Veröffentlicht in Glauben

Warum ich Ostern lieber mag als Weihnachten

Ich mag Ostern lieber als Weihnachten.

So, jetzt ist es raus. Ich hab’s gesagt. Beziehungsweise geschrieben. Und ich steh dazu! Denk ich. Geschrieben ist ja manchmal leichter als gesagt. Denn ich höre da schon die eine oder andere Stimme in meinem Kopf: „Wieeee? Ostern dem Weihnachtsfest vorziehen? Das tolle Weihnachtsfest mit allem drum und dran? Die Stimmung, die Kekse, das Krippenspiel, die Kerzen, der Weihnachtsbaum! Zu Ostern passiert doch gar nicht so viel.“

Doch das ist wohl genau einer der Gründe dafür, warum ich Ostern lieber mag. Es passiert (scheinbar) weniger! Denn als ich mich gestern mit meiner Schwester und einer Freundin zum Ostereierfärben getroffen habe, bemerkte ich, dass das so ziemlich das einzig „Österliche“ ist, was ich in dieser Saison zur Vorbereitung auf Ostern getan habe. Ich habe nicht einmal dekoriert. Nun, das hat verschiedene Gründe. Dekorieren ist allgemein nicht so mein Ding. Ich vergesse das immer wieder. Zu Weihnachten zwinge ich mich ein wenig dazu (und da gehört es eben einfach zum „Flair“) und an den letzten Osterfesten habe ich es auch probiert – aber ehrlich gesagt… das Ergebnis konnte sich nicht wirklich sehen lassen.

Ja, die Weihnachtsstimmung ist der Hammer. Ich liebe sie auch! Aber was genau liebe ich daran? Eben genau das: die Stimmung. Wir ziehen das Weihnachtsfest gefühlt ewig in die Länge. Manchmal frage ich mich, wieso eigentlich? Und muss ich mich schlecht fühlen, wenn mir am zweiten Weihnachtsfeiertag keine neuen erkenntnisreichen, christlichen Gedanken über Jesu Geburt einfallen und ich mich stattdessen am Rester-Essen erfreue und die freie Zeit genieße? Ich denke nicht. Und doch ist die Botschaft von Weihnachten ja so wunderbar! Sie wird nur überlagert von allem Möglichen drum herum, für das wir deutlich mehr Zeit brauchen und investieren als für das Gedenken an die Geburt von Jesus. Ich genieße dieses „Drum herum“, ja wirklich. Ich liebe den Plätzchenduft und wenn es keine Plätzchen gibt, ist es auch bei mir keine richtige Weihnachtszeit. All diese Traditionen haben definitiv ihre Daseins-Berechtigung. Aber der Sinn von Weihnachten ist etwas anderes – völlig losgelöst von dieser Stimmung.

Deswegen mag ich Ostern so sehr. Es gibt zwar auch hier mehrere Feiertage, einige Traditionen und Schokoosterhasen, aber üblicherweise konzentrieren sich die Feierlichkeiten auf den Ostersonntag. Es gibt keine all zu große „Stimmungsmache“ davor und kein wehleidiges „Jetzt ist Ostern schon wieder vorbei!“ danach. Ich habe das Gefühl, dass die Osterbotschaft dadurch jedes Jahr besonders rein aufs Neue vor mir steht und sie mir niemand im Vorhinein durch irgendwelche Kommerzialisierung verderben kann (im Supermarkt einfach in entsprechenden Abteilungen die Augen zukneifen). Jedes Jahr denke ich: „Mensch, Ostern ist echt cool – wir feiern die Auferstehung von Jesus! Wir feiern den Sieg des Lebens über Schuld und Tod! Das fetzt.“

Denn das kommt noch dazu. Nicht nur, dass Ostern weniger dem Kommerz ausgesetzt und mir somit sympathischer ist – es ist auch noch die Botschaft schlechthin. Es ist der Grund meines Glaubens. Natürlich musste Jesus dafür erst einmal geboren werden und es ist toll, dass wir dessen an Weihnachten gedenken. Aber das Auferstehungsfest, Ostern, ist für mich die pure Freude und die wichtigste christliche Botschaft. Ich bin also einfach eingeschnappt, weil Weihnachten dennoch mehr Aufmerksamkeit erhält? Ganz im Gegenteil. Ja, die Weihnachtsstimmung und die Geschenke erhalten mehr Aufmerksamkeit. Aber ansonsten? Der Sinn von Weihnachten? Wer dagegen Ostern feiert, deutet auf etwas Besonderes hin. An Weihnachten gehen viele in die Kirche. Aber zu Ostern? Da muss man schon einen guten Grund haben.

Den haben wir. Und wenn das nicht schon genug wäre, läutet Ostern auch noch den Frühling ein. Es ist das absolute Zeichen des Neuanfangs und des Aufatmens. Ich bin nicht sehr charismatisch veranlagt, aber im Inneren geht bei mir am Ostersonntag schon eine kleine Party ab. Ich fühle mich lebendig, innerlich und äußerlich. Und hey: die Party kann auch dann steigen, wenn der Frühling noch nicht so ganz da ist. Wir lassen uns doch vom Wetter nicht die Osterfreude verderben! (Genauso wie wir nicht vom weißen, flauschigen Schnee für die Weihnachtsfreude abhängig sind…)

Warum ich dann also trotzdem Ostereier färbe? Ich mag Eier, ich mag es bunt und ich mag Gemeinschaft. Die perfekte Kombination, oder? Ich wünsche dir ein tolles Osterfest, ganz egal wie du es feierst. Ich wünsche dir, dass du neu anfangen kannst und die ultimative Osterbotschaft neu entdeckst.

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken

Entscheide dich – oder lieber nicht?

Ich glaube, das Leben besteht zu einem großen Teil aus Entscheidungen.

Nein, ich meine nicht die Entscheidungen, denen wir uns täglich vorm Kleiderschrank oder hin und wieder an der Eisdiele aussetzen. Ich meine die, die unser Leben prägen und uns in bestimmte Richtungen lenken. Und ich glaube, dass wir viel zu oft vor diesen Entscheidungen zurückschrecken und dadurch Chancen verpassen.

Ja, das sagt sich leicht – oft weiß ich nicht einmal selbst, wo hinten und vorn ist. Im heutigen Zeitalter der Flexiblität und Ungebundenheit scheint es auch kein Trend mehr zu sein, sich bewusst für etwas zu entscheiden. Denn damit legt man sich schließlich auf etwas fest – und das könnte unweigerlich nachhaltige Auswirkungen auf unser Leben haben. Das erscheint beängstigend und widerspricht oft unserem Zeitgeist der Spontanität. Wie ich darauf komme? Für heutige Verhältnisse war ich noch sehr jung, als mein Mann und ich vor anderthalb Jahren geheiratet haben. Auch kannten wir uns „erst“ zwei Jahre lang und selbst heute werde ich dafür manchmal noch mit großen Augen angeschaut. Das macht mir im Prinzip nichts aus. Im Gegenteil, ich freue mich, wenn Leute ihr Erstaunen ausdrücken und im besten Fall auch verbalisieren, anstatt mit einem dezenten „oh – okay“ und einem vielsagenden Blick das Thema abtun.

Solch ein ehrliches Gespräch führte ich vor kurzem mal wieder und es brachte mich zum Nachdenken darüber, wie sehr Entscheidungen mein Leben beeinflussen – vor allem eben die, die wir bewusst treffen müssen und die dadurch etwas beängstigend sein können. Denn unser Leben ist auch voll von unbewussten Entscheidungen, die häufig darauf zurückzuführen sind, wie wir geprägt wurden. Ich glaube beispielsweise prinzipiell, dass mir ein Mensch nichts Böses antun möchte, wenn ich ihn kennenlerne. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir selten jemand etwas wirklich Schlimmes angetan hat. Ich entscheide also unbewusst, an das Gute im Menschen zu glauben. Aber auf diese Entscheidung hatte ich nicht wirklich einen Einfluss.

Es sind die bewussten, oft nachhaltig prägenden Entscheidungen, auf die wir Einfluss haben und mit denen wir unser Leben konkret gestalten können. Sie bieten somit wunderbare Möglichkeiten! Welche könnten das bei dir sein?

Für mich war das zum Beispiel der Entschluss, mein Leben mit Gott zu leben oder eben der, zu heiraten. Entschlüsse, die große Auswirkungen haben und mit denen man oft auch aneckt. Denn viele Menschen glauben zum Beispiel, dass eine Ehe im jungen Alter gefährlich ist, da man sich noch viel verändern und den Schritt später bereuen könnte. Eine so wichtige Entscheidung schon so früh und so schnell zu treffen, scheint unreif. Doch ich möchte behaupten, dass es in vielen Fällen genau das Gegenteil ist. Dadurch, dass es eine gut überlegte Entscheidung war, zu heiraten, hat diese auch eine Macht, welche oft unterschätzt wird. Ich habe mich aus freien Stücken und aus eigenen Überlegungen heraus auf etwas festgelegt. Dies hat positive Auswirkungen: Es schenkt mir Sicherheit und Klarheit und die Möglichkeit, mich auf diesem eingeschlagenen Weg frei zu entfalten. Denn eine getroffene Entscheidung gibt mir Selbstbewusstsein und macht mich weniger anfällig dafür, lediglich Trends und aktuellen Lifestyles zu folgen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht für frühe Ehen „werben“. Es ist viel mehr nur ein Beispiel aus meinem eigenen Leben, wie positiv sich Entscheidungen auswirken können. Oft haben wir Angst, dass eine große Entscheidung uns quasi kontrollieren und zu etwas drängen könnte, was wir nicht wollen. Vielmehr ist es jedoch so, dass, wenn wir Entscheidungen aus eigenen Überzeugen fällen, wir auch diejenigen sind, die den eingeschlagenen Weg bewusst beschreiten und gestalten.

Vor kurzem habe ich wieder einen solchen Entschluss getroffen, der bei einigen Menschen auf Unverständnis traf. Er war eben nicht so ganz konventionell und üblich. Ich hatte lange darüber nachgedacht, abgewogen, mit Leuten gesprochen, Alternativen in Betracht gezogen. Aber im Endeffekt wusste ich, dass es der richtige Weg für mich war, also setzte ich ihn in die Tat um. Dabei habe ich nicht unbedingt den leichtesten Weg gewählt, auch nicht den rational betrachtet Sinnvollsten. Aber es war die Entscheidung, die am besten zur mir passte. Hätte ich es nicht getan, hätte mich diese Unentschlossenheit und das ständige Für und Wider, der ständige Wechsel von positiven und negativen Gefühlen, noch lange geplagt. Doch die Entscheidung hat mich frei für neue Wege gemacht.

Ich glaube, dass wir keine Angst davor haben sollten, große Entscheidungen zu treffen. Nicht immer bedeutet das, dass wir sofort einen riesen Sprung wagen müssen, aber dass wir anfangen, viele kleine Schritte auf ein konkretes Ziel zuzugehen. Zeiten der Ungewissheit und Unklarheit gibt es immer, doch ich persönlich höre immer wieder diese innere Stimme, die mir sagt, wenn es so weit ist, einen Weg bewusst einzuschlagen.

Ich möchte auch dich dazu ermutigen, vor solchen Entscheidungen nicht zurückzuschrecken. Sie engen nicht ein – sie bringen uns voran! Oft bedarf das einer großen Portion Mut, aber meistens fühlt es sich danach ziemlich gut an.

Constanze

(photo by Clem Onojeghuo)