspiriert. Erst versteh ich das gar nicht so richtig – eine Dokumentation über die Geschäftsidee zweier Menschen, die sich als erfolgreich erwies? Das gibt es doch ständig. Doch schnell erkenne ich: Menschen können mich inspirieren, egal was sie tun. Denn es geht allein darum, mit welcher Motivation sie es tun und was sie letztendlich damit erreichen wollen. Auch wenn das Mittel dazu eine Miniatureisenbahn ist. Diese zwei Brüder haben mich inspiriert durch ihre Leidenschaft und ihre Herangehensweise an ihre Arbeit. Sie tun es voller Liebe – für die Modelleisenbahn und für die Menschen, die darin involviert sind. Das mag kitschig klingen, aber im Prinzip ist es der entscheidende Faktor für mich. Die Brüder nutzen ihr Talent.

Mir wurde wieder bewusst, dass wir alle eine Stimme haben, die wir nutzen können – eben nicht nur der große Charismatiker, der wirklich gut reden kann. Du hast auch eine Stimme, wenn du nicht gut reden kannst. Denn vielleicht kannst du stattdessen schreiben, handwerken, basteln, singen, tippen, sortieren, umarmen, zuhören, organisieren, anpacken… Im Grunde ist es völlig egal. Das einzige was du wirklich tun musst, ist deine persönliche Stimme auch wirklich als eine Stimme anzuerkennen, mit der du etwas bewegen kannst. Ja, mit der du sogar die Welt verändern kannst! Denn wenn niemand seine Fähigkeiten ernst nimmt, wer verändert dann überhaupt noch etwas? Und andersherum: Stell dir vor, alle Menschen würden ihre Fähigkeiten erkennen und für etwas Gutes einsetzen – was würden wir alles verändern!

Es kommt auf die Motivation an, mit der wie etwas tun. Eins meiner persönlichen Ziele im Leben ist es zum Beispiel, irgendwie dazu beitragen zu können, dass andere Menschen ihr Leben glücklicher und zufriedener gestalten können. Ein großes Ziel, dass ich niemals komplett erreichen werde. Und doch hat Gott mir meine persönlichen Talente geschenkt, um es auf vielfältige Weise zumindest ein Stück weit umzusetzen. Handwerklich und technisch bin ich leider nicht so begabt, also bau ich lieber keine große Modelleisenbahn. Aber ich kann Menschen im persönlichen Gespräch ermutigen. Ich kann durch Musik anderen eine Freude machen. Ich kann Blog-Beiträge schreiben. Ich kann meine kreativen Ideen für etwas einsetzen, was meinem Ziel nutzt. Und solange ich dieses im Hinterkopf behalte, werde ich ganz automatisch die Welt ein wenig positiv verändern. Entscheidend ist, wie ich meine Fähigkeiten einsetze und welche Einstellung dahinter steht.

Wenn es also eigentlich egal ist, was du tust – warum tust du nicht einfach das, wofür du sowieso brennst und was du schon immer irgendwie gut konntest?

Ich höre Menschen häufig sagen: „Ich kann nichts wirklich richtig, ich bin in nichts wirklich gut.“ Das ist quatsch. Das glaubt man nur, weil das, was man kann, noch nicht wirklich benannt wurde oder weil man es noch nicht entdeckt hat. Weil man glaubt, dass alle Fähigkeiten dieser Welt klar benennbar sein müssen im Stil von: „Ich kann gut singen“, „Ich kann gut Fußball spielen“, „Ich kann gut Veranstaltungen organisieren.“ Es ist möglich, dass deine Fähigkeiten leicht zu erkennen und demzufolge leicht umzusetzen sind. Doch es ist nicht schlimm oder komisch, wenn das nicht so ist. Trau dich, ein wenig tiefer zu graben, um sie zu entdecken. Folgende Fragen können dir dabei helfen: In welchen Situationen fühlst du dich so richtig wohl und lebendig? Woran liegt es? Was genau setzt du dabei ein? Welche Umstände müssen dafür erfüllt sein? Aus den Antworten zu solchen Fragen wird sich nach und nach ein Bild von deiner persönlichen Stimme ergeben.

Und dann nutze deine Stimme! Ich möchte gar nicht weiter aufzählen und vorschlagen, wie das praktisch aussehen könnte, denn es wäre alles nur meine beschränkte Sicht auf die Möglichkeiten. Aus deiner persönlichen Stimme folgt nämlich auch deine persönliche Umsetzung. Deine persönliche Weltverbesserung.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir von deiner Entdeckungsreise zu deinen Talenten und Zielen erzählst! Fällt es dir leicht, deine Fähigkeiten einzusetzen oder weißt du noch gar nicht so genau, wie du das anstellen sollst? Ich bin überzeugt, dass Gott jedem Menschen eine „Stimme“ gegeben hat – eine Stimme, mit der wir dazu beitragen können, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die Frage ist nur, ob wir uns darauf einlassen. Hinterlasse mir gern einen Kommentar zu deinen Erfahrungen oder schreib mir in einer E-Mail davon. 🙂

Constanze

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(photo by Darren Bockman)

Veröffentlicht in Motivierendes

„Herzlich willkommen – Neuanfang!“

Als ich heute im Supermarkt an die Kasse ging, saß dort eine Frau, die offensichtlich frisch eingearbeitet wurde. Eine mir bekannte Verkäuferin stand hinter ihr und beobachtete jeden ihrer Schritte. Der Kassiervorgang lief, wie das dann eben so ist, ein wenig langsamer. Ich probiere in solchen Situationen, ein so „unkomplizierter“ Kunde wie möglich zu sein. Meistens kann man es den Neulingen in ihren angespannten Gesichtern ja bereits ansehen, dass sie Angst haben, zu langsam zu sein. Ich kann förmlich spüren, wie sie leicht in Panik geraten, wenn sie die Nummer von der Aubergine nicht sofort finden und hektisch hin und her blättern. Dieses Gefühl kann ich gut nachempfinden. Ich habe zwar nie an der Kasse gearbeitet und kann also nicht wirklich einschätzen, welche Schwierigkeiten dieser Job mit sich bringt. Doch wenn ich solche Situationen beobachte, muss ich unwillkürlich an meinen eigenen Neuanfänge denken und daran, welche Herausforderungen diese jedes Mal mit sich bringen. Besonders dann, wenn alle ersten Schritte beobachtet werden. Die gestandene Kassiererin hinter der neuen schaute durchweg kritisch und beantwortete Fragen kurz und ohne ein Lächeln. Die neue Kollegin versuchte, selbstbewusst zu bleiben. Doch wie sie sich wohl innerlich fühlte?

Ich kann noch keine lange Laufbahn im Arbeitsleben verzeichnen, aber in den letzten Jahren gab es dennoch einige Neuanfänge für mich. Und nicht nur im Beruf – als ich weiter darüber nachdachte, musste ich beispielsweise auch an meine Fahrschulzeit denken. Auch so eine Zeit, in der man ziemlich lange von der Seite beäugt wird. Ich persönlich wurde deshalb erst richtig sicher im Auto fahren, als ich den Führerschein schon in der Tasche hatte und allein die Straßen „unsicher“ machen durfte.

Kennt du das? Du willst irgendetwas Neues anfangen – und du bist motiviert! Du weißt, dass nicht alles sofort funktionieren wird und es viel zu lernen gibt, aber du bist bereit, alles zu geben. Schritt für Schritt wird das schon. Doch dann ist da jemand (oder vielleicht sogar mehrere), die genau beobachten, ob du auch alles richtig machst. Ich gehöre leider nicht zu den besonders selbstbewussten Menschen, die das einfach ignorieren könnten. Falls es dir auch so geht, helfen dir vielleicht diese vier Tipps (an die ich mich auch selbst immer wieder erinnern muss) für deinen nächsten Neuanfang:

1. Bleib dran.

Das mag simpel klingen – doch wie schnell sind wir versucht, etwas aufzugeben, nur weil uns jemand anderes das Gefühl vermittelt, dass wir noch nicht gut genug sind. Und in vielen dieser Fälle beabsichtigt der andere das nicht einmal! Deswegen bleib einfach dran, egal wie unsicher du dich fühlst. Meist wird es besser.

2. Rechtfertige dich nicht ständig für das, was du tust.

Es ist natürlich möglich, dass du beispielsweise vor deinem Chef hin und wieder Rechenschaft ablegen musst. Doch es ist sicherlich nicht nötig, dass du dich jederzeit für jeden Schritt rechtfertigst! Ich neige oft dazu, stammelnd erklären zu wollen, warum ich etwas getan habe – vor allem, wenn mir jemand einen Tipp gibt, wie ich etwas anders tun könnte. Nur weil mir jemand einen Tipp gibt, bedeutet das allerdings nicht, dass es schlimm war, wie ich es bisher gemacht habe. Steh zu dem, was du tust! Dadurch trittst du selbstbewusst auf und wirst ernster genommen.

3. Hab keine Angst, es möglichst bald allein zu versuchen.

Was auch immer dein Neuanfang beinhaltet: wenn du ähnlich tickst wie ich, wirst du immer ein wenig blockiert sein, solange dir jemand über die Schulter schaut. Ich habe mich lange Zeit nicht getraut, etwas allein zu versuchen, solange ich mich noch nicht sicher gefühlt habe. Doch es ist nicht immer notwendig, sich komplett sicher zu fühlen, um etwas allein zu wagen. Ich persönliche benötige meinen Freiraum, um selbst Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen und herauszufinden, wie es für mich am besten funktioniert. Solange mich jemand beobachtet, werde ich mich immer an dieser anderen Person orientieren und daran, wie sie es macht. Ein wenig ist das natürlich nötig: beispielsweise um Abläufe kennenzulernen, feststehende Regeln oder ähnliches. Doch wenn du mit diesen halbwegs vertraut bist, stürze dich ruhig allein ins Abenteuer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dadurch unglaublich viel Sicherheit und Selbstbewusstsein zu erlangen solange ich weiß, dass im Hintergrund immer noch Menschen da sind, die ich ab und zu um Hilfe bitten kann.

4. Frag nach.

Nachzufragen ist keine Schande. Es bedeutet nicht, dass du dumm bist. Fragen signalisieren Interesse und zeigen, dass du dir Wissen aneignen möchtest, um deine Aufgaben möglichst gut zu erledigen. Durch Fragen findest du heraus, was wichtig ist und was nicht. Du erkennst nach und nach besser, wo die Schwierigkeiten liegen und worüber du dir gar keine Sorgen machen musst. Nicht alle mögen immer offen für Fragen sein, aber irgendjemand ist es meist! Häufig ergeben sich daraus gute Gespräche und du kannst von der Erfahrung der anderen profitieren.

Was war dein letzter Neuanfang oder steht dir einer kurz bevor? Wodurch fällt es dir leichter, in einem neuen Umfeld zu starten? Hast du schon einmal besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht? Erzähl mir gern davon in den Kommentaren!

Constanze

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(photo by Olu Eletu)