Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Wie du die dunklen Jahreszeiten lieben lernst

Schon bemerkt? Am Freitag war Herbstanfang! Na ja, der Hebst hat wohl schon einige Tage zuvor Einzug in Deutschland genommen. Ich persönlich freue mich darüber. Auf die Frage, was meine Lieblingsjahreszeit ist, würde ich meist mit „Frühling“ antworten, jedoch mit folgenden Nachsatz: „Eigentlich mag ich alle!“ Es ist nicht so, dass ich Angst habe, die Gefühle irgendeiner Jahreszeit zu verletzen. Ich liebe lediglich den Wechsel der Jahreszeiten. Ich liebe es, in einem Gebiet der Erde zu leben, in dem ich diesen Wechsel viermal im Jahr beobachten kann (mehr oder weniger intensiv…). Wenn alle anderen anfangen, sich über den plötzlichen Wetterumschwung aufzuregen, bin ich einfach fasziniert. Veränderung! Das ist es, was der Jahreszeitenwechsel mit sich bringt und mich fasziniert. Den Frühling finde ich lediglich besonders zauberhaft, „gut riechend“ und von der Temperatur her angenehm.

Trotz meiner Liebe für alle Jahreszeiten ist mir im letzten Jahr das erste Mal bewusst aufgefallen, dass mir die Dunkelheit in Herbst und Winter zu schaffen macht. Ich bin jemand, der Licht sehr mag. Jemand, der lieber eine helle große „Kliniks“-Birne als zwei kleine kuschelig orange Lämpchen hat, mit denen man sein Buch nur so halb erkennt. Jemand, der in einen Raum hineinkommt und fast instinktiv erst einmal auf den Lichtschalter drückt. Ich glaube, es ist einfach so: Licht belebt mich. Es lässt mich aktiv sein. Wenig Licht vermittelt mir unmittelbar das Gefühl, mich auf die Couch legen zu müssen, zu entspannen und einen Film zu schauen. (Weswegen wenig Licht in genau solchen Situationen natürlich auch vollkommen okay ist.) Deswegen bekomme ich genau dann ein Problem, wenn ich aktiv sein muss oder möchte, genügend Licht jedoch nicht vorhanden ist. Und die Sonne ist nun einmal diese eine große Lichtquelle, auf die wir keinen Einfluss haben.

Ich war immer sehr überrascht, wenn es plötzlich wieder dunkler wurde. Als hätte ich vergessen, dass es all die letzten Jahre auch schon so war. Im letzten Herbst und Winter befand ich mich außerdem, wie viele andere auch, in einer Lebenssituation, in der es normal ist, im Dunklen das Haus zu verlassen und im Dunklen wieder heimzukehren. Dazu kam, dass ich viel Zeit mit einer Tätigkeit verbrachte, mit der ich nicht wirklich zufrieden war. Wenn ich also nach Hause kam und endlich etwas tun konnte, was ich wollte, war es schon dunkel und es viel mir schwer, das letzte bisschen Energie in mir zusammenzukratzen. Die Dunkelheit zog mich herunter. Dieses Jahr habe ich mich deshalb ganz bewusst auf diese Zeit eingestellt. Im Endeffekt möchte ich Herbst und Winter genauso genießen wie Frühling und Sommer! Hier folgen deshalb 4 meiner persönlichen Tipps, um sich nicht so sehr von der Dunkelheit herunterziehen zu lassen und sich auf das Positive zu konzentrieren:

1.) „Embrace it.“

Meiner Meinung nach gibt es kein gutes deutsches Wort, welches das ausdrückt, was das englische Wort „embrace“ bedeutet. Das online-Wörterbuch Leo übersetzt es mit „jemanden umarmen“, „etwas annehmen“, „etwas begrüßen“. Ein Mix aus diesen drei Übersetzungen ist ungefähr das, was ich meine. Denn ich glaube, dass es total wichtig ist, die dunklen Jahreszeiten als das zu akzeptieren, was sie sind und sie nicht als schlechter zu bewerten, nur weil sie mit Dunkelheit und Kälte einhergehen. Wer die Dunkelheit im Vorhinein fürchtet, lässt sich mit ziemlich großer Sicherheit auch schneller von ihr herunterziehen.

Dieses Jahr habe ich probiert, es ein wenig anders zu betrachten. Als ich bemerkte, dass es schon um 8 Uhr dunkel wurde, war ich fasziniert über diese Veränderung. Ich machte mir bewusst, dass es die nächsten Monate noch krasser werden würde und akzeptierte es. Ich versuchte, mich auf das Positive zu konzentrieren, was diese Veränderung mit sich bringen würde: auf Kuschelsocken, Farben, Tee und vieles mehr.

2.) Lebe die Veränderung

Diese eine Sache, die für mich völlig unverständlich ist, ist folgende: Unser Versuch, in den kalten, dunklen Jahreszeiten unbedingt genauso produktiv und aktiv zu sein wie in den hellen, warmen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin absolut für Produktivität, ich liebe es, Dinge effektiv zu erledigen. Doch ich glaube, dass wir akzeptieren sollten, dass das nicht immer so gut geht. Wenn es früher dunkler wird, werden viele auch früher müde oder träge – so auch ich. Und das ist normal! Also: Sei nicht so streng mit dir. Stelle dich auf diese Veränderung ein und passe dich an, je nachdem wie du es brauchst.

Im letzten Jahr habe ich beispielsweise gemerkt, dass ich abends eher ruhigen Hobbys nachgegangen bin. Ich habe mich ein wenig in Kalligraphie geübt, obwohl ich sonst nicht unbedingt der Mal- und Basteltyp bin. Für Musik, die ich sonst oft gemacht habe, hatte ich nicht mehr viel Energie übrig. Probier also einfach mal etwas neues aus! Und erlaube dir, dich früher als sonst mit einem Buch auf die Couch zu legen. Erlaube dir, früher müde zu werden und früher ins Bett zu gehen. Das ist nicht immer ein Zeichen von Schwäche oder Faulheit – es ist lediglich eine typische Art der Anpassung in kalten, dunklen Zeiten. Das Wetter verändert sich und wir ein Stück weit mit ihm.

