Veröffentlicht in Gedanken, Lifestyle

Müßiggang – vom Wiederentdecken eines altmodischen Wortes

Urlaubszeit ist Zeitschriftenzeit – zumindest bei mir. Natürlich haben wir noch eine Menge Zeit am Flughafen, bevor wir uns durch den Sicherheitscheck wagen und suchen somit den einzig vorhandenen Zeitschriften- und Buchladen auf. Und ja, trotz Handy bin ich da noch ganz altmodisch und lese Artikel gern auf Papier, wenigstens ein paar Mal im Jahr.

Ich suche allerdings nicht irgendeine Zeitschrift. Ich brauche natürlich eine schrecklich inspirative! Doch sie darf auch nicht ausschließlich Trend-Themen wie Minimalismus oder Achtsamkeit enthalten. Es muss der perfekte Mix aus Zeitgeist und neuem, unerwartetem Input sein. (Ganz recht. Ich liebe es, aus Kleinigkeiten eine Wissenschaft zu machen.) Die „flow“ ist immer mal wieder im Rennen, manchmal auch „Psychologie heute“, doch in letzter Zeit häufiger die „einfach.sein“. Ich blättere sie durch und die meisten Artikel sprechen mich auf Anhieb an. Im Flugzeug versinke ich in den Seiten und kann darüber gerade so vergessen, dass ich ziemlich Durst habe und es für ein Unding halte, sogar für Wasser bezahlen zu müssen. (Selbst Schuld, wenn ich mich nicht im Vorhinein über die Airline informiere.)

Ich stoße auf einen Artikel, in dem ich mich auf besondere Weise wiederfinde. Es geht darum weniger zu machen, um mehr zu erreichen. Es geht um Pausen, altmodisch ausgedrückt „Müßiggang“. Ich mag solche altmodischen Begriffe. Manchmal drücken sie viel besser aus, was wir eigentlich meinen. Das Wort „Pause“ ist meiner Meinung nach ein wenig verkommen. Damit drücken wir aus, dass wir uns mit einem überfüllten Teller Nudeln auf die Couch fläzen und Serien schauen oder stundenlang auf Instagram herumscrollen. Oder wir meinen eine kurze Essenspause auf Arbeit – schnell etwas hineinschieben, weiter geht’s.

Müßiggang ist etwas ganz anderes. Wikipedia sagt: Müßiggang (…) bezeichnet das Aufsuchen der Muße, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen.“ Oha! Beim Müßiggang geht es um das bewusste Entspannen und zwar nicht erst an einem Punkt, an dem Erholung nötig ist, sondern bereits davor. Nichts Produktives tun und Gedanken schweifen lassen, wenn der Energietank noch nicht leer sondern noch genügend Energie vorhanden ist, um diese Pause aktiv durchzuführen.

In dem Artikel geht es darum, dass wir diesem Müßiggang zu wenig Raum geben und wie sehr er gerade für kreative Menschen notwendig ist, um Inspiration für die Arbeit zu sammeln. Große Wissenschaftler und Künstler, wie zum Beispiel Leonardo da Vinci, sollen wohl lang nicht 40 Stunden pro Woche gearbeitet und stattdessen lieber ausgedehnte Spaziergänge oder Ähnliches gemacht haben. „Die größten Genies erreichen manches Mal mehr, wenn sie weniger arbeiten“, sagte da Vinci selbst. Die Schreiberin des Artikels geht darin über zu analysieren, ob das nicht sehr faul ist und kommt schnell zu dem Schluss, dass wir in unserer heutigen Beschleunigungs-Gesellschaft nur leider etwas völlig anderes eingetrichtert bekommen haben. Mich braucht sie überhaupt nicht überzeugen. Preach it, sister!, denke ich: „Muße ist die Voraussetzung für Einfallsreichtum. Denn während wir an nichts Bestimmtes denken, unsere Gedanken schweifen lassen, ist unser Gehirn hochaktiv. Im sogenannten Default Mode Network tüftelt es an Problemen weiter, beseitigt, was uns beim Denken behindert, und entwickelt neue Lösungen.“ (Isabel Adolf, einfach.sein, 2/2018, S. 90 f.) Gute Ideen bleiben im Unterbewusstsein, wenn wir keine (echten) Pausen einlegen. Und mal ehrlich: wer kommt auf eine zündende Idee, wenn bereits stundenlange Arbeit hinter einem liegt und nur noch zwanghaft bis zum Feierabend durchgehalten werden muss?

Das beste Beispiel: die Dusche! Ich bin sicherlich nicht die einzige, die unter der Dusche vor sich hin träumt und das ein oder andere Licht aufgehen sieht. Wie schade ist es, dass genau dieser Müßiggang, diese Aktivität des Unterbewusstseins lediglich auf Momente wie die Dusche oder die Fahrt im Auto beschränkt ist? Zeiten, die wir nicht bewusst wählen. Was würde passieren, wenn ich mir bewusste Pausen nehme? An einem Zeitpunkt, an dem es noch nicht „zu spät“ ist? An dem ich nicht schon halb einschlafe oder fast verhungre? (Zum bewussten und regelmäßigen Pause machen kann ich übrigens auch folgenden Blogpost von Sarah vom Blog „honigdusche“ empfehlen: „Wie wäre es mit einer Pause? // Routinen einer Rebellin“ Dort geht es darum, einmal in der Woche 24 Stunden lang nur Dinge zu tun, die Freude machen.)

Wenn ich genauer darüber nachdenke, so fallen mir ein paar Situationen ein, in denen ich mir ganz automatisch eine Pause für Müßiggang genommen habe. Wenn ich zum Beispiel einen „kreativen Flow“ habe und sich ein Blog-Beitrag wie von selbst schreibt gelange ich manchmal ganz plötzlich an den Punkt, an dem ich merke: Ich sollte genau jetzt eine Pause machen, auch wenn ich voll drin bin. Aufhören wenn es am schönsten ist, sozusagen. Dann stehe ich auf, laufe ein wenig durch die Wohnung, mache irgendetwas anderes. Mein Kopf hört auf, sich bewusst zu konzentrieren, lässt die Gedanken einfach schweifen und kann dennoch im Unterbewusstsein an der Sache weiterarbeiten, da vorher noch keine völlige Erschöpfung eingesetzt hat. Der Wiedereinstieg fällt dadurch leicht!

Ich glaube, dass genau darin dass Missverständnis unserer heutigen Zeit liegt: „Wenn ich eine Pause einlege, ist es vorbei und ich kann meine Konzentration nicht wie vorher wieder zurückerlangen. Deshalb lieber keine oder nur wenig kurze Pausen.“ Das trifft allerdings nur für die Pausen zu, die der konkreten Erholung dienen, wenn ich mich bereits überarbeitet habe. Denn ja, wenn ich völlig erschöpft eine Pause einlege, dann ist die Wahrscheinlichkeit, daraufhin wieder voll konzentriert zu arbeiten, recht gering. Dann brauche ich schon eher ein ganzes Wochenende oder sogar einen Urlaub zur Erholung. Der Gedanke, diese Überarbeitung gar nicht erst zuzulassen und Müßiggang mehr in den Alltag zu integrieren, fasziniert mich. Eine Pause einzulegen, wenn ich gerade in Schwung bin – das erfordert Mut und ist nicht faul. Ganz im Gegenteil: Es steigert die Produktivität. Lesen, spazieren gehen, Musik machen, beim Essen ein Hörbuch hören… Das sind Dinge, die ich persönlich als Müßiggang bezeichnen würde und für mich mehr sind als Erholung. Es sind die Dinge, die mich inspirieren. Aktivitäten, nach denen ich gern wieder meine (bezahlte oder unbezahlte) Arbeit aufnehme.

„Je regelmäßiger, desto besser“, steht im Artikel und verweist auf gesunde Routinen. Und dann folgt ein Satz, den ich dringend hören musste: „Auch neurologische Studien belegen, dass Routinen Kreativität fördert – wenn wir selbst entscheiden können, wie wir unseren Tag einteilen.“ Ich habe mich immer zu Routinen hingezogen gefühlt und war doch frustriert, wenn sie mir von Außen vorgegeben wurden – Schule, Arbeit, … Wenn ich selbst keinen Sinn in einer Routine sah, war sie zum Scheitern verurteilt. Daraus schloss ich zeitweise, dass Routinen völlig unnötig sind. Heut weiß ich, dass die selbstbestimmten Routinen mir den perfekten Rahmen geben, um meine Kreativität auszuleben. „Na toll“, wirst du jetzt vielleicht denken. „Leider kann ich auf Arbeit nicht einfach dann Pausen machen, wann ich will.“ Aber auch mit unserer Freizeit können wir selbstbestimmt umgehen. Wer vielen Hobbys nachgeht, sich um Haus und Hof kümmern muss oder ehrenamtlich tätigt ist kennt sicherlich das Gefühl, dass Freizeit eher unbezahlter Arbeit gleicht. (Hier kannst du mehr über meine persönliche Definition von Arbeit lesen.) In diesen Bereichen können wir anfangen, uns häufiger für Müßiggang statt Überforderung zu entscheiden.

So sitze ich also im Flugzeug und freue mich bereits jetzt wieder darauf, meine selbstausgesuchten Routinen umzusetzen und gnädiger mit mir zu sein, wenn ich keinen 8-Stunden-Tag habe und stattdessen ein bisschen mehr Muße. Der Artikel bestätigt mich in meinem Vorhaben, früh aufzustehen, um die ersten Stunden des Tages selbstbestimmt zu gestalten und am Abend frühzeitig den Kopf wieder abzuschalten. (Viele Schriftsteller halten wohl gerade die Morgenstunden für die kreativste Phase des Tages.) Ich freue mich darauf, den Sonntag wieder mehr zu einem Tag des Müßiggangs zu machen und statt Netflix einzuschalten öfter zum Buch zu greifen.

Ich glaube, ich bin wirklich der einzige Mensch, der bereits auf dem Hinweg in den Urlaub gern wieder an den Alltag zu Hause denkt.

Constanze

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Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Privileg Putzen

Ich bin froh, dass ich mich momentan in einer Lebenssituation befinde, in der ich es schaffe, regelmäßig zu putzen.

Nein, ich bin nicht gerade ein Sauberkeitsfanatiker und in meinen Schränken sieht es meist eher kunterbunt aus. Wenn ich bei jemandem zu Besuch bin, ist es mir egal wie ordentlich es ist oder ob das Geschirr schon ein wenig länger neben der Spüle steht. Dennoch mag ich bei mir selbst eine gewisse, zumindest oberflächliche, Ordnung – weil es mir hilft, mich innerlich geordnet zu fühlen. Dies war auch einer der Gründe, warum ich mich mit der Thematik Minimalismus auseinandergesetzt oder mich mit Dingen wie „Reizüberflutung“ beschäftigt habe. Äußere und innere Ordnung hängen für mich zusammen.

In Zeiten, in denen ich weniger zu Hause war, habe ich den Haushalt schleifen gelassen. Entspannen und Auftanken war dann wichtiger, da habe ich klare Prioritäten. Und doch ließ mich die Unordnung zunehmend unzufrieden werden. Ich fühlte mich unsortiert und durcheinander. Dass ich es nun meist schaffe, einmal in der Woche zu saugen, das Bad zu putzen und die Küche halbwegs in Ordnung zu bringen ist für mich persönlich deshalb ein Gewinn. Doch ich muss zugeben: oft genug läuft diese wöchentliche Putzaktion sehr hektisch ab. Ich weiß, dass ich sie für ein gutes Gefühl brauche und doch quetsche ich sie in ein straffes Zeitfenster und erwarte von mir selbst Höchstleistungen, die mich ganz schön ins Schwitzen bringen können. Ich möchte Sauberkeit eben doch nicht zu wichtig nehmen. Es bleibt eine Notwendigkeit, die schnell erledigt sein soll. Es soll ordentlich aussehen, ja, aber die ein oder anderen Staubkörner dürfen ruhig auch einmal länger verweilen…

Am vergangenen Samstag lag allerdings mal wieder ein terminloser Tag mit lediglich zwei Vorhaben vor mir: Putzen und Fernstudium. Ich hätte sicherlich wieder einen Putzsprint einlegen können, um dafür mehr Freizeit zu haben. Stattdessen entschied ich mich, die Sache einmal anders anzugehen und mir bewusst Zeit für unsere Wohnung zu nehmen. Kennt ihr diese Dinge, die merkwürdigerweise immer liegen bleiben? Der Tischläufer, der zwar schon längst gewaschen ist, aber immer noch nicht gebügelt. Die Besteckfächer, in denen sich die Krümel bereits häuslich fühlen. Der Wasserkocher, der mal wieder entkalkt werden müsste. Diese kleinen Dinge, die einfach nicht wichtig genug erscheinen, um sie im alltäglichen Stress unterzubringen. Doch manchmal mache ich mir sogar dann Stress, wenn ich eigentlich gar keinen haben müsste. Lege einen Putzsprint ein, obwohl mich niemand antreibt. Gehe an diesen liegengebliebenen Aufgaben vorbei, nur weil irgendeine Stimme in meinem Kopf sagt, dass etwas anderes immer wichtiger ist. Klar, wenn ich mir mehr Zeit fürs Aufräumen nehme habe ich weniger Zeit für andere Aktivitäten. Aber ob ich diese Zeit sinnvoll nutzen würde? Ob ich mich nicht vielleicht sogar entspannter fühle, wenn ich ungeliebte Aufgaben etwas weniger hektisch angehe?

Dieses mal ging ich also entspannt durch die Wohnung und erledigte nacheinander die Baustellen, die mir ins Auge fielen und die ich sonst gern beiseite schob. Ich wischte zum Beispiel nicht nur über das Badregal, sondern warf auch einen Blick in die Behälter, die sich in diesem Regal befinden. Leere Zahnpastatuben, angefangene Schminke, die ich eh nicht benutze – Warum nicht einfach weg damit? Da bemerkte ich wieder, was mich so sehr am Minimalismus-Gedanken begeisterte. Was für ein befreiendes Gefühl war es, nach kurzer Entmüllungs-Aktion, diese halbleeren Behälter zu sehen, in denen nun nur Sachen enthalten sind, die ich auch verwenden kann! Wie schön ist es, zu einer Zahnpastatube zu greifen und zu wissen, dass aus ihr auch etwas herauskommt. Es sind diese wenigen Handgriffe weniger, diese kleinen positiven Veränderungen, die in der Masse einen Unterschied machen. Ein Wasserkocher, der entkalkt ist? Da fühlt sich das Tee zubereiten doch viel schöner an. Ein sauberer Küchenschrank? Da schau ich viel lieber hinein.

Ich habe bei Weitem nicht alles sauber gemacht, was sauber gemacht werden müsste. Doch ich habe ein paar dieser Dinge erledigt, die mich unbewusst die ganze Zeit gestört haben. Meist erscheinen sie mir so klein und unbedeutend. Und doch belastet es, wenn ich jedes Mal beim Öffnen der Besteckschublade denke: „Mensch, diese Krümel! Die müssten eigentlich auch mal weg!“ (Apropos… Wo kommen die eigentlich her?)

Ich habe erkannt, dass es ein Privileg ist, sich Zeit zu nehmen. Eben auch fürs Putzen. Dieses Privileg werde ich vielleicht nicht immer haben und es wird wieder Phasen geben, in denen die Besteckkrümel das Unwichtigste auf der Welt sein werden. Aber wenn ich heute die Zeit geschenkt bekomme, meinen Kopf durch Aufräumen zu entlasten, damit er freier für anderes sein kann – warum dann nicht aufräumen?

Denn im Endeffekt geht es gar nicht darum, wie wichtig Putzen ist oder welche Priorität wir der Ordnung in unserer Wohnung einräumen. Es geht darum, angemessen auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Manchmal bedeutet es, dass Ordnung eine hohe Priorität hat, manchmal weniger (In Zeiten von Umzügen beispielsweise muss ich meine Ansprüche diesbezüglich deutlich herunterschrauben und meine Auftank-Oasen lieber außerhalb der Wohnung suchen). Doch wenn du etwas tun kannst, um dir mehr Freiheit im Kopf zu verschaffen, dann mach es! Sich Zeit für scheinbar Banales zu nehmen zahlt sich in Lebensbereichen aus, die wiederum höchste Konzentration verlangen. Sich Zeit zu nehmen für Dinge, die unwichtig erscheinen – das ist Luxus. Es entspannt, entschleunigt und gibt als Bonus auch noch Raum zum Nachdenken.

Nachdem ich meine Ordnungs-Aktion beendet hatte, setzte ich mich entspannt vor meine Studiums-Materialien. Hätte ich mir weniger Zeit für meine Wohnung genommen hätte ich womöglich nur mehr Youtube-Videos geschaut oder auf Instagram herumgescrollt statt produktiv etwas anderes zu machen. Nun war ich entspannt und produktiv zugleich gewesen. Und das nur, weil ich erkannt habe, dass auch „Unwichtiges“ mal wichtig sein darf und dass ich mich, so oft es geht, nicht selbst zur Hektik antreiben sollte.

Constanze

(Photo by Caroline Attwood on Unsplash)

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Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Reizüberflutung vorbeugen

Heute früh bin ich um 6 Uhr aufgestanden – yey! Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt weiß, dass ich mir das Frühaufstehen schon öfter konkret vorgenommen habe. Heute habe ich es mal wieder mit voller Absicht versucht, nicht nur so halbherzig. Und statt auf halb 7 habe ich den Wecker ganz optimistisch auf um 6 Uhr gestellt, denn mal ehrlich: Wenn es draußen schon hell und lebendig ist, wie kann ich da noch faul in den Federn liegen? Ja ja, ich weiß. Können ist hier der falsche Begriff. Aber ich gehöre prinzipiell zu der Sorte Mensch, die sowieso früher oder später vom Licht aufwachen würde. (Und nein, ich schaffe mir keine Verdunkelungsvorhänge an. Da bekomme ich Platzangst. Aber das ist ein andere Geschichte…)

Und ich bin nicht nur freiweillig um 6 Uhr aufgestanden. Ich habe auch freiwillig erst über zwei Stunden später mein Handy eingeschaltet. Ach, war das herrlich! Ich habe gelesen, gefrühstückt und Sport gemacht und war dabei voll hier. Nur hier. In meiner Wohnung. Mit Körper und Geist.

Wenn du das sowieso immer bist, dann hast du meinen vollsten Respekt. Doch mir ist in den letzten Wochen mal wieder verstärkt aufgefallen, wie sehr mich mein ständiger Begleiter, das Smartphone, auf die Palme bringt – natürlich nicht bewusst. Bewusst nehme ich die Praktikabilität der schnellen Erreichbarkeit wahr, nehme Sprachnachrichten für Freunde auf und freue mich, dass ich sofort ein Youtube-Video einschalten kann, sobald ich „langweiligen“ Tätigkeiten wie Küche aufräumen, allein essen oder Zähne putzen nachgehe (Darüber habe ich schon einmal hier geschrieben). Ja, mir ist bewusst, dass es eigentlich nur auf das richtige Maß ankommt. Die Frage ist nicht ‚alles oder nichts‘. Und doch merke ich das immer erst zu spät… nämlich erst dann, wenn ich mich in einer stressigen Zeit befinde und mein Kopf überall verstreut ist. Wenn ich Entscheidungen treffen muss und gefühlt eine wichtige Information nach der anderen auf mich einströmt. Und dann auch noch der ganze Input aus dem Handy? Bilder, Nachrichten, Videos und Co.? Ich nehme es meinem Kopf nicht übel, dass er das nicht alles verarbeiten kann und meine Produktivität sich nach und nach verabschiedet.

Vielleicht ist das komisch. Aber für mich war es wirklich ein wahnsinnig tolles Gefühl, diese ersten Stunden des Tages nur für mich zu haben. Das was ich tat, tat ich mit voller Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich ist das der Lebensstil, den andere als „achtsam“ bezeichnen würden. Ich stellte außerdem erneut fest, wie sehr Lesen meine Konzentration schult, auf positive, unangestrengte Weise (zumindest wenn mir die Lektüre zusagt). Und eigentlich war ich überzeugt davon, dass ich nie im Leben vor um 8 Uhr Sport machen könnte. Aber heute ging das, einfach weil ich schon vorher die Zeit hatte in Ruhe zu frühstücken und Energie zu tanken.

Gegen 8:15 schaltete ich mein Handy ein. Und ja, da waren tatsächlich eine Menge Nachrichten, die mich noch am Abend zuvor (nachdem ich mein Handy bewusst frühzeitig ausgeschaltet hatte) erreicht hatten. Die Annahme, dass diese mich nun komplett überwältigen würden, traf jedoch nicht zu. Denn auch das Einschalten des Handys und das Checken der Nachrichten geschah bewusst und es fiel mir erstaunlich leicht, schnell zu entscheiden, auf welche Nachrichten ich kurz antworten, mit welchen ich mir noch Zeit lassen konnte und welche keine Antwort benötigten. Mit solchen Entscheidungen ist mein Kopf manchmal den ganzen Tag über beschäftigt, weil ich mich ihnen dauerhaft aussetze. Ich lasse die Reize sozusagen ungehindert auf mich einströmen. Doch es gibt tatsächlich so etwas wie Entscheidungsmüdigkeit! Einen Punkt, an dem es sogar zu viel wird, zu entscheiden was man anziehen soll. Es sind die kleinen, sich anhäufenden Dinge, die manchmal das Fass zum überlaufen bringen können. Doch dem kann ich vorbeugen.

Auch nachdem ich mein Smartphone eingeschaltet hatte, stellte ich erfreut fest, dass ich konzentrierter meinen weiteren Tätigkeiten nachging. Dass ich mich besser dazu durchringen konnte, förmliche E-Mails zu schreiben und festzulegen, welche To do’s Vorrang haben. Dass ich beschwingter zum Supermarkt lief. Dass ich mehr Kraft für die Fahrradfahrt in die Stadt hatte. Ich fühlte mich einfach bereit für den Tag.

Für mich persönlich geht das alles Hand in Hand: eine gute Morgenroutine, Umgang mit dem Handy, genügend Schlaf… Da ich schnell reizüberflutet sein kann, nutze ich das bewusste Kontrollieren dieser Dinge, um ein Stoppschild vor die Überforderung zu setzen. Wer Reize nicht so ungefiltert aufnimmt, benötigt das vielleicht nicht. Doch wenn auch bei dir manchmal alles „einfach nur zu viel im Kopf ist“ und du nicht einmal mehr weißt, woran genau es überhaupt liegt, ermutige ich dich, kleine Alltagsgewohnheiten zu hinterfragen und neu auszurichten. Wie viel Input bist du tagtäglich ausgesetzt? Welcher Input ist nötig und welcher kann getrost verringert werden? Was kann dir helfen, bewusster im Hier und Jetzt zu leben? Mal funktionieren meine daraus resultierenden Vorhaben, so wie heute, mal auch nicht. Aber ich freue mich schon auf den nächsten ausgedehnten Morgen und werde selbst immer wieder Antworten auf diese Fragen suchen.

Was hilft dir, Reizüberflutung vorzubeugen? Kann auch dich manchmal allein schon dein Handy überfordern? Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören. Schreib mir dazu gern an: untangledforyou@gmail.com oder einen Kommentar bei Instagram oder facebook. (Warum es hier vorerst leider keine Kommentarfunktion mehr gibt, kannst du hier nachlesen.)

Constanze

(Photo by Chris Adamus on Unsplash)

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Achtung, ich kommeee…

Vor kurzem bin ich unter die Fahrrad-Fahrer gegangen. Das war eigentlich nie mein Ding, trotz wiederholter Versuche. Zuletzt hat es mir glaub ich Spaß gemacht, als ich mit meinen Mädels am Freitag Nachmittag zum Teenager-Treff unserer Gemeinde gefahren bin. Aber das war wohl was anderes. (Und auf dem Weg gab es Brombeer-Sträucher, hmm.)

In meinem Freiwilligen Sozialen Jahr legte ich mir ein gebrauchtes Fahrrad zu – überzeugt davon, dass ich mehr Sport machen müsste. (Joggen hatte ich zu diesem Zeitpunkt mal wieder abgewählt. Von meinem geliebten Pop Pilates hatte ich damals noch kein Ahnung.) Klappernd und ohne Licht suchte ich mir die verworrenen Wege durch die Großstadt Dresden. Ich hatte kein Händchen dafür, die besten Fahrrad-Pfade ausfindig zu machen. Eher fuhr ich konsequent über unbequemen Schotter. Orientierung ist leider nicht mein Ding. Genau das hat mich immer abgeschreckt: Ich musste mir vorher einen genauen Plan über meine Route machen, sonst ging ich verloren. Das waren noch Zeiten, als mir dabei eine echte Karte behilflich war statt Google Maps… Und erst als ich gemeinsam mit anderen auf dem Fahrrad unterwegs war, stellte ich fest, dass ich nur dann wirklich schnell vorankam, wenn ich durchgängig in die Pedale trat. Wie, was? Durchgängig treten? Das war ja wirklich Sport!

Doch der größte „Abturner“ war wohl immer das Hervorholen aus dem Keller. Puh. Man erkläre mir bitte das Geheimnis des „Gleichzeitig Tür aufhalten und Fahrrad durchschieben“’s… Ach und dann noch dreimal um die Ecke und die Treppe hoch natürlich. Das gleicht einer Tanz-Routine, die man vielleicht nach langer Übung meistert und dann nicht einmal mehr weiß, wie genau man das eigentlich anstellt.

Und zum Schluss: das verschwitzte Ankommen und die Helm-Frisur. Herzlichen Glückwunsch.

Und doch habe ich es nun getan. Ich habe mir ein Fahrrad angeschafft. (Das alte 50-Euro-Gestell wurde mir geklaut, als ich vergaß, es in der Innenstadt anzuschließen und aus dem Geschenkten danach sprang regelmäßig die Kette heraus.) Jetzt habe ich ein wirklich Funktionierendes. Um ehrlich zu sein: Die Motivation für den erneuten Versuch, Fahrrad zu fahren, war rein finanziell. Doch wir haben mehr als 50 Euro investiert, damit es auch Spaß machen würde. Denn ja, ich habe Lust darauf, Spaß daran zu haben! Dieses mal will ich es richtig machen. Ich will zur richtigen Fahrrad-Fahrerin werden. So eine, die ohne Schwitzen lässig den Berg hochkommt und schneller ist als die Straßenbahn. (Mal wieder übermotiviert? Ein wenig vielleicht.) Ich fahre nun seit etwa drei Wochen regelmäßig und wisst ihr was? Es hat funktioniert. Ich habe Spaß!

Das durchgängige Treten…

… funktioniert jetzt wahrscheinlich deswegen besser, weil ich seit Anfang des Jahres bereits mehr Sport mache. Meine Beine sind sozusagen ready. Ach und die Berge gehen auch irgendwie. Bloß nicht ohne Schwitzen und auch nicht unbedingt lässig…

Die Orientierung…

… ist in der Heimatstadt zum Glück leichter als im großen Dresden. Und mein Mann als erfahrener Fahrrad-Fahrer hat außerdem den einen oder anderen Tipp für die optimale Route.

Der Weg aus dem Keller…

… ist glaub ich tatsächlich erlernbar. Ich bin noch dabei. Die Tanz-Routine sitzt noch nicht so ganz. Und ich gebe zu: Oftmals parkt das Fahrrad auch im Wohnungsflur, der eine ideale Größe dafür hat. So oder so denke ich einfach nicht mehr so viel darüber nach. Denn folgendes stimmt jetzt:

Die Motivation…

Ja, ich fühle es – dieses Freiheits-Gefühl beim Fahrrad fahren. Die Motivation ist nicht rein finanziell geblieben. (Aber es hilft: „Wie oft muss ich fahren, bis ich durch die eingesparten Straßenbahnfahrten die Kosten für das Fahrrad wieder drin hab?“) Doch da ist auch der Fahrtwind, wenn ich den Hügel herunterrausche, der aus unserem Neubaugebiet in das Stadtinnere überleitet. Die Herausforderung, wenn ich diesen Berg auf dem Rückweg wieder hoch muss. Die Überzeugung, dass ich nicht schieben werde. Die Freiheit, losfahren zu können, wann ich möchte und nicht auf Straßenbahnzeiten angewiesen zu sein. Das Gefühl, dass ich mich selbst von A nach B transportiere und nicht einfach nur aufs Gaspedal trete. Ganz ohne Umweltverschmutzung und gleichzeitig gesund. Genial, oder?

Dieser Gesundheitsaspekt ist mir noch einmal besonders bewusst geworden, nachdem ich mir vor ein paar Tagen den Dokumentar-Film „Embrace“ angeschaut habe. Fotographin Tayrin Brummfitt macht sich darin auf den Weg herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper hassen und nicht so akzeptieren können, wie er ist – egal ob dünn, dick oder dazwischen. Sie ermutigt, zu Falten, Fettpölsterchen und Schwangerschaftsstreifen zu stehen. Sie möchte dem verdrehten Schönheitsideal unserer westlichen Welt etwas entgegensetzen. Was das mit Fahrrad fahren zu tun hat?

Mich fasziniert es, wie Tayrin darauf aufmerksam macht, gesund zu leben – und dass das nichts mit der Körperform zu tun. Sie selbst hat keine „typische Model-Figur“ und doch kann sie einen Marathon laufen. Darum geht es! Wenn ich Fahrrad fahre, wird mir das bewusst. Bewegung tut gut. Frische Luft tut gut. Das wird mich positiv verändern, auf meine ganz eigene Art und Weise. Ich hab das Gefühl, dass manche Leute mich manchmal schräg anschauen, wenn ich davon erzähle, Sport zu machen: Ich sei doch total schlank, ich könne doch machen, was ich will. Doch das ist überhaupt nicht der Punkt! (Und nebenbei: Genauso wie viele Frauen unbedingt abnehmen wollen gibt es einige, die unbedingt zunehmen wollen… Menschen sind einfach nie zufrieden). Viel mehr geht es um dieses gesunde Gefühl, wie zum Beispiel beim Fahrrad fahren. Darum, wie das Blut zirkuliert, der Kreislauf in Schwung kommt und ich von mal zu mal stärker und ausdauernder werde.

Was vermittelt dir dieses Gefühl? Was hält dich in Schwung? Nein, nicht jeder muss Fahrrad fahren. Bewegung kann so vielfältig sein und ich freue mich, das zu entdecken. Ich lerne Spaziergänge mehr zu schätzen. Eine kurze Pilates-Übung zwischendurch, wenn ich mich eingerostet fühle. Dehnungen. Und gerade freue ich mich darauf, nachher mit dem Fahhrrad durch die strahlende Sonne zur Arbeit zu düsen. Was ich gegen Schweiß und Helmfrisur beim Ankommen mache? Deo und Bürste. Fertig.

Und im Hochsommer? Mal sehen…

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

8 Gedanken zur Klamottentauschparty

Sechs Mädels, ein Kleinkind, ein Baby und ein Berg voller Klamotten in allen möglichen Größen, Formen und Farben. Vergangenen Sonntag war es mal wieder soweit:  Ich durfte Gastgeber einer Klamottentauschparty sein. (Was das sein soll und wieso? Einmal hier klicken.) Endlich einmal wieder! Das „tauschen“ im Wort ist übrigens nicht wirklich relevant. Wir beschenken uns einfach gegenseitig und dies ist wohl im Endeffekt wieder ein Tausch… Hier folgen nun acht Dinge, die ich mir von diesem lebhaften, fröhlichen, sehr ergiebigen Nachmittag mitnehme:

1.) Ich bin normalerweise eine Gastgeberin, die sich konstant darum sorgt, dass es allen Gästen gut geht. Wenn Klamotten im Spiel sind, ist das leichter: alles dreht sich um die Klamotten! Und alle anderen Sorgen scheinen vergessen. Es ist zum Beispiel erst reichlich spät jemandem aufgefallen, dass man mal lüften könnte… Und außerdem: Lieber davor ausgiebig essen und trinken. Währenddessen ist definitiv keine Zeit.

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2.) Dieses Mal haben wir es so gemacht, dass jeder seine mitgebrachten Klamotten selbst nacheinander präsentiert hat. Die anderen konnten sofort sagen, ob sie das angepriesene Teil anprobieren wollten oder nicht. Angesichts der Menge der mitgebrachten Klamotten hat das wirklich lange gedauert – aber sehr viel Freude bereitet! Es war ein bisschen wie Geschenke auspacken zu Weihnachten. Das macht auch mehr Spaß, wenn man sich gegenseitig zuschaut und jede Sache einzeln würdigt. (Zumindest, wenn man erwachsen ist…)

3.) Ich habe tolle Freundinnen. „Nein, das steht dir viel besser als mir. Bitte behalt es.“ „Das sieht richtig gut aus!!“ Und gleichzeitig liebevolle Ehrlichkeit: „Hm, ne, irgendwie nicht so richtig.“ „Ja, ne, ich fühle es auch nicht wirklich.“

4.) Wir sind noch absolut kein kinderfreundlicher Haushalt. Natürlich kann es einem Kind langweilig werden und es verlangt Aufmerksamkeit, wenn sechs Frauen wie verrückt damit beschäftigt sind, sich gegenseitig einzureden, wie gut jemandem etwas steht. Ob wir Kakao da haben? Kein Instant-Pulver, nur zum selbst kochen. Joghurt? Nur griechischen Naturjoghurt. (Ich merke erst jetzt, wie „alternativ“ das klingt.) Ich bin froh, dass meine Mütter-Freundinnen trotzdem gern kommen! Und im Endeffekt kann auch aus griechischem Natur-Joghurt, Marmelade und Zucker etwas Leckeres gezaubert werden. Ach so, und dann sind da noch die weißen Möbel und die vielen Kakteen… Aber wie schön ist es zu sehen, wie das Baby herumgereicht wird, damit auch die Mutter mal in Ruhe Klamotten anprobieren kann. Und die weißen Möbel durchlaufen eben ihren ersten Härte-Test. Nur Frauen mit Kindern können etwas gemeinsam unternehmen oder nur Frauen ohne Kinder? Keinesfalls.

5.) Es ist unglaublich, wie wenig Kleidergrößen eine Rolle spielen. Ich fand es total schön mit anzusehen, wie immer wieder verschiedene von uns das gleiche Teil anprobieren konnten und es bei jedem ganz anders aussah. Nur weil etwas auf den ersten Blick zu eng oder zu weit wirkte, war das nicht unbedingt ein Grund, es nicht auszuprobieren. Häufig wurden wir überrascht! Ich liebe es, auf diese Weise mit Klamotten zu experimentieren und meine Freundinnen zu neuen Stilen zu überreden. („Und wann soll ich das dann tragen?“ „Na ganz normal, an einem Sonntag zum Beispiel!“ „Die Farbe habe ich eigentlich noch nie getragen.“ „Ja, warum eigentlich nicht?“)

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6.) Die ganz besonderen Kleidungsstücke sind die, die man auf den ersten Blick wiedererkennt. „Aber das hast du doch so oft und auch noch in letzter Zeit getragen!“ Wenn man so ein Kleidungsstück ergattern kann, hat es besonders viel Wert, finde ich. Es ist, als ob eine Freundin dir einen alten Begleiter anvertraut. Jap, da bin ich wohl ein wenig sentimental, aber für mich sagen diese Klamotten: „Trag mich und belebe mich neu, denn ich bin etwas Besonderes!“

7.) Besonders lustig waren die Momente, in denen jemand ein Kleidungsstück von der letzten Klamottentauschparty hervorgezogen hat, das den gewünschten Job einfach nicht erfüllt hat. Und wir waren uns alle einig: Das ist erlaubt. Es ist eben ein ewiger Kreis. Außerdem: Lieber wieder zum Verschenken anbieten als wegschmeißen. Oder die Klamotten, bei denen ein Blick genügt und alle sofort wissen: „Jap, wir wissen noch, als das mal modern war…“

8.) Wir brauchen einen Spiegel. Einen richtigen Ganzkörperspiegel. Ja, wir haben einen. Er hängt am Schrank im Arbeitszimmer meines Mannes. Ungünstiger Ort für eine Klamottentauschparty…

Am Ende ist natürlich vieles übrig geblieben. Was man damit dann anstellen soll? Entweder in anderen Freundeskreisen anbieten, spenden, doch noch einmal eine Chance geben… Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich für meinen Teil habe mir definitiv die nächste Shopping-Tour gespart. Und gleichzeitig eine Menge Spaß und Gemeinschaft genossen. Das war nicht das letzte Mal!

Constanze 

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle, Motivierendes

Kleines Alltags-Update: Routinen und Selbstorganisation

Seit kurzem schaffe ich es wieder öfter, früh aufzustehen. Und ich liebe es mehr als je zuvor! Ob das wohl daran liegt, dass ich es mir nicht mehr konsequent vorgenommen und ich mich somit weniger unter Druck gesetzt habe? Möglicherweise. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr mein Leben durch einen Wechsel von konkreten Vorhaben und einem „nach dem Gefühl gehen“ profitiert. Momentan ist es 8 Uhr und die Sonne scheint in mein Fenster. Wer freut sich genauso wie ich über die zunehmende Helligkeit? Mein Mann und ich sind darüber jedes Jahr total aus dem Häusschen. „Stell dir vor, heute war es schon halb 8 hell!“ „Ja, und als ich nach Hause gekommen bin, war es noch nicht dunkel!“ Wir freuen uns darüber wie kleine Kinder. Ist es nicht erstaunlich, wie sehr der Frühling einen Neuanfang und ein Aufatmen mit sich bringt? Neuen Schwung. Neue Energie.

In meinen letzten Blog-Beiträgen habe ich euch immer wieder an meinen Vorhaben teilhaben lassen und Tipps zum Thema Organisation und Alltagsgestaltung mit euch geteilt, wie zum Beispiel das Früh-Aufstehen oder meine neue Sport-Routine. Heute ist es Zeit für ein kleines Update! Und ich möchte die ein oder andere Lektion mit euch teilen, die ich dabei gelernt habe.

1.) Früh Aufstehen = früh ins Bett gehen

Mein Vorhaben, früh aufzustehen hing im Wesentlichen davon ab, ob ich es schaffte, früh ins Bett zu gehen oder nicht. Da ich das nicht konsequent durchsetzen konnte, scheiterte ich häufig und ließ die Sache dementsprechend schleifen – bis ich zu der ultimativen Erkenntnis kam, den Vorsatz umzuformulieren: Früh ins Bett gehen! „Heey, was für eine Erkenntnis“ mögt ihr jetzt vielleicht denken, aber für mich war sie tatsächlich entscheidend. Ich glaube, dass ich viel zu oft Ziele im Blick haben, die erst nach anderen Schritten folgen könnten, welche ich wiederum nicht ins Auge fasse. Anders formuliert: Ich muss Ziele in einzelne Schritte herunterbrechen. Sonst funktioniert das nicht. Ich kann mir noch so oft vornehmen, früh aufstehen zu wollen – Wenn ich meinen Fokus nicht erst einmal darauf setze, früh ins Bett zu gehen, wird das nichts. Hier lag somit meine erste kleine Baustelle. Und ich machte mir zum ersten Mal konkret Gedanken darüber, was mich davon abhielt, früher ins Bett zu gehen und wie ich dem entgegenwirken könnte.

Dabei fiel mir folgendes auf: Ich erlaubte mir nicht, schon früher den Tag „zu beschließen“. Häufig denke ich, dass ich am Abend noch viel schaffen muss. Zu dieser Zeit bin ich jedoch oft nicht mehr produktiv (es gibt Ausnahmen – der nächtliche „Kreativflow“…) und es würde viel mehr Sinn ergeben, wenn ich diese Zeit zum Schlafen nutzen würde, um am Morgen wieder effektiv sein zu können (siehe auch Punkt 4). Ich fing also an, meinen Tag schon früher gedanklich zu beenden und nahm mir Zeit für eine ausgedehntere Abendroutine: Aufräumen, Sachen für den nächsten Tag packen, Bullet Journaling, eine Folge One Tree Hill (gestern habe ich die letzte geschaut!!!), lesen… Eine aufgeräumte Wohnung am Abend hilft mir außerdem, um am Morgen motiviert zu starten. Und ich komme immer wieder zu der Erkenntnis: Zeit für Ruhe lohnt sich. Nicht nur in dem Moment, sondern auch auf lange Sicht!

Und wenn das nicht möglich ist, da ich erst spät nach Hause komme, akzeptiere ich es und werfe nicht gleich wieder das ganze Vorhaben über den Haufen. Ich probiere es einfach immer dann, wenn es möglich ist.

2.) Handy am Morgen

Ich hatte mir vorgenommen, am Morgen erst dann mein Handy einzuschalten, nachdem ich ein wenig Zeit mit Gott verbracht hatte. Der Sinn dahinter: Sich über die eigentlichen Prioritäten im Leben klar werden bevor man sich oberflächlichen Input via Handy (YouTube – mein Laster…) zuführt. Und nicht nur das: Auch Nachrichten über WhatsApp und Co. können unter Umständen nerven. Ich gehe jedoch viel positiver an das Beantworten von Nachrichten heran, wenn ich bereits positiv in den Tag gestartet bin.

Vorhaben schön und gut. Auch hier fällt mir die Umsetzung manchmal schwer. Ich liebe es einfach, irgendetwas im Hintergrund dudeln zu lassen während ich mich schminke oder mein Frühstück vorbereite. Das ist an sich auch nichts Schlechtes, doch der Negativeffekt: Wenn ich fertig mit Frühstücken oder Schminken bin schaffe ich es irgendwie nicht, das Handy wieder beiseite zu legen.

Seitdem ich das Handy wieder konsequenter liegen lassen, ist viel mehr Ruhe in meinen Morgen gekommen. Ich genieße es so sehr, mit einem Kaffee auf der Couch zu sitzen und erst einmal in der Gegenwart Gottes „zu baden“, bevor ich mit irgendetwas anderem anfange…

3.) Finde deine optimale Zeit für Sport.

Kennt ihr diese Leute, die davon überzeugt sind, Sport gleich früh nach dem Aufstehen zu machen? Ich bin ziemlich beeindruckt von ihnen. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass das tatsächlich für jeden die beste Zeit ist. Angeblich soll einen das so richtig fit und bereit für den Tag machen. Ich verstehe den Gedanken dahinter.

Doch meine Versuche sind kläglich gescheitert, denn die Wahrheit ist: Wenn ich sofort, nachdem ich aus dem Bett gestolpert bin, richtig Sport treiben würde, würde ich geradewegs zusammenklappen. Mein Kreislauf macht das nicht mit. Dehnungen und ein paar leichte Pilates/Yoga-Übungen, okay. Aber alles, was nur ein bisschen in die Richtung Cardio geht, funktioniert bei mir erst nach einem ordentlichen Frühstück. Und selbst danach bin ich noch nicht 100% körperlich da. Ähnlich ist es bei mir am Abend. Meine optimale Zeit zum Sport machen ist somit mitten am Tag und durch meinen momentan flexiblen Alltag schaffe ich häufig, dies auch zu realisieren.

Was ich damit sagen möchte: Lass dir von niemanden sagen, wann die perfekte Zeit für Sport ist. Finde deine perfekte Zeit. Ich hab schon von Leuten gehört, die um Mitternacht ins Fitness-Studio gehen… (Und mal so nebenbei: Lass dir auch von niemanden sagen, was die perfekte Sportart- oder menge ist.)

4.) Finde deine produktive Arbeitszeit.

Ich glaube außerdem, dass jeder Mensch zu einer anderen Zeit besonders produktiv ist. Was machen wir jedoch viel zu häufig (zumindest ich den Großteil meines bisherigen Lebens…): Wir versuchen, den ganzen Tag über gleichmäßig hochproduktiv zu sein, statt unsere körperlichen und geistigen Grenze zu akzeptieren. Leistung, Leistung, Leistung. Mindestens 8 Stunden am Tag! Wer schon einmal Vollzeit gearbeitet hat, dem ist wahrscheinlich aufgefallen, dass die Leistungsfähigkeit den Tag über jedoch schwankt.

Wenn du deine Arbeit selbstständig einteilen kannst, gebe ich dir deshalb folgenden Tipp: Finde die Stunden am Tag, in denen du am effektivsten bist und nutze sie. Für mich persönlich sind das die Vormittagsstunden zwischen 8 und 12 Uhr. Wenn ich diese Stunden richtig nutze, habe ich das Gefühl, mein ganzes Tagespensum geschafft zu haben und ich kann mich am Nachmittag weniger denkintensiven Aufgaben widmen. Das kann ich vor allem Studenten in der Prüfungszeit empfehlen: Da keine Vorlesungen stattfinden liegt unter Umständen der Trugschluss vor, den ganzen Tag fleißig lernen zu können – in den meisten Fällen ist das jedoch eine Illusion. Ich bin überzeugt, dass gerade das Lernen seine Grenzen hat. Wir können unser Gehirn nicht unbegrenzt mit Input vollstopfen. Wir benötigen regelmäßigen Ausgleich dazu!

Das Tolle ist: In den meisten Fällen reichen tatsächlich meine wenigen produktiven Stunden für mein Tages-Lernpensum. Das gleiche, was ich manchmal über den ganzen Tag verteilt versuche zu machen (mit vielen Durchhänger- und Müdigkeitsphasen), schaffe ich oft in meinen vier Vormittagsstunden.

Mir ist bewusst, das mein Lebensstil vielen Menschen überhaupt nicht zusagt. Mein Mann und ich zum Beispiel sind ziemlich verschieden, was die Organisation unseres Alltags angeht (er ist eine Nachteule und überhaupt kein Morgenmensch). Deswegen geht es mir in Blog-Beiträgen auch überhaupt nicht darum, zu einer bestimmten Alltagsroutine zu raten. Es geht mir darum, zu einem persönlichen Hinterfragen von Alltagsroutinen anzuregen: Wo nehme ich mir zu wenig Zeit für etwas, wo zu viel? Was sind meine Prioritäten? Wie viel Zeit nehme ich mir, um aufzutanken? Wie gleiche ich stressigen Arbeitsalltag aus? Ich glaube, dass du dir aus den Antworten auf solche Fragen deine ganz persönlichen Alltagstipps ableiten kannst. Ich wünsche dir viel Freude dabei. 🙂

Constanze

(Photo by Carolina Bonito)

 

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Nachhaltig konsumieren, aber wie? – Klamotten, Shoppen und Co.

In dem dritten Beitrag meiner Minimalismus-Reihe habe ich bereits über meinen Versuch berichtet, bewusster einzukaufen. Heute möchte ich noch einmal ein wenig konkreter werden: fair einkaufen. Nachhaltig einkaufen. Umweltbewusst konsumieren. Wie ist das möglich? Immer wieder begegnen mir Menschen, die die „Fair Trade“-Bewegung befürworten und sich wünschen würden, mehr fair einkaufen zu können. Das Bewusstsein öffnet sich für die schlimmen Bedingungen, unter denen viele Menschen auf der ganzen Welt angestellt sind und arbeiten müssen. Weggucken wird schwerer. Und nicht nur das: All die billige Massenproduktion hat nicht nur eine direkte Auswirkung auf Menschen, sondern auch auf unsere Umwelt – und somit indirekt wieder auf uns.

Da dreht sich schon mal der Kopf! Wo soll man nur anfangen? All diese Weltverbesserungs-Möglichkeiten… Ist das nicht alles nur ein dummer Trend, der irgendwann wieder nachlässt? Ich möchte nicht bestreiten, dass manche dieser Bewegungen wie ein Trend erscheinen und fast „zur Religion“ werden, wenn sich das ganze Leben darauf ausrichtet. Doch meist steckt wirklich etwas dahinter. Deswegen ist mir folgendes wichtig geworden:

Kleine Schritte zählen!

Kennt ihr diesen alten afrikanischen, häufig zitierteten Spruch: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“? Dieser Spruch erscheint auf den ersten Blick nicht zufriedenstellend: Nur kleine Schritte? Kleine Orte? Was bringt das denn!

Ich glaube zutiefst an diese Aussage. Denn wenn wir das nicht tun – was dann? Klar wäre es cool, wenn wir immer große, weltverändernde Dinge bewegen könnten und es ist auch nicht so, dass ich nicht daran glaube, dass dies prinzipiell möglich ist. Doch die großen Veränderungen schüchtern uns auch ein. Sie stehen wie ein Berg vor uns und auf einmal trauen wir uns nicht mehr, auch nur einen winzigen Schritt zu gehen. Doch um genau diese kleinen Schritte geht es. Dieses viele Kleine, dass sich sich zu Großem summieren wird.

Solche Gedanken helfen mir dabei, wenn die ganzen Weltverbesserungs-Möglichkeiten wie ein Berg vor mir stehen. Denn ja, fairer Handel liegt mir sehr am Herzen – aber ich setze es noch lange nicht konsequent in meinem Leben um. Ein Grund dafür ist unter anderem das liebe Geld und das höre ich auch von vielen Menschen in meiner Umgebung. Das könnte mich deprimieren und ich könnte von Anfang an sagen: „Gut, das wird also eh nie klappen, außer ich werde reich – also lasse ich es einfach.“ Oder ich denke kleinschrittig, vielleicht ein paar mal um die Ecke und werde kreativ. Außerdem werde ich nicht mehr versuchen, alles gleichzeitig zu verbessern. Immer wenn ich versuche, in allen Bereichen meines Lebens fair und biologisch einzukaufen, Plastik zu vermeiden, umweltbewusst zu leben, … gebe ich schnell wieder auf. Es überfordert mich. Und ich habe mir sowieso bereits ganz automatisch eigene Schwerpunkte gesetzt, mit denen ich mich gern beschäftige: Das Shoppen von Klamotten, Schmuck, Accessoires und Co. sowie Kaffee und hin und wieder andere Lebensmittel. Mit diesen Bereichen setze ich mich gern auseinander. Fairer Handel hat ganz direkt etwas mit dem Menschen zu tun, und da mir Soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt, ist das „mein“ Bereich.

Und wisst ihr, was das Tolle daran ist? Andere Menschen haben ganz andere Schwerpunkte! Anderen fällt es leicht, Plastik zu vermeiden, biologisch oder regional zu kochen, Wasser zu sparen… Und da sind wir wieder: Es summiert sich. Und wir können uns gegenseitig inspirieren. Ich habe es satt, dass Menschen sich gegenseitig verurteilen, weil der eine nicht einsieht, dass es für die Umwelt besser ist, vegan zu leben und der andere es unnötig findet, dass man für Plastiktüten mittlerweile bezahlen muss. Ist es nicht wunderbar, dass jeder für etwas anderes brennt? Dass jeder in einem anderen Bereich versucht, die Welt ein Stückchen besser zu machen? Dass wir unser Wissen in spezifischen Bereichen teilen und uns gegenseitig inspirieren können? Wie viel mehr würden wir dabei erreichen, wenn die Liebe unser Fundament ist und wir in Liebe einander begegnen. Denn ohne sie hat das alles sowieso keinen Sinn.

Aber nun (bevor ich völlig abschweife… darüber könnte ich ewig schreiben!) endlich einmal praktisch. Wie soll das denn gehen mit dem fairen, nachhaltigen einkaufen, wenn ich eben nicht so viel Geld habe? Im Folgenden beziehe ich mich hauptsächlich auf meine persönlichen Schwerpunkte: Klamotten, Taschen und Ähnliches. Ich behaupte, dass die ganze Sache gar nicht beim Shoppen losgeht sondern bei einem gedanklichen Perspektivwechsel und einem neuen Bewusstsein für Materielles insgesamt – nämlich einem nachhaltigen Bewusstsein. Hier nun ein paar meiner Erkenntnisse, die vielleicht auch dir helfen, kleine Schritte zu wagen:

1.) Brauche ich wirklich etwas Neues?

Bevor du dir Sorgen darüber machst, dass du viel Geld für neue Klamotten oder Accessoires ausgeben musst, denk noch einmal darüber nach, ob du wirklich etwas Neues brauchst. Keine Frage: wenn alle deine T-Shirts Löcher haben, alle deine Jeans gerissen sind oder dir aufgrund von Gewichtsveränderung nichts mehr passt, ist die Sache relativ klar. Doch kennst du diese Zeiten, in denen man das Gefühl hat, dass einem irgendwie nur dieser eine Pullover, diese eine Hose fehlt, damit man endlich wieder glücklich ist, weil man mit den bisherigen Sachen im Kleiderschrank irgendwie nur „so halb“ zufrieden ist? Nun, oft hat das damit zu tun, dass man beim Kauf dieser Sachen zuvor auch nicht lang genug nachgedacht hat… (In all dem was ich hier beschreibe, bin ich übrigens selbst schuldig.) Doch nun versuche ich, etwas kreativer zu werden. Etwas länger nachzudenken. Wenn ich glaube, etwas zu brauchen, schaue ich mir meine bisherigen Klamotten noch einmal genauer an. Manchmal sind dann folgende Dinge möglich:

  • Ein altes Kleiderstück umstylen oder neu kombinieren! Ein Klassiker: Steck das Oberteil doch einfach mal in die Hose rein, statt es raushängen zu lassen. Dann noch ein Gürtel dazu und schon hat das alte Teil wieder Stil.
  • Alte Klamotten aus der Ecke kramen, die früher mal modern waren! Das tolle ist: Sie sind vielleicht wieder modern! Kein Scherz, das ist mir wirklich schon passiert. Ich besitze eine Regenjacke seit meinem 14. Lebensjahr (also über 10 Jahre!). Die war irgendwann schrecklich un-modern, und ist jetzt wieder völlig akzeptabel (Ich hab sie trotzdem die ganze Zeit getragen…). Ähnlich ist es mit schlabbrigen Oberteilen. Heutzutage muss nicht alles eng anliegen!

Am praktischsten ist es natürlich, wenn dir der Trend egal ist. Bei mir ist das nicht komplett der Fall und mir macht es außerdem ein wenig Spaß, mit Mode zu experimentieren. Mode kann auch ein Hobby sein! Allerdings hilft es, nicht das Gefühl zu haben, jeder aktuellen Trendwelle hinterherrennen zu müssen. Ich habe gelernt, dass es mich im Endeffekt nicht zufriedenstellt und nur zu einer Anhäufung von Klamotten führt, die ich in einem Jahr eh nicht mehr mag (Was dann passiert? Siehe zum Beispiel hier). Es sind nicht immer neue Klamotten nötig, um modisch zu sein. Und was genau „modisch“ ist, definierst du am besten für dich selbst.

2.) Veranstalte Klamotten-Tauschpartys. 

Auch so eine Sache, von der ich ständig reden und schreiben könnte: Klamotten-Tauschpartys sind das Beste und ich könnte sie noch viel häufiger veranstalten! Lade deine Freunde ein und bringt alle eure Klamotten (und andere Gegenstände) mit, die ihr nicht mehr behalten wollt. Und dann geht das Anprobieren und Verschenken/Tauschen los! Es macht so viel Spaß, zu sehen, wie deinen Freunden etwas steht, was du an dir selbst nicht mehr sehen kannst. Ich trage mittlerweile zu großen Teilen Kleidungsstücke, die mir Freunde überlassen haben. Das Schöne daran ist, dass auch ein Stück Geschichte in ihnen steckt und der andere sich freut, wenn er ein altes Kleidungsstück von sich an dir weiterleben sieht.

3.) Besuche Flohmärkte, Second Hand – Läden und Co.

Ich weiß, dass es schwierig ist, auf Flohmärkten, Kleiderkreisel und Ähnlichem genau das Oberteil oder genau die Tasche zu bekommen, die man sich in der eigenen Vorstellung ausgemalt hat. Ich glaube deswegen, dass Flohmärkte und Second Hand – Läden sich dann gut eignen, wenn du keine spezielle Vorstellung hast. Wenn du einfach mal wieder ein paar T-Shirts brauchst. Wenn du dich inspirieren lassen möchtest. Wenn du offen für neue Stile bist. Und manchmal versteckt sich in der Masse eben doch genau diese eine Sache, die man gesucht hat. Ich habe vor einem Jahr zum Beispiel eine kleine Leder-Tasche auf dem Flohmarkt entdeckt. Diese ist nun mein perfekter, zeitloser, zu allem passender Begleiter (für 3,50 €…).

4.) Überlegtes Aussuchen teurer fair-trade-Klamotten

Alles in allem handhabe ich es momentan so: Wenn ich nur mal wieder „etwas Neues brauche“, weil ich mich an dem Alten satt gesehen habe oder ich das Gefühl habe, dass es nicht mehr meiner Persönlichkeit entspricht, schlage ich den Second-Hand-Weg ein. Auch wenn ich etwas dringend brauche, aber offen für Neues bin, versuche ich es so. Doch wenn ich eine genaue Vorstellung habe und das Produkt auch lange halten soll, geht die Recherche los. Dann surfe ich in Fair-Trade-Onlineshops oder besuche einen in real life. Oft erst einmal ohne Ergebnis, denn ich möchte das Geld ja nicht umsonst ausgeben. Doch wenn ich etwas gefunden habe, dann ist es etwas fürs Leben. Etwas, von dem ich weiß, dass ich es auch noch in 10 Jahren tragen würde – vorausgesetzt, es hält so lang. (Das klingt so, als hätte ich das schon sehr oft gemacht… Glaubt mir, ich stehe noch ganz am Anfang.) Zu Beginn des vorletzten Winters zum Beispiel habe ich geglaubt, dass ich viele neue Pullover benötige. Im Endeffekt habe ich mir einen etwas teureren, fairen gekauft und einen gebraucht von meiner Schwester geschenkt bekommen. Ich habe beide total ins Herz geschlossen und es hat gereicht.

5.) Vermeide fast-fashion-Läden.

Kurz zur Begriffsklärung – Wikipedia sagt: Fast Fashion bezeichnet ein Geschäftsmodell des Textilhandels bei dem die Kollektion laufend geändert wird und die Zeit von den neuesten Design der Modeschöpfer zur Massenware in den Filialen stark verkürzt wird. Die stetige Veränderung des Sortiments soll die Kunden dazu bewegen die Verkaufsflächen immer wieder aufzusuchen. Durch Auswerten von Abverkaufsdaten und schneller Reaktion auf diese (Quick Response) kann der Umsatz weiter erhöht werden.“ Slow Fashion dagegen ist auf Langlebigkeit ausgerichtet – an ihr soll man sich nicht so schnell satt sehen. Slow Fashion soll Qualität haben, die hält und unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird, denn das ist bei Fast Fashion nicht möglich. Sie ist billig, für Massenproduktion gemacht und hat nicht viel mit sozialer Gerechtigkeit oder Umweltschutz zu tun.

Fast Fashion ist das, was wir für gewöhnlich im Einkaufscenter finden. Es sind die Läden, denen wir alltäglich begegnen. Dadurch ist die Verführung natürlich besonders groß. Auch ich schaue mir gern schöne Kleider im Schaufenster an, schlendere durch Klamottenläden und bewundere (oder wundere mich über) die neuste Mode. Doch seit einiger Zeit fahre ich, zumindest meist, eine simple Strategie: Ich gehe einfach nicht mehr hinein. Ich gehe generell kaum noch „bummeln“ oder „shoppen“. Hauptsächlich nur noch dann, wenn sich jemand wünscht, dass ich ihn begleite. Und ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dadurch etwas zu verpassen. Im Gegenteil: Es sind tausend Reize weniger, die mich belasten könnten. Tausend Entscheidungen weniger folgender Art: „Hm, das könnte ich doch bestimmt gebrauchen, oder? Es ist so schön, aber brauche ich es wirklich?“ Ich setze mich dem einfach nicht mehr aus.

Ich verstehe es, wenn meine Tipps nicht für jeden funktionieren. Aber was ich mit ihnen ausdrucken möchte ist folgendes: Du willst nachhaltiger leben und einkaufen? Das bedeutet nicht gleich, dass du das große Geld ausgeben musst. Fang klein an. Fang damit an, dein Bewusstsein für Materielles zu schärfen. Daraus ergeben sich ganz automatisch praktische Schritte.

Ich möchte auch niemanden verurteilen oder ein schlechtes Gewissen machen. Ich wurde schon vor Jahren mit den schlechten Auswirkungen von Fast Fashion, billigem Kaffee und Co. konfrontiert und habe nichts geändert. Ich gehe jetzt meine ersten, kleinen Schritte – in einem Bereich, der mir am Herzen liegt. Und ich habe noch lange nicht für alles eine Lösung gefunden. Doch weil es mir am Herzen liegt, versuche ich es gern immer wieder.

Was liegt dir am Herzen? Welche kleinen Schritte gehst du? Hast du weitere Ideen, wie man nachhaltiger konsumieren kann, ohne viel Geld ausgeben zu müssen? Ich bin gespannt!

Constanze

Veröffentlicht in Lifestyle

Pop oder Flop? – Musikempfehlungen

Gerade eben habe ich viel zu viele Pancakes verdrückt (gesunde, muss ich dazu sagen! Bananen-Haferflocken-Vollkorn-Pancakes, mjammm…) und dabei über ein Thema nachgedacht, welchem ich auf meinem Blog noch nicht so viel Raum gegeben habe: Musik! Neben dem Schreiben ist es eins meiner größten Hobbys – und zwar nicht nur das Machen von Musik, sondern vor allem auch das Hören. Ja, ich würde es tatsächlich als eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen bezeichnen, zu Hause die Lautsprecher laut aufzudrehen und eine One-Woman-Dance-Party zu schmeißen. Oder dabei laut singend durch die Wohnung zu wuseln und aufzuräumen. Ganz egal. Musik ist für mich vor allem ein Ventil für Emotionen. Und doch noch viel mehr: Sie ist komplex, spannend, kreativ, anspruchsvoll. Genau deswegen kann es auch nicht jede Musik für mich sein.

Im Geiste sehe ich bereis einige meiner Freunde zweifelnd die Stirn runzeln und ich gebe zu: eine gewisse Berechtigung hat es. Meine Lieblingsgenre ist die Pop-Musik und einige Zeit war ich dafür bekannt, auf typische Girly-Mainstream-Musik zu stehen. Da hatte ich sozusagen meinen Start. (Manchmal werde ich auch „rückfällig“, siehe hier.) Aber mal ehrlich: Das ist nun gut 10 Jahre her. Der Pop-Musik bin ich treu geblieben, doch habe ich mittlerweile die Vielfalt in diesem Genre entdeckt. Heute mag ich Rock-Pop, Indie-Pop, Country-Pop, Jazz-Pop, Accapella-Pop… Ich mag alles in der Pop-Musik, dass etwas besonderes an sich hat. Ein bestimmtes Merkmal, etwas Neues, etwas Kreatives. Und um meinem schlechten Ruf nun endlich ein wenig aufzubessern Und um euch ein wenig daran teilhaben zu lassen, folgen heute drei meiner aktuellen Lieblingskünstler aus dem Pop-Bereich, von denen ich glaube, dass sie dieses „gewisse Extra“ mitbringen:

1.) HAIM

HAIM ist eine Band bestehend aus drei Schwestern, die ich im letzten Jahr entdeckt habe. Ihr aktuelles Album „Something to tell you“ läuft seitdem regelmäßig bei uns zu Hause. Es gehört zu dieser Art Musik, die man jederzeit hören kann. Die Art Album, die ich anmache, wenn ich nicht weiß, was ich sonst hören soll. Sie ist sowohl gut als Hintergrundmusik geeignet als auch zum bewussten Hören. Aus meiner Sicht schaffen das nur wenige Pop-Künstler! Wer keine piepsigen Frauenstimmen mag, liegt hier genau richtig. Die Frontsängerin hat eine angenehme, sanfte Stimme, mit der sie sowohl flottere als auch ruhige Lieder toll interpretiert. Die Musik glänzt für mich vor allem durch interessante Rhythmen und Harmonien in der Mehrstimmigkeit. Dieses Album wird für mich ein zeitloser all-time Favorit sein! Dazu kommt, dass ich das Auftreten und die Ausstrahlung der drei jungen Frauen absolut einzigartig, lässig und natürlich finde. Zum Reinhören in meinen persönlichen Liebling „Little of your Love“ geht’s hier lang. Auch das Musikvideo zu „Want you back“ kann ich sehr empfehlen – simpel, und dennoch unterhaltend.

2.) Tyler Ward

Tyler Ward gehört zu den bekanntesten Popmusikern in der YouTube-Szene. Genau deswegen war ich auch lange Zeit ein wenig skeptisch. Wie alle anderen Musiker, die auf YouTube bekannt werden möchte, begann er seine Karriere mit Covers von bekannten Künstlern. Die waren mir oft nicht spannend genug – es war eben das, was alle gemacht haben. Seit ein paar Jahren überzeugt mich seine eigene, selbstgeschrieben Musik allerdings immer mehr und auch seine Covers finde ich nun kreativer. Er schreibt sehr emotionale Texte und bringt diese authentisch rüber. Seine Musik ist häufig eher akkustisch, allerdings hin und wieder von Rock- und Country-Einflüssen durchzogen. Wer Country-Musik mag sollte mal in seine EP „Yellow Boxes“ reinhören. Sein neuestes Projekt überzeugt mich im Besonderen: Er hat das komplette aktuelle Taylor-Swift-Album „Reputation“ neu interpretiert. Jetzt werdet ihr denken: Jaaaa, Constanze und Taylor Swift, das ist ja klar, dass sie das mag… STOP! Gebt diesem Cover-Album unbedingt eine Chance. Tyler Ward hat etwas ganz Neues daraus gemacht und dem Original dennoch Rechnung getragen. Besonders interessant finde ich „Look what you made do“, aus dem er eine richtig rockige Version gezaubert hat. Auch zu „I did something bad“ gibt es ein Musikvideo. Das komplette Album könnt ihr zum Beispiel bei Spotify anhören. Unbedingt einmal von vorn bis hinten durchhören und laut aufdrehen nicht vergessen!

3.) For King & Country

Was christliche Musik angeht, bin ich interessanterweise besonders anspruchsvoll. Nicht unbedingt, wenn es um die Lobpreismusik im Gottesdienst geht – da kann ich mich anpassen, mich auf den Text konzentrieren oder auch einfach mal schweigend die Gegenwart Gottes genießen. Doch wenn eine christliche CD bei mir zu Hause laufen soll, muss sie so einige Tests bestehen. Das Album „Run wild. Live Free. Love Strong.“ von For King & Country hat sie sofort bestanden! Freunde von mir haben mir das Album vorgespielt und es hat mich durch zwei Aspekte sofort überzeugt: 1. Die Instrumentation ist vielseitig und kreativ. Und auch hier fällt wieder auf, dass ich ein großer Rhythmus-Fan bin. Es wird viel mit Schlagzeug gearbeitet, anderem Schlagwerk wie Glocken und sogar Orgelklängen. 2. Die Texte sind super. Sie sind nicht „ausgelutscht“, einseitig oder etwas, was man schon tausend mal gehört hat. Sie sind ermutigend, aufbauend und sprechen ins Leben. Keine andere christliche Band hat mich bisher so sehr durch Instrumentation, Melodie und Text überzeugt. Und ich behaupte mal ganz wagemutig, dass dieses Album auch denjenigen gefallen kann, die sonst keine christliche Musik hören oder nicht gläubig sind. Die Texte sind verständlich und alltagsnah, da ist für jeden was dabei. Hier geht’s zum Reinhören in meinen persönlichen Favoriten, das Titellied „Run wild. Live free. Love Strong“. Und auch hier wieder: Unbedingt einmal das Album von vorn bis hinten durchhören, laut aufdrehen nicht vergessen!

Was ist momentan euer persönlicher Musik-Favorit? Hat euch eine dieser drei Empfehlungen gefallen?

Ich wünsche euch einen wunderbaren Start in die neue Woche!

Constanze

(Photo by Mark Solarski)

 

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Glauben, Lifestyle

4 Dinge, die ich in der letzten Woche gelernt habe

Meine letzte Woche war bunt. Lehrreich, schön, aufwühlend… Heute folgen deshalb vier ziemlich verschiedene Dinge, die ich mir aus den vergangen Tagen mitnehmen möchte. Vielleicht findest du dich in einem der Punkte wieder?

1.) Es ist nicht merkwürdig, sich mit seinem Ehepartner zu einem „Date“ zu verabreden.

Und ja, ich bestehe auf die Bezeichnung „Date“! Für mich umfasst sie etwas, was wir in Deutschland manchmal gar nicht wirklich zu schätzen wissen: Sich mit dem Partner bewusst zu verabreden, „auszugehen“, ein Treffen mit einem bestimmten Ziel außerhalb der Wohnung sozusagen. Klar, das machen wir in der Kennenlern-Phase ab und zu einmal. Doch danach? In der Ehe ist es dann doch häufiger die Couch und der Fernseher – verständlicherweise. Doch als mein Mann und ich letzten Freitag feststellten, dass wir beide am Abend nichts vorhatten, beschlossen wir kurzerhand, gemeinsam essen zu gehen. Mit allem drum und dran! Intensive Recherche nach einem Restaurant, was wir beide noch nicht kannten und uns beiden zusagen würde, Reservierung des Tisches und gemeinsames „fertig machen“.

Ich finde, es hat etwas besonders Wertvolles an sich, sich gemeinsam mit seinem Ehepartner schick zu machen – aus dem einfachen Grund, weil man Zeit mit dem anderen verbringt! Es geht mir allerdings nicht um das tolle Essen an sich oder die schicken Klamotten. Solche Dinge zählen für manch einen gar nichts. Aber es geht um dieses bewusste Zeit nehmen füreinander. Das drückt Wertschätzung aus. Weil es eben doch nicht so selbstverständlich ist, dass da jemand gemeinsam mit einem durchs Leben geht.

2.) Lesen ist vor dem Schlafengehen besser als Handy-Spielerei. 

Wenn ich mir überlege, wie lange ich hartnäckig gegen den Smartphone-Trend angekommen bin und wie spät ich, im Gegensatz zu allen anderen in meiner Umgebung, mein erstes Smartphone in den Händen hielt – da ist es ziemlich erstaunlich, was für eine große Rolle es mittlerweile in meinem Leben spielt. Ich denke, dass ich die Nutzung alles in allem dennoch ganz gut kontrollieren kann. Bei unserem Date zum Beispiel habe ich es ganz bewusst zu Hause gelassen und mich dabei wunderbar frei gefühlt. Doch es gibt einen bestimmten Zeitraum, da hat es ganz schön Überhand gewonnen: kurz vor dem Schlafen, wenn ich bereits im Bett liege und nur noch „ein bisschen entspannen will“. Die YouTube-App ist für mich so eine Sache… ich mag sie sehr gern. Und ich dachte immer, dass ein paar YouTube-Videos vor dem Schlafen keinen großen Unterschied machen. Ist doch genauso wie Film schauen oder Lesen!

Ja klar, man hat immer mal wieder gehört, dass es eigentlich nicht so gut ist, kurz vor dem Schlafen auf diesen kleinen, flimmernden Bildschirm zu starren. Das Licht würde einem signalisieren, dass noch Tag ist und man würde dadurch nicht müde werden. Der vielfältige Input aus bewegten Bildern und Ton würde die Reize so überfluten, dass man dabei nicht gut zur Ruhe kommt. Mir kann man all sowas gern erzählen, aber meist muss ich es eben doch selbst erleben, um es zu glauben. Als ich eine Zeit lang nicht gut einschlafen konnte, probierte ich es schließlich aus: ich fing wieder an, ein Buch in die Hand zu nehmen, statt auf dem kleinen Bildschirm herumzutippen und von einem YouTube-Video zum nächsten zu springen. Und es half sofort: Ich wurde viel schneller müde und mein Kopf kam viel mehr zu Ruhe.

In der letzten Woche habe ich mir das nun wieder vorgenommen. Ich lese nicht unbedingt jeden Tag, aber wenn ich das Schlafzimmer betrete, mache ich das Handy aus. Am besten platziere ich es an einem anderen Ort in der Wohnung, damit ich nicht gleich am nächsten Morgen wieder danach greife. Es tut so gut! Es sind einige Reize weniger, denen ich mich dadurch aussetze. Mein Kopf bleibt mehr im Hier und Jetzt. Er hat die Gelegenheit, abzuschweifen, zu verarbeiten, herunterzukommen. Ich weiß, es ist schwer – aber der Versuch lohnt sich!

3.) Das Workout im Vorhinein zu planen steigert die Motivation erheblich.

Ich habe hier bereits davon erzählt, dass ich seit Anfang des Jahres ganz unerwartet regelmäßig Sport treibe. Diese Woche habe ich noch einmal gemerkt, wie stark das daran liegt, dass ich nicht selbst darüber nachdenken muss, was genau ich mache. Dieses Problem hat man natürlich auch dann nicht, wenn man zu einem Training geht oder im Fitness-Studio einem bestimmten Plan folgt. Doch ich bin eher der Typ, der zu Hause Sport treibt. Vor ein paar Jahren habe ich dabei die Videos von blogilates für mich entdeckt: eine etwas abgewandelte Form vom klassischen Pilates. Die Übungen gefielen mir und entsprachen meinem Geschmack. Meine Motivation war jedoch recht unterschiedlich. Manchmal hatte ich Lust, mehrere Videos hintereinander zu machen, manchmal rang ich mich immerhin zu einem dadurch – und manchmal eben auch lange Zeit gar nicht.

Nun folge ich seit dem 01.01. dem Workout-Kalender von blogilates und es macht den Unterschied. Dort steht für jeden Tag, welche Videos gemacht werden sollen. Die Aufeinanderfolge der Videos ist durchdacht und es gibt täglich einen anderen Schwerpunkt. Immer häufiger freue ich mich mittlerweile auf meine Sport-Session, denn ich weiß, dass Cassey Ho von blogilates mir einfach sagen wird, was ich tun soll. Ich muss nicht denken! Normalerweise entscheide ich sehr gern selbst über mein Leben, aber was Sport angeht fehlen mir schlicht die nötigen Kompetenzen.

Und somit ist meine Workout-Zeit nun auch eine Art „zur Ruhe kommen“ – nämlich für den Kopf. Und das führte dazu, dass ich Sport nun viel mehr deswegen treibe, um mich gesund, munter und ausgeglichen zu fühlen, statt „endlich mal Muskeln aufzubauen“. Oft habe ich zwar das Gefühl, dass die Videos noch viel zu anstrengend für mich sind, aber der Kalender lässt mir ja sozusagen keine Wahl. Und am Ende fühle ich mich ausgepowert, gut und stelle fest, dass es ja doch irgendwie ging.

4.) Ich kann mein Leben nicht allein optimieren.

In der letzten Woche ist mir außerdem mal wieder bewusst geworden, dass ich mein Leben doch nicht so sehr im Griff habe, wie ich manchmal glaube. Klar, oberflächlich betrachtet läuft alles ganz gut: Ich habe noch keine Verbrechen begangen, nehme keine Drogen, gehe nicht fremd…  Doch unter der Oberfläche liegt so viel mehr. Nur weil ich in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen bin, bedeutet das nicht, dass ich Gottes unendlich bedingungslose Liebe weniger bräuchte als andere, bei denen man gleich auf dem ersten Blick sieht, dass etwas nicht so gut läuft. Ist es nicht genau das, was wir manchmal glauben? Unser Leben läuft scheinbar so „rund“, dass es schwer zu sehen ist, dass wir mehr brauchen als nur uns selbst. Solange nichts Dramatisches geschieht, kriegen wir das schon ganz gut allein hin.

Doch gestern wurde mal wieder eine meiner größten Schwächen aufgedeckt: meine Streben, es allen Recht machen zu wollen und darin das verstecke Bedürfnis nach Anerkennung von jedem. Daraus folgt eine riesen Angst, dass jemand etwas Schlechtes über mich denken könnte und dieser merkwürdige Zwang, alles immer so zu biegen, dass es jedem gefällt – manchmal auch auf Kosten der Wahrheit oder meiner Authentizität.

Mein erster Gedanke war: „Constanze, warum denkst du nur so? Was kann ich machen, um dieses Denken endlich abzuschalten?“ Und dann wurde mir sehr schnell klar: Ich kann es nicht. Es ist ein Punkt, an dem ich immer wieder zum Scheitern komme. Eine Sache, bei der noch keine tolle Technik geholfen hat, kein hartnäckiges Vornehmen, es dieses mal endlich besser zu machen. Und dann viel es mir wieder ein: Deswegen brauche ich Gottes bedingungslose Liebe. Deswegen ist sie für mich genauso essentiell wie für jeden anderen. Und er schenkt sie mir – einfach so! Und ich darf von dieser Liebe lernen und immer mehr erkennen: Ich brauche keine Anerkennung von Menschen, denn Gottes Anerkennung ist mir gewiss.

Was hast du in den letzten Tagen erlebt und daraus mitgenommen? Kommen dir manche meiner „Lebenslektionen“ bekannt vor oder lehrt dich dein Alltag ganz andere Dinge? Schreib mir gern von deinen Erfahrungen!

Constanze

 

 

Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Gedanken zum Frühaufstehen – und wenn’s mal nicht nach Plan läuft…

Hier sitze ich wieder und halte mich nicht an meine To-do-Liste. Sätze und Themen schwirren mir durch den Kopf, während ich andere Dinge tun sollte. Zu schreiben: ich liebe es einfach. Und nichts bringt mich bei fehlender Motivation mehr in Gang als das zu tun, was ich liebe.

Ja, eigentlich wollte ich für diesen Donnerstag einen tollen Beitrag darüber schreiben, wie gut das mit meinem Frühaufstehen-Vorhaben geklappt hat – inklusive 10 tollen Tipps, übersprudelnder Motivation, Hahstag #Selbstdisziplin und so, ist doch klar! Ich würde wirklich gern davon berichten, wie gut es geklappt hat, aber das wäre eine Lüge. Mein Plan war es, jeden Tag um 6:30 aufzustehen, auch wenn ich es nicht musste. Ich hatte mir von Anfang an den Freiraum gegeben, diese Uhrzeit je nach Verlauf meines „Experiments“ anzupassen. Aber selbst das hat nicht wirklich funktioniert.

Warum es auf einmal nicht mehr geklappt hat

Die ersten Tage als Frühaufsteher liefen super! Ich war motiviert, hatte ein konkretes Vorhaben und los ging’s. Und ich muss gestehen, ein paar Motivations-Videos bei YouTube haben dabei auch geholfen. Aus denen hatte ich mir zum Beispiel mitgenommen, bloß nicht die Snooze-Taste zu drücken. Auch das funktionierte in den ersten Tagen. Ich wälzte mich zwar noch ein paar Minuten im Bett, aber mein Kopf war wach: Bloß nicht noch einmal einschlafen!

Und ich liebte die Morgende. Es ist ein tolles Gefühl, wach zu sein, wenn die Welt noch zu schlafen scheint, vor allem in den dunklen Jahreszeiten. Mir hilft das freiwillige Frühaufstehen sogar dabei, mit der Dunkelheit etwas Positives zu assoziieren. Ich zündete mir Kerzen an und nahm mir mehr Zeit als sonst zum gemütlichen Kaffeetrinken und Bibel lesen, auch mal mehr als ein Kapitel. Und ich frühstückte erst danach, wenn ich auch wirklich Hunger hatte. Ich nahm mir Zeit, mein Bett zu machen und auch Frühsport wurde regelmäßiger Bestandteil meines Morgens. Da ich es in den ersten Tagen schaffte, früh genug ins Bett zu gehen, hatte ich alles in allem genug Schlaf und war durch mein neues Vorhaben nicht ungewöhnlich müde.

Genau das stellte sich jedoch als Dreh- und Angelpunkt des gesamten Vorhabens heraus: früh ins Bett gehen. Ich bemerkte, dass ich es nicht dauerhaft schaffen konnte, früh aufzustehen, wenn ich nicht früh genug schlief. Das geht sicherlich immer mal wieder, aber mein Körper macht es nicht alltäglich mit. Mein Alltag ist momentan sehr bunt und jeder Tag anders. In den letzten Wochen wurde es sowohl arbeits- als auch freizeitbedingt häufiger, dass ich erst sehr spät nach Hause kam. Das ärgerte mich ein wenig, denn ich merkte sofort, dass es mir einen Strich durch die Rechnung machen würde. Hinzu kommt, dass ich nicht nach Hause kommen und sofort ins Bett fallen kann. Ich benötige Zeit, damit mein Körper und Geist zur Ruhe kommen können: ein auswertendes Gespräch mit meinem Mann, etwas zu Essen, ein Buch, eine Serie, ein bisschen Gekritzel im Bullet Journal… irgend so etwas in der Art. Und diese Zeit muss ich mir auch dann nehmen, wenn ich beispielsweise erst um Mitternacht nach Hause komme.

Ich denke es war richtig, nicht sklavisch mit meinem Vorhaben umzugehen und eben doch länger zu schlafen, wenn ich erst spät einschlief. Das verlief dann von Tag zu Tag recht unterschiedlich. Dennoch beobachtete ich mein Schlafverhalten und meine Abend- und Morgen-Rituale weiterhin genau. Und hier gibt es nun doch noch ein paar Tipps – oder eher Schlussfolgerungen für mich selbst. Aber vielleicht helfen sie ja auch dir:

1.) Tu als erstes am Tag etwas, was du gern tust.

Und damit meine ich auch solche kleinen Dinge wie Kaffee kochen oder den Partner umarmen. Oder Kerzen anzünden. Oder Musik hören. Mach etwas, was dir wirklich Freude bereitet. Denn daran kannst du sofort denken, sobald der Wecker klingelt. Nach der ersten Genervtheit über den Piepton fing ich also an, mich auf Kaffee zu freuen. Ich dachte darüber nach, dass ich mir einen gemütlichen Morgen gestalten würde. Es hilft wirklich! Genau deswegen besteht mein Vorhaben übrigens auch weiterhin. Ich möchte mir weiterhin schöne Morgende gestalten, auf die ich mich freuen kann.

2.) Schlaf soviel wie du brauchst, nicht so viel du kannst.

Selbst als ich bemerkte, dass ich es mit 6:30 nicht weiter durchziehen konnte, stellte ich mir einen Wecker. An den hielt ich mich leider nicht immer… Aber ich stellte dabei fest, dass es mir nicht unbedingt etwas brachte, „auszuschlafen“. Auszuschlafen in dem Sinne, dass man so lange schläft, bis man aufwacht. Ich bin dann häufig genauso müde wie wenn ich zu wenig geschlafen hätte. Mir hat es geholfen, herauszufinden, was die optimale Stundenanzahl an Schlaf für mich ist und mich daran zu orientieren. Es geht natürlich nicht um Minuten, sondern darum, dass der Körper regelmäßig den Schlaf bekommt den er braucht – nicht mehr und nicht weniger. Das „grenzenlose“ Ausschlafen hebe ich mir für ein paar Tage im Urlaub aus. Mir persönlich reicht das.

3.) Das Bedürfnis, ausschlafen zu wollen, könnte womöglich mehr bedeuten.

Das klingt vielleicht ein wenig hobbypsychologisch und ist es wohl auch. Allerdings konnte ich an mir selbst beobachten, dass ich (nach genügend Schlaf!) nur dann noch länger im Bett liegen bleiben wollte, wenn ich mit irgendetwas in meinem Leben nicht zufrieden war, egal was. Nun, das ist nicht ungewöhnlich – wer ist schon mal mit allem in seinem Leben zufrieden? Ich glaube auch nicht, dass wir so lange an unserem Leben „herumdoktern“ sollten, bis alle Bereich perfekt sind. Aber wenn es mir dauerhaft schwer fällt aus dem Bett zu kommen, lohnt es sich, über mögliche Ursachen nachzudenken. Was kann ich ändern? Was nicht? Habe ich tagtäglich mit jemandem zu tun, mit dem ich im Konflikt stehe? Gibt es Probleme bei der Arbeit? Ist die Wohnung dreckig? Fühl ich mich unproduktiv? Nicht jede Unzufriedenheit kann und muss auf Anhieb beendet werden. Wenn ich mich jedoch beispielsweise unwohl bei der Arbeit fühle kann ich womöglich vor der Arbeit etwas tun, was mir gefällt. Siehe Punkt 1 🙂

4.) Mach das Handy erst an, nachdem du in den Tag gestartet bist. 

Oh, an diesem Punkt muss ich noch so sehr arbeiten! Aber die paar Male, an denen ich es geschafft habe, ließen mich richtig gut fühlen. Damit es klappen kann, gibt es für mich zwei wichtige Voraussetzungen. 1. Ich habe einen separaten Wecker. 2. Ich schalte mein Handy über Nacht richtig aus. Nur so kann ich garantieren, dass es am Morgen nicht mein erster Impuls ist, What’sApp, facebook oder Ähnliches zu checken. Denn wenn ich das tue, bin ich sofort in „der Welt da draußen“ gefangen. Ich erhalte sofort neuen Input, egal ob es das Wetter ist, die Schlagzeilen des Tages, die Nachricht eines Freundes oder ein YouTube-Video. Und das ist nicht gut, wenn ich mir noch nicht einmal über mein eigenes Leben, über meinen eigenen Tag klar geworden bin – wenn ich mich gedanklich noch nicht mit dem beschäftigt habe, was wirklich in meinem Leben zählt.

Also: Mach dir am Morgen erst einmal bewusst, was deine Prioritäten sind. Denk über deinen Tag nach. Denk an etwas Schönes, was vor dir liegt. Sobald du das Handy in den Händen hältst, bist du mit Alltag und Stress konfrontiert. Du wirst noch genügend Input im Verlauf des Tages erhalten, noch genügend Dingen gegenüberstehen, von denen du genervt bist. Die kannst du allerdings besser bewältigen, wenn du positiv in den Tag gestartet bist.

Wir leben in einer Zeit, in der wir durch unglaublich vielfältige Medien viel mehr Reizen ausgesetzt sind. Damit hat unser Gehirn ziemlich zu tun. Doch am Morgen hast du die Wahl, ob du gleich damit beginnen möchtest oder nicht. Für mich bedeutet das praktisch, dass ich mich erst nach einer (auch wenn nur kurzen) Zeit mit Gott mit den „aktuellen News“ auf meinem Handy auseinandersetze. Ich gebe zu, dass ich ein Problem dabei noch nicht ganz gelöst habe: Ich höre gern Musik im Bad oder beim Frühstücken und die kommt oft aus meinem Handy. Doch ich möchte dran bleiben, Alternativen dafür zu finden oder manchmal auch einfach die Stille zu genießen.

Wenn einfach nicht’s läuft

Ja, diese Sache mit den Tipps… Wenn ich sie mir selbst durchlese denke ich: Yeah, los geht’s! Aber oft genug läuft es eben nicht so. Oft genug läuft der Alltag anders als gedacht. Oft genug bleibt die Wohnung dreckig und der Papiermülleimer quillt über. Oft genug funktionierte es eben doch nicht mit dem Frühaufstehen.

In den letzten Wochen musste ich aufs Neue lernen, mit gescheiterten Plänen umzugehen. Und ich meine damit nicht unbedingt diese eine Sache, die dann doch nicht geklappt hat oder diesen einen Termin, den ich dann doch nicht wahrnehmen konnte. Ich meine eher so eine generelle „Planlosigkeit“. Ich konnte mich wieder wunderbar dabei beobachten, wie ich auf unvorhergesehenes Chaos reagiere und das ist nicht immer schön. Ich werde immer angespannter, bis mich irgendeine Sache so triggert, dass sie das Fass zum überlaufen bringt. Das ist bei mir zum Beispiel eine dreckige Küche. Eigentlich war sie schon seit einiger Zeit unordentlich, aber ab irgendeinem Punkt sehe ich sie und könnte durchdrehen.

Das kann genauso eine sinnlose Auseinandersetzung mit dem Partner sein, liegengebliebene Rechnungen, angesammelten E-Mails… Was auch immer es ist – es gibt Menschen, die bleiben stets tiefenentspannt und dann gibt es Menschen wie mich: Die, die dreimal tief durchatmen müssen. Deswegen folgt hier noch ein letzter Tipp für Zeiten, in denen alles anders läuft als gedacht:

Halte es aus. 

Krass, oder? Der ultimative Ratschlag! Nein, im Ernst: es ist manchmal das einzige, was möglich ist. Atme tatsächlich dreimal tief durch oder schließe kurz die Augen. Ich muss mir immer wieder aufs Neue bewusst machen: Chaos ist okay. Ich kann Chaos aushalten. Nicht für immer, aber sicherlich eine Zeit lang. Es wird wieder eine Zeit geben, in der ich früh aufstehen kann. Es wird wieder eine Zeit geben, in der die Küche ordentlich ist. Und solang halte ich es einfach aus und konzentriere mich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ich weiß, dass irgendwann wieder der Punkt kommt, an dem ich meinen Alltag mehr im Griff habe. Und meistens kommt er genau dann viel schneller zurück, wenn ich loslasse und die Planlosigkeit akzeptiere…

So und nun möchte ich von dir wissen: Was hilft dir, wenn dein Leben nicht nach Plan läuft? Stehst du gern früh auf oder bist du ein überzeugter Langschläfer? Hast du schon mal eine Morgenroutine ausprobiert?

Ich wünsche dir eine gesegnete Weihnachtszeit in dem Wissen, dass derjenige zu uns auf die Erde gekommen ist, der alles in seiner Hand hat – der den ultimativen Plan für dein Leben hat! Lass los und vertraue ihm dein unperfektes Leben an. Er macht etwas draus!

Constanze 

(photo by Danielle MacInnes)