3.) Genieße die Gemütlichkeit

Das ist für mich das Tollste an Herbst und Winter: Das gemütliche Flair. Sobald ich vor einigen Wochen bemerkte, das unsere Wohnung kühler wurde, begann ich wieder, mir Tees zu kochen und Kerzen anzuzünden. Ich habe nicht überall in der Wohnung Kerzen herumstehen, und ich bin auch sonst kein großer Deko-Meister, aber es reichen schon zwei kleine Teelichter während ich ein Buch lese oder einen Blog-Beitrag schreibe, um mir ein „kuschelig-warmes“ Gefühl zu vermitteln. Dann noch eine Wolldecke umgeschlungen und das gemütliche Flair ist perfekt. Kalt ist mir zwar auch nicht gern, aber in gewisser Weise genieße ich die Kälte sogar ein bisschen, weil sie mich die Wärme unter einer Decke oder an einer Heizung noch mehr wertschätzen lässt. Und mein persönlicher Tipp, was das Kerzen anzünden angeht: Streichhölzer statt Feuerzeug benutzen! Das riecht einfach besser. 🙂

4.) Mach Abend-Spaziergänge (oder andere schöne Dinge)

Viele Leute lieben ja Abend-Spaziergänge im Sommer – und gegen die laue warme Abendluft ist auch wirklich nichts einzuwenden! Doch als ich vor kurzem in einer der ersten kühlen Herbst-Nächte mit meinem Mann durch die Stadt gelaufen bin, hatte das auch etwas ganz besonderes. Ein Abend-Spaziergang im Herbst oder Winter bedeutet, dass du dich ganz bewusst der Dunkelheit aussetzt – und damit nimmst du dir selbst die Angst vor ihr. Voraussetzung ist natürlich, dass du dich warm anziehst und nicht allein irgendwelche unbeleuchteten Straßen entlanggehst… Aber vielleicht gibt es ja einen beleuchtet Park in deiner Nähe? Oder einfach die belebte Innenstadt? Ich genieße es ungemein, die frische kühle Abendluft einzuatmen. Das ist genau die Luft, die ich im Sommer vermisse, wenn ich mich von der Schwüle erdrückt fühle. Zieh dich einfach warm an (und fühl dich nicht schlecht, wenn du bereits jetzt dicke Pullover aus dem hinteren Bereich deines Kleiderschranks hervorziehst – Hauptsache, du fühlst dich wohl!) und ab in die kühle Dunkelheit, in der man auch mal unbeschwert durch die Straßen hüpfen kann ohne dass es sofort jemandem auffällt…

Das Geheimnis ist sozusagen, die Dunkelheit mit positiven Aktivitäten und Gedanken zu verknüpfen. Und Positives im Herbst zu finden, ist nicht schwer! Die Natur nimmt wunderschöne Farben an, der Tee duftet, der Kakao ist süß, die Wolldecke weich, die Kastanien schöne Dekoration… Du musst einfach nur losgehen und das Beste daraus machen. 🙂

Ich wünsche dir eine wunderbare Herbstzeit!

Constanze

 

 

 

 

 

Advertisements
Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Wie geht es weiter nach dem Aussortieren? – Minimalismus #3

Noch nicht genug vom Thema Minimalismus? Sehr gut! Denn heute folgt Beitrag Nr. 3, mit dem ich diese Minimalismus-Reihe vorerst beschließen möchte. (Falls du die ersten beiden Beiträge verpasst hast, kannst du sie hier und hier nachlesen.)

Bisher habe ich bei all meinen Tipps zum Thema Aussortieren eine Frage völlig außer Acht gelassen: Wohin mit den aussortieren Dingen? Da gibt es natürlich verschiedene Optionen. Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat besondere Priorität für mich – was ich nicht gebrauchen kann, dient vielleicht noch jemand anderem, der es sich demzufolge nicht neu anschaffen muss. Mittlerweile lege ich darum während des Aussortierens verschiedene Stapel für verschiedene Kategorien an. Dies sind meine drei Hauptkategorien:

  • Zu verschenken!

Wenn andere etwas gebrauchen können, was ich nicht mehr brauche, profitieren einfach alle. Deswegen mache ich bereits beim Aussortieren einzelne Stapel für verschiedene Freunde und Familienmitglieder, von denen ich glaube, dass sie an bestimmten Dingen interessiert sein könnten. Mir hat es sehr geholfen, dies tatsächlich direkt nach Personen zu sortieren. Wenn ich alles nur auf einen Haufen werfe und denke: „Ich könnte dann ja mal ein paar Leute fragen…“ dauert es lange, bis ich das tatsächlich mache. Wenn ich jedoch bereits einen Stapel für eine bestimmte Person parat habe, bin ich motivierter die Sache anzugehen und dieser Person zum Beispiel Bilder von den Gegenständen zu schicken.

Natürlich habe ich nicht für alles eine bestimmte Person im Kopf – deswegen verschenke ich auch gern an „irgendjemanden“. Viele nutzen dafür die Verschenks-Gruppen bei facebook. Eine andere Möglichkeit sind für alle zugängliche Verschenks-Regale, die in einigen Städten schon sehr etabliert sind. Dort kann jeder Dinge hineinlegen oder herausnehmen, der daran vorbeigeht.  Meine Schwester hat mir außerdem von Bücher-Regalen im Zug erzählt, die genauso funktionieren: Bücher können von jedem hineingelegt und herausgenommen werden. Sehr attraktiv ist für mich in letzter Zeit schlicht die Straße vor unserem Haus geworden. Schon häufig war mir aufgefallen, dass Leute dort Kisten mit verschiedenstem Inhalt samt eines Zettels „Zu verschenken!“ vor die Haustür stellten. Ich war erst unsicher, ob das wirklich funktionieren würde, aber mittlerweile bin ich auf diese Weise bereits drei kleine Kisten voll losgeworden – und das rasant schnell! Oft unterschätze ich, wie sehr andere Leute sich an etwas freuen können, woran ich selbst keine Freude mehr habe.

  • Zu verkaufen!

Ich persönliche tue mich mit dem Verkaufen etwas schwer. Die meisten meiner aussortieren Dinge haben keinen besonders hohen monetären Wert mehr und der Aufwand, sie zu verkaufen, ist oft höher als der Gewinn, den ich dadurch machen würde. Dennoch ist durch einen Verkauf sichergestellt, dass die andere Person wirklich Interesse an meinem Gegenstand hat und er nicht gleich wieder in den Müll wandert. Momentan versuche ich, ein paar Kleider und Bücher zu verkaufen, die noch wirklich gut in Schuss sind und deren Einkaufspreis nicht gering war. Auch hierfür gibt es (neben „richtigen“ Flohmärkten) zahlreiche Möglichkeiten im Internet. Für Kleidung ist der „Kleiderkreisel“, eine Online-Flohmarkt-Tausch-Börse eine schöne Möglichkeit. Auch für den Verkauf gibt es facebook-Gruppen in vielen Städten. Bücher, die man während des Studiums benötigt hat, lassen sich auch gut über Uni-facebook-Gruppen an den nächsten Studenten verkaufen. Ebay Kleinanzeigen ist natürlich auch eine gute Anlaufstelle. Für Bücher und DVDs gibt es außerdem Seiten wie „booklooker“ oder „momox“. Ich kann noch nicht wirklich aus Erfahrung sprechen, was diese verschiedenen Möglichkeiten angeht. Ich merke jedoch, dass ich mich auf eine bestimmte Anzahl von Internetseiten beschränken muss, um nicht den Überblick zu verlieren und mich nicht zu überfordern.

  • Wegschmeißen!

Etwas wegzuschmeißen sollte die letzte Alternative sein. Prüfe lieber erst, ob du Dinge verschenken kannst, bevor du sie wegschmeißt. Wenn du jedoch festgestellt hast, dass ein Gegenstand höchstwahrscheinlich niemandem mehr nutzen wird, zögere nicht, ihn in den Mülleimer zu befördern. Es kommt dir vielleicht verschwenderisch vor, öffnet dir allerdings auch die Augen dafür, was du wirklich brauchst und was nicht. Dies wiederum schärft dein Bewusstsein für neue Anschaffungen. Da man dieses „verschwenderische Gefühl“ beim Wegschmeißen als negativ empfindet, wird man bei weiteren Anschaffungen höchstwahrscheinlich bewusster handeln und so einkaufen, dass man möglichst wenig wieder wegschmeißen muss.

Papierkram ist bei mir zu einem sehr hohen Anteil in die blaue Tonne gewandert – über möglichen weiteren Gebrauch musste ich nicht sehr lang nachdenken. Es ist wirklich erschütternd, wie viel Papier für eine nur sehr kurze Nutz-Zeit verschwendet wird. Das lässt mich mittlerweile lieber zwei Mal darüber nachdenken, ob ich etwas ausdrucken muss oder nicht.

All solche Gedanken führen mich dazu, dass ich in Zukunft bewusster einkaufen, konsumieren und Anschaffungen tätigen möchte. Dabei habe ich verstärkt zwei Kriterien im Kopf: 1. Wie viel neuen Müll produziere ich durch meinen Einkauf? 2. Wie lange werde ich den erworbenen Gegenstand nutzen?

Die Länge der Nutzung ist nicht unbedingt ein Kriterium für Nahrungsmittel – die verschwinden natürlich relativ schnell in meinem Mund. 😉 Ich achte jedoch unter anderem verstärkt auf unnötige Müllproduktion. Folgende Punkte kann wirklich jeder sofort versuchen:

  • Kaufe nur das, was du auch isst! Immer mal wieder passiert es mir, dass ich Dinge in den Einkaufswagen befördere, die ich gern einmal ausprobieren möchte, dann jedoch enttäuscht bin und die Packung nicht leere. Deswegen denke ich mittlerweile über solche „Experimente“ vorher sehr gründlich nach und kaufe größtenteils Nahrungsmittel, über die ich gut Bescheid weiß.
  • Versuche, Plastik zu vermeiden. Plastik komplett zu vermeiden ist bei Nahrungsmitteln (leider) wirklich schwer. Doch jeder kann einen Anfang machen! Gemüse und Obst muss zum Beispiel nicht unbedingt in eine Tüte. Tüten können außerdem mehrfach verwendet werden! In manchen Städen gibt es sogar bereits sogenannte „Unverpackt“-Läden.
  • Verzichte auf to-go-Becher und ähnliches. Ja, ich weiß, dass es „cool“ ist mit einem Kaffee-to-go durch die Gegend zu laufen. 🙂 Doch das geht auch mit einem selbst mitgebrachten Becher! Außerdem versuche ich, weitestgehend auf anderes to-go-Verpackungsmaterial zu verzichten. Muss beispielsweise der eingepackte Döner oder die Packung Pommes unbedingt zusätzlich in eine Tüte?

Kriterium Nummer 2 habe ich bei allen Anschaffungen im Kopf, die nichts mit Nahrungsmitteln zu tun habe, wie zum Beispiel bei Klamotten oder Möbeln. Ich überlege mir beim Einkauf folgende Dinge:

  • Kaufe ich mir diese Sache nur, weil sie momentan im Trend ist oder würde ich sie theoretisch auch noch in 10 Jahren nutzen? Ich kaufe eigentlich nichts mehr, nur weil es gerade „in“ ist. Mittlerweile weiß ich, dass ich es früher oder später wieder aussortieren würde. Es lohnt sich also nicht. Und ja, es gibt tatsächlich Klamotten, die zeitlos und trotzdem schön und modern sind! Hierfür kann ich zum Beispiel die Marke „armedangels“ empfehlen, die zudem fair produziert.
  • Lohnt es sich, etwas tiefer in die Tasche zu greifen für etwas, das von besserer Qualität ist und somit länger hält? Meine Antwort darauf ist häufig „ja“. Doch aufgepasst: Nur weil eine Marke teuer ist, heißt das nicht automatisch, dass sie gute Qualität produziert – dies trifft auch bei Lebensmitteln nicht immer zu. Schau genau hin!
  • Lohnt es sich, etwas tiefer in die Tasche zu greifen für etwas, das fair produziert wird? Definitiv „ja“. Meist geht das auch noch mit guter Qualität einher. Ich kaufe lieber einen guten Pullover, der fair produziert wurde und trage ihn viele Jahre den halben Winter lang als drei billige, die es nicht bis zum nächsten Winter überleben.
  • Du musst jedoch nicht immer teuer einkaufen – ganz im Gegenteil! Im Sinne des Recyclings versuche ich nicht nur Dinge an andere Leute loszuwerden, sondern auch selbst Gebrauchtes von anderen zu erwerben, zum Beispiel auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Läden. Bei ebay Kleinanzeigen stehen eine Menge Möbel zum Verkauf, die noch gut in Schuss sind und für einen fairen oder verhandelbaren Preis angeboten werden. Mir gefällt außerdem der Gedanke, dass diese Gegenstände bereits eine „Geschichte“ haben. Erst vor kurzem habe ich außerdem zwei alte Bilderrahmen aus einer Verschenks-Kiste in unserer Straße mitgenommen, die perfekt zu einem anderen Deko-Gegenstand von mir passen. So leicht kann es gehen! Diese Variante ist vor allem dann ideal, wenn du ein bisschen auf „vintage“ und „retro“ stehst. 🙂 Mit Freundinnen veranstalte ich außerdem hin und wieder eine „Kleidertauschparty“: Jeder bringt Klamotten mit, die man nicht mehr tragen möchte und es wird fleißig verschenkt und getauscht. So ergibt sich ein tolles Geben und Nehmen. Wir können viel mehr voneinander profitieren, als wir manchmal glauben! Es muss nicht immer alles neu sein.

Alles in allem kaufe ich weniger ein. Und wenn ich etwas einkaufe, überlege ich es mir genau. Dann gebe ich auch manchmal etwas mehr aus, nutze den Gegenstand jedoch mit viel Freude und lange. Oder ich gebe sehr wenig aus und habe einen Gegenstand mit Geschichte, der dafür nicht in den Müll wandern musste und somit eine zweite Chance erhält. Meine finanzielle Situation ändert sich dadurch nicht sonderlich. (Ich war jedoch auch schon vorher recht sparsam – manch einer macht dadurch bestimmter sogar Gewinn!)

Du hast sicherlich bemerkt, dass am Thema Minimalismus viel mehr dran hängt als das reine Aussortieren. Es ist ein Lebensstil, der mit einer neuen Herangehensweise an viele Lebensbereiche verbunden ist. Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig dazu anstecken, das ein oder andere auszuprobieren und würde mich freuen, von deinen Erfahrungen zu hören. Lass es mich auch wissen, wenn dich eines der „angerissenen“ Themen noch vertiefter interessieren würde!

Constanze

(Photo by Bench Accounting)

Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Aussortieren leicht(er) gemacht – Minimalismus #2

In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich davon erzählt, wie ich mich vom Trend des „Minimalismus'“ anstecken ließ. Weniger zu besitzen, bewusster zu konsumieren, insgesamt nachhaltiger zu denken – diese Ideen begeistern mich. Doch es soll nicht nur bei Ideen bleiben, ich möchte Praxis folgen lassen! Grundsätzlich hat es für mich zwei verschieden Folgen: 1. Weniger bzw. bewusster einzukaufen und 2. Besitz, den ich nicht brauche oder der mir keine Freude mehr bereitet, auzussortieren.

In diesem Beitrag soll es um Punkt 2 gehen – nicht etwa, weil der erste weniger wichtig wäre. Sondern weil die Umsetzung des zweiten einen gute Ausgangslage gewährt, von der aus du womöglich noch motivierter Punkt 1 angehen kannst. Vielleicht habe ich dich im letzten Beitrag ein wenig für einen minimalistischen Lebensstil begeistern können. Aber so richtig aussortieren? Das fällt oft schwer. Sich von Gegenständen trennen, die schon jahrelang Teil der Wohnung sind… Wo soll man anfangen? Was ist mit all den Erinnerungen? Vielleicht brauch ich dies oder jenes doch noch irgendwann! Um dir bei diesen Fragen ein wenig zu helfen, habe ich in vier Punkten ein paar Tipps zusammengefasst, die ich mir selbst immer wieder beim Aussortieren gebe. Inspiriert dazu wurde ich unter anderem von der YouTuberin ItsColeslaw und der Zeitschrift flow (Nummer 27). Den Anstoß zum praktischen Umsetzen des Minimalismus‘ gab mir außerdem die amerikanische Dokumentation „minimalism“, welche bei netflix zu finden ist.

1.) Zuerst einmal halte ich es für wichtig, folgendes zu verinnerlichen: Es geht nicht darum, so viel möglich loszuwerden, sondern bewusst auszuwählen, was du brauchst. Das mag paradox klingen, da es beim Minimalismus ja darum geht, wenig zu besitzen. Es geht jedoch nicht um einen Wettkampf im Sinne von: „Wer es schafft, sich von so viel Besitz wie möglich zu trennen, hat gewonnen.“  Vielmehr geht es darum, genau das zu besitzen, was du brauchst. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deswegen wird auch jeder unterschiedlich viel aussortieren. Manche Minimalisten benötigen gar keine Dekoration mehr, anderen wäre das zu kahl. Minimalistisch ist es, wenn du keine Dekoration besitzt, die du eigentlich nicht magst oder dir in irgendeiner Weise ein schlechtes, „überfülltes“ Gefühl vermittelt. Statt zu beginnen, in dem du nach Dingen Ausschau hältst, die du loswerden kannst, ist deshalb folgende Herangehensweise sinnvoller: Nimm dir einen Bereich vor, zum Beispiel Kleidung. Dann nimmst du deine komplette Kleidung und legst sie auf einen Haufen. Nun suchst du die Teile aus, die du behalten möchtest! Das ist eine viel positivere Herangehensweise und hat bei mir zudem den Effekt, dass ich sogar noch mehr aussortiere.

2.) Gehe Stück für Stück vor! Vielleicht hast du bemerkt, dass deine Wohnung tatsächlich total überfüllt ist und beginnst, wahllos auszusortieren – das kann ich gut verstehen. Besser ist es jedoch, wenn du dir zu erst einmal einen Bereich vornimmst und dich dann langsam vorarbeitest. Das kann und darf lange dauern und wird dich nicht all zu sehr überfordern. Folgende Bereiche kann es zum Beispiel geben: Klamotten, Bücher, CD’s, DVD’s, Kosmetikartikel, Geschirr/Küchengeräte, Briefe/Karten, Dekoration, …

3.) In den letzten Tagen hat mich besonders eine Regel immer wieder entlarvt: Die sogenannte „Vielleicht-Regel“. Ich muss zugeben, die ist wirklich etwas radikal. Aber meist weist sie auf genau die Gegenstände hin, von denen man jahrelang glaubte, sie noch gebrauchen zu können – es aber nie dazu kam. Lina Jachmann schreibt dazu in der flow: „Wenn man sich auf einen Gegenstand konzentriert, merkt man sofort, ob diese Hose oder dieser Spiegel zu den ‚Glücklichmachern‘ gehört. Bei manchen Dingen regt sich ein ‚Vielleicht‘. Diese Besitztümer, die man möglicherweise noch gebrauchen kann, die eigentlich ganz hübsch sind oder aber viel Geld gekostet haben, gehören laut Marie Kondo zu denen, die wir aussortieren können.“ Marie Kondo selbst schreibt dazu: „Wir wollen doch keine Vielleicht-Leben führen.“ Dieser Satz schlug bei mir ein. Denn es stimmt, ich möchte mich nicht auf Dinge konzentrieren, die vielleicht wesentlich für mich sein könnten. Wenn ich diese Dinge aufhebe, verliere ich den Blick für das Wichtige, für das wirklich Schöne. Unsere äußere Umgebung hat eine Wirkung auf unser Leben, auf unser Inneres. Deswegen sollten wir auch im Äußeren sorgfältig auswählen. Wenn du dir dennoch unsicher bist, empfehle ich dir folgende Vorgehensweise: Gib deinem Vielleicht-Gegenstand noch eine Chance, indem du ihm einen Platz gibst, an dem er greifbar ist und du ihn immer mal wieder siehst. Früher oder später wirst du merken, ob du ihn noch gebrauchen kannst oder schön findest – nämlich dann, wenn du ihn doch benutzt oder wenn du dich jedes Mal freust, wenn du ihn siehst. Wenn er dich jedoch bald nervt oder nur sinnlos herumsteht, ist er es wohl eher nicht wert.

4.) Mein vierter Hinweis bezieht sich auf eine bestimmte Art von Dingen, nämlich auf all jene, die mit Erinnerungen verknüpft sind. Die bereiten mir oft besonders viel Kopfzerbrechen. Bin ich emotional bereit, diesen Gegenstand loszulassen? Werde ich das irgendwann bereuen? Ich möchte mich definitiv nicht pauschal gegen Erinnerungs-Objekte aussprechen. Mein persönliches Problem ist allerdings, dass ich früher fast alles aufgehoben habe, wenn es mit einem Erlebnis oder einer Person verknüpft war. Vom Papierschiffchen, das mir jemand gebastelt hat, in den ich verknallt war, über Steine und Programmzettel bis zu T-Shirts, Deko, Büchern… Ich habe diese Dinge nicht aufgehoben, weil ich sie so schön fand, sondern nur, weil eine Erinnerung daran hing. Wenn ich weiter so verfahren würde, würde unsere Wohnung irgendwann aus allen Nähten platzen.

Da mir dennoch einige Erinnerungs-Objekte wichtig sind, habe ich für mich persönlich zwei Regeln aufgestellt. 1. Die Erinnerungen müssen alle in eine Kiste passen – meine „Erinnerungskiste“. Dort sind sie gebündelt, ich verliere nicht den Überblick und wenn die Kiste zu voll wird, bin ich gezwungen, den ein oder anderen Gegenstand noch einmal zu überdenken. Wenn ich mich erinnern möchte, kann ich die Kiste hervorholen, durchstöbern und danach wieder zurück in die Kammer stellen. 2. Der Erinnerungsgegenstand muss mir ein positives Gefühl vermitteln. Kein negatives, kein neutrales (bedenke die Vielleicht-Regel), sondern wirklich ein positives! Vor kurzem bin ich verschiedene „Papier-Erinnerungen“, wie Gedichte oder Briefe, durchgegangen. Es war sehr befreiend, all jene in den Papierkorb zu werfen, die Erinnerungen an Zeiten hervorriefen, mit denen ich eigentlich abgeschlossen hatte und dabei laut „Let it goooo!“ zu rufen. (Ja, das habe ich wirklich getan.)

Und auch bei den positiven Erinnerungs-Objekten geht es oft gar nicht um den Gegenstand an sich, sondern lediglich um die Erinnerung, die daran hängt. In solchen Fällen reicht es vielleicht sogar, ein Foto von dir mit dem Objekt zu machen und dieses Foto statt den Gegenstand zu behalten. Wenn du dir das Foto anschaust, kannst du dich trotzdem noch erinnern.

Gut, nun hast du vier Tipps, die du im Hinterkopf behalten kannst, um die Sache anzugehen. Aber wo nun anfangen? Hier folgen deshalb noch vier Bereiche, in denen es sich aus meiner (zugegebenermaßen weiblichen) Sicht leicht starten lässt:

1.) Kosmetikartikel: Mal im Ernst – trägst du wirklich noch den blauen Lidschatten, den du dir als Teenager gekauft hast? Benutzt du alle sechs Mascaras, von denen vier sicherlich schon ausgetrocknet sind? Und was ist mit den verschiedenen Cremes, die du ausgetestet hast, um die eine perfekte zu finden? Wie wäre es, einfach nur diese eine aufzuheben, die du sowieso jeden Tag verwendest? Kaum etwas fiel mir so leicht wie das Aussortieren von Schminke und Co. Hier kam besonders die „Vielleicht-Regel“ zum tragen: „Vielleicht trage ich ja doch noch einmal irgendwann diesen Lidschatten oder diesen Lippenstift…“ Nein. Wenn ich es in den letzten Jahren nicht getan habe, werde ich es zukünftig auch nicht tun. Und wenn ich den Duft dieser Creme jetzt nicht mag, werde ich ihn später auch nicht mögen. Wie schön ist es, wenn alle Schminkartikel in einen Behälter passen und ich einfach sofort weiß, nach welcher Mascara ich greifen muss.

3.) Klamotten: Dazu habe ich bereits hier ein paar Gedanken geteilt. Ich denke, dass es recht leicht ist herauszufinden, welche Klamotten du wirklich magst und welche sich aussortieren lassen. Es ist nämlich so: Du magst die Klamotten wirklich, die du immer wieder trägst! Einfach, oder? Warum also die anderen aufheben? Oh ja, ich kenne die Stimme im Kopf, die laut protestieren möchtet: „Ich brauche doch die Auswahl!“ Ja, du brauchst eine kleine Auswahl an Sachen, die du wirklich magst. Denn das ist wirklich eine Auswahl. Es ist keine Auswahl, wenn du immer wieder Sachen in die Hand nimmst, kurz betrachtest und dann doch wieder zu einem deiner Lieblingsoberteile greifst. Es reicht tatsächlich, Lieblings-Kleidung zu besitzen. 🙂 Sicher, schicke Kleider zum Beispiel benötigten die meisten eher selten und doch ist es gut, für besondere Anlässe welche parat zu haben. Ich persönlich habe meinen Besitz auf drei reduziert, so kann ich dennoch variieren. Von vielen Kleider konnte ich mich lange nicht trennen, weil ich glaubte, dass sei regelrecht „Verrat“ an diesen guten Kleidern. Ein nochmaliges Anprobieren hat mir jedoch schnell gezeigt, dass sie nicht mehr in mein Leben gehören. Der eigene Stil kann sich ändern! Früher habe ich zum Beispiel noch nicht so sehr auf zeitlose Mode gesetzt. Das rot-glitzernde Kleid passt da leider nicht mehr rein…

2.) Küche: Wer kennt es nicht – die über die Jahre angesammelten Tassen, die den Küchenschrank fast platzen lassen! Doch sind es bei dir auch nur diese zwei, drei Tassen, aus denen du immer trinkst? Die anderen sind meist nur Lückenfüller. Klar, ein paar mehr für Gäste müssen schon sein. Deswegen haben mein Mann und ich zwei zusammenhängende Sets aufgehoben. Aber von den restlichen Tassen, die sich so „ansammeln“, besitzen wir jetzt nur noch die, aus denen wir wirklich gern trinken. Je nachdem, wie „koch- und backaktiv“ du bist, bist du natürlich auf unterschiedliche sonstige Küchenutensilien angewiesen. Doch brauchst du wirklich jede Schüssel, jede Dose? Jedes Förmchen, jedes stumpfe Messer? Ein etwas tieferer Blick in die Küchenschränke lohnt sich sicher.

3.) Papierkram: Besitzt du auch noch die alten Weihnachtskarten von vor zehn Jahren? Sammelst du jede CityCard ein, die du lustig findest? Stapeln sich Kassenzettel von Dingen, deren Garantie schon längst abgelaufen ist? Und was ist mit dem Mietvertrag von deinem Studentenzimmer von vor fünf Jahren oder anderen „wichtigen“ Dokumenten, die irgendwann mal wichtig waren, aber jetzt eigentlich nicht mehr? Jap, ich bin schuldig bei all diesen Dingen. Und jetzt denkst du vielleicht: Dokumente wegschmeißen, das geht doch nicht! Natürlich, du musst ganz genau prüfen, was du wegschmeißen kannst und was nicht. Aber sicherlich musst du nicht jede alte Rechnung aufheben, nicht jeden alten Lebenslauf, nicht jede Postkarte. Hebe nur das auf, was du wirklich noch brauchst und schaffe dir ein gutes Ordnungssystem!

Wenn du die Bereiche in Angriff genommen hast, die dir leicht fallen, bist du gut gewappnet für die schweren Gebiete, welche auch immer das für dich sind: Bücher oder DVD’s, CD’s? Dekoration, Möbel? Übrigens: Ich selbst halte mich auch noch nicht konsequent an meine eigenen Tipps, aber das ist okay. Zu „minimieren“ ist ein Prozess (der übrigens Spaß macht!). Ich muss nicht von heute auf morgen eine perfekt „minimalistisch“ eingerichtete Wohnung haben.

Lass es mich wissen, wenn dir einer dieser Tipps geholfen hat! Im nächsten Beitrag dieser Reihe geht es um die Frage: „Wohin mit dem Aussortierten?“. Ich werde außerdem noch ein wenig auf Punkt Nr. 1 vom Anfang dieses Beitrags eingehen. Bis dahin viel Freude beim Aussortieren!

Constanze

(Photo by BRUNO CERVERA)
Veröffentlicht in Gedanken, Lifestyle, Persönlichkeit

Wie ich das Motto „Less is more“ für mich entdeckte – Minimalismus #1

In den letzten Tagen ist es normal geworden, dass ich mit irgendeinem Gegenstand in der Hand am Schreibtisch meines Mannes auftauche und frage: „Also, Schatz, wenn du mal gaaaanz ehrlich zu dir selbst bist – das brauchst du doch nicht mehr, oder?“

Ja, das hat viel damit zu tun, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft wieder umziehen. Als Kind habe ich mir Umziehen immer sehr aufregend vorgestellt. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht nur aufregend ist, sondern  vor allem Nerven aufreibend. Und doch bietet jeder Umzug etwas Positives, dass ich nicht missen möchte: einen Neuanfang. Bisher verbinde ich jedes WG-Zimmer oder jede Wohnung, in der ich gelebt habe, mit einem ganz bestimmten Lebensgefühl. Sie alle waren Teil verschiedener Phasen meines Lebens. Und so erhoffe ich mir auch von der nächsten Wohnung den Start in eine neue Phase und ein Stück weit in ein neues Lebensgefühl. Und das führt mich zurück zu meiner Ausgangssituation.

Denn nein, ich möchte es nicht nur vermeiden, über die Jahre hinweg angesammelten Müll mit in die nächste Wohnung zu transportieren. Ich möchte mehr. Beziehungsweise weniger. Ich möchte mehr „weniger“. Verwirrt? Lass es mich erklären.

Mich hat es gepackt: der Gedanke des sogenannten „Minimalismus‘“. Ich weiß nicht, ob es eine einheitliche Definition vom Lebensstil „Minimalismus“ gibt. Ich habe auch noch kein Buch darüber gelesen. Aber nach meiner Recherche in Zeitschriften und Internet geht es um folgendes: Nur solche Dinge zu besitzen, die wirklich eine Bereicherung für das eigene Leben sind und einem Freude bereiten. Dies hat meist zur Folge, erst einmal ordentlich auszusortieren. Und demzufolge zukünftig auch nur noch solche Dinge anzuschaffen, die diesem Kriterium entsprechen. Es geht darum, einen bewussten Umgang mit allem zu pflegen: mit Klamotten, mit Essen, mit Möbeln, … mit dem Leben an sich. Weg von Konsum ohne Ende und hin zu bewusstem Auswählen. Weg von massenhafter Müllproduktion und hin zu nachhaltigen Anschaffungen. Weg von Reizüberflutung in der eigenen Wohnung und hin zu dem Gefühl, „wieder atmen“ zu können. Es ist ein Gedanke von Nachhaltigkeit und einem bewussten Leben, ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr. Seit einem Monat etwa hat mich dieses Motto gefesselt und unser anstehender Umzug gibt mir die perfekte Möglichkeit, es praktisch umzusetzen.

Doch es geht nicht nur ums Ausmisten – dahinter steckt ein Lebenseinstellung, die mehr ist als nur ein Trend. Umso mehr ich mich mit der Thematik beschäftigte, umso mehr wurde mir bewusst, dass ich mit dieser Lebenseinstellung schon immer unbewusst sympathisiert hatte. Nur irgendwie war sie vom Lärm und Druck der Gesellschaft überlagert wurden…

Als ich ungefähr 10 Jahre alt war, begann ich den für mich damals signifikanten „Schlabber-Look“, welcher lediglich aus einfarbigen „Schlabber-T-Shirts“ (und natürlich irgendeiner Hose) bestand. T-Shirts, die überhaupt nicht figurbetont waren und genau genommen auch etwas zu groß. T-Shirts, die es im Fünfer-Pack im Kaufland zu kaufen gab. Ich wollte wirklich, soweit es sich vermeiden ließ, nichts anderes tragen! Die große Frage ist: Warum? An meine genauen Beweggründe kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich glaube im Endeffekt ging es darum, dass ich bemerkte, dass ein Großteil meiner Umgebung anfing, mit irgendeiner Mode mitzugehen. Ich bemerkte, dass man theoretisch eine Riesenauswahl an Klamotten und Trends hatte. Und darauf hatte ich keine Lust. Warum sollte ich es mir schwer machen, wenn ich es auch leicht haben konnte? Einfach jeden Tag ein T-Shirt vom Stapel nehmen und wissen, woran man ist. Gar nicht erst anfangen, sich irgendwelche Gedanken über Mode zu machen, die sich sowieso immer wieder ändert.

Einige Jahre nach dieser Phase war es mir eher peinlich, dass ich mich in dieser Phase befunden hatte. Heute schau ich zurück und bin ein wenig stolz auf mich. Denn damals war es mir noch egal, was andere dachten. Ich wollte mir mein Leben nicht mit Klamotten verkomplizieren. Weniger war für mich mehr. Natürlich konnte auch ich als Teenager dem Druck der Mode nicht so ganz standhalten. Ich beendete meine Schlabber-Look-Zeit und versuchte irgendwie, hip auszusehen. Doch das gelang mir lange Zeit nicht wirklich und ich weiß noch, wie viele gedanklichen Kämpfe ich mit mir selbst darüber ausfocht, ob ich mit der Mode mitgehen wollte oder ob ich Shoppen „aus Spaß“ eigentlich komisch fand.

Als Jugendliche lebte ich nicht wirklich minimalistisch. Zwar bin ich nie massenhaft shoppen gegangen, besaß nie zwanzig verschiedene Labellos (ja, das war normal in meiner Jugendzeit) oder Unmengen an CD’s und DVD’s. Dennoch freute ich mich über alles, was dazukam und dachte unbewusst, dass jeder Gegenstand automatisch eine Bereicherung für mein Leben sein würde. Ganz nach dem Prinzip: Mehr ist besser. Das vermittelt unsere Gesellschaft uns schließlich, oder?

In den letzten Jahren veränderte sich einiges in meinem Leben. Neben offensichtlichen äußerlichen Veränderungen hinterfragte ich auch noch einmal ordentlich meine Persönlichkeit, meine Ziele, meine Herangehensweise ans Leben so an sich, meinen Glauben. Neben vielen anderen Erkenntnissen wurde mir immer bewusster, dass ich mich „reizüberflutet“ fühlte. Ich hatte das Gefühl, dass es zu viele verschiedene Bereiche in meinem Leben gab. Zu viele verschiedene Hobbys, denen ich mich nicht mit aller Kraft widmen konnte. Zu viele Freundschaften, in die ich nicht gleichermaßen investieren konnte. Zu viel What’s App, zu viele E-Mails. Zu viele Erwartungen anderer. Zu viel Gesellschaftsdruck. Zu viele Möglichkeiten. Zu viele Kisten auf meinem Kleiderschrank, von denen ich nicht wusste, was überhaupt darin war. Zu viel kitschbunter Schmuck, den ich nicht mehr trug. Einfach zu viel von allem. Ich erkannte: Mehr ist nicht zwingend besser. Jedenfalls nicht für mich. Ich wollte wieder weniger.

Die Lösung dafür fand ich nicht so schnell. Lange Zeit verbrachte ich nur damit, das Problem in verschiedenen Bereichen meines Lebens zu erkennen – und das war wichtig. Einer der Punkte, an dem ich wusste, dass ich definitiv etwas ändern musste, war die Rückkehr aus unserem diesjährigen Urlaub. Nachdem wir eine Woche in einem schlichten, schicken Hotel verbracht hatten, fühlte sich unsere Wohnung zu Hause einfach nur überfüllt und chaotisch an und ich konnte nicht schlafen, bis ich kurzerhand ein paar Dinge aus dem Schlafzimmer verbannte. Zum ersten mal bemerkte ich wirklich, wie viel unnütze Gegenstände ich besaß.

Versteht mich nicht falsch: Minimalismus ist nicht die ultimative Antwort auf meine Probleme. Es ist nicht der eine Lebensstil, der mir alles leichter machen wird. Doch es ist ein Ansatz, der mir hilft, fokussiert zu bleiben und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dies soll der erste Beitrag einer Blog-Reihe zum Thema Minimalismus sein. In den kommen Beiträgen wirst du etwas mehr über meine praktische Herangehensweise erfahren und ich werde ein paar Tipps zum Aussortieren teilen. Doch mehr als das möchte ich dich ermutigen, dich für ein bewussteres Leben zu entscheiden. Hier folgen deshalb abschließend noch einmal zusammengefasst vier Aspekte, die mich von einem minimalistischen Lebensstil überzeugen:

  • Die Welt redet uns ein, dass wir viel besitzen müssen. Dass wir viel konsumieren müssen. Dass wir nur glücklich sein können, wenn wir viel besitzen. Und das ist kein Wunder – Firmen verdienen daran. Doch werde ich dadurch wirklich nachhaltig glücklich? Und will ich wirklich jeder Firma mein Geld hinterherwerfen? Jeder Firma, die ihre Angestellten schlecht bezahlt und ihre Produkte billig, ungesund oder umweltverschmutzend produziert? Nein, ich möchte bewusst gute Produkte auswählen. Und ja, Gutes hat seinen Preis. Demzufolge kann ich nicht mehr so viel kaufen, aber das brauche ich auch nicht, weil Gutes meist länger hält. Bewusst auszuwählen bedeutet, bewusst Gutes zu unterstützen. Weniger zu besitzen bedeutet, in dieses Wenige besser investieren zu können.
  • Ich persönlich kann mich nicht konzentrieren, wenn mein Zimmer voller Dinge ist, zu denen ich keine „Beziehung“ habe. Oft sind sie nur da, weil ich ein schlechtes Gewissen haben würde, wenn ich sie wegschmeißen oder verschenken würde. Doch will ich mir wirklich von Gegenständen ein schlechtes Gewissen einreden lassen? Also weg damit!
  • Weniger zu besitzen bedeutet für mich, mich besser auf die (nicht-gegenständlichen) Dinge konzentrieren zu können, die wirklich Wert haben. Ich erwähnte bereits, dass ich mich in vielen verschiedenen Bereichen reizüberflutet gefühlt habe, wie zum Beispiel bei Hobbys und in Beziehungen. In solchen Bereichen ist es nicht immer so leicht, Überforderungen vorzubeugen. Warum also nicht wenigstens dort reduzieren, wo Überforderung leicht reduziert werden kann?
  • Und letztendlich noch einmal ganz praktisch gedacht: Weniger zu besitzen bedeutet mehr Platz! Mehr Platz auf dem Schreibtisch, mehr Platz im Küchenschrank, mehr Platz im Regal… Irgendeiner dieser Orte platzt bestimmt auch bei dir aus allen Nähten. Und falls du dich auch in so einer Phase deines Lebens befindest, in der du immer mal wieder umziehen musst, erleichtert dich das Aussortieren eventuell um ein paar Kisten.

Was hältst du von einem minimalistischen Lebensstil? In welchen Bereichen fällt es dir persönlich schwer, dich von Gegenständen zu trennen? Schreib mir gern deine Gedanken dazu in die Kommentare!

Constanze

(Photo by Khai Sze Ong on Unsplash